Heiko Mell

Checkliste der Job-Gefährdung

Antwort:

Zunächst zu den Ursachen:

– Da die Unternehmen auf ihren Märkten unter z. T. extrem starkem Druck stehen, wird zwangsläufig auch intern das Klima rauer. Die Anforderungen steigen, auch die Chefs sehen ihre Position gefährdet, ihre Toleranzbereitschaft gegen Auffälligkeiten aller Art bei ihren Mitarbeitern nimmt deutlich ab (es „knallt“ früher).

– Die den Maßstab bildende große, durchschnittlich geprägte Masse der Mitarbeiter wird „in diesen kritischen Zeiten“ vorsichtiger im Umgang und mit der Kritik an bzw. Aufmüpfigkeit gegenüber Chefs – wer immer noch „Ärger macht“, fällt jetzt mehr auf.

– Die Vorgesetzten haben zumindest das Gefühl, auf dem Arbeitsmarkt ließen sich notfalls ersatzweise neue Mitarbeiter finden, auch das vermindert ihre Toleranzbereitschaft.

Die betroffenen Mitarbeiter drücken ihr Problem unterschiedlich aus. Die Skala reicht von „Das Klima mit dem Chef ist nicht besonders gut“ bis „… werde ich auch vom Vorgesetzten gemobbt“. In der Praxis kommt das alles auf ein und dasselbe hinaus: Plötzlich ist der Job weg oder die Gefahr droht immerhin, die Existenz ist gefährdet.

Das Prinzip, nachdem der Mitarbeiter erst dann gut arbeitet und als gut betrachtet werden kann, wenn der Vorgesetzte das so sieht, ist bekannt; hier soll nur noch einmal daran erinnert werden.

Es geht mir heute vor allem darum, eine größere Sensibilität im Vorfeld anzumahnen. Standard ist, dass die Betroffenen erst die vielen Entwicklungs-(Eskalations-)Stufen eines kaputtgehenden Verhältnisses durchlaufen, dann ihren Aufhebungsvertrag unterschreiben, freigestellt werden und nun erst voller Gottvertrauen fragen, was sie denn tun sollten.

Sehr viel hilfreicher wäre es, den sich anbahnenden Problemen im Vorfeld zu begegnen. Beispielsweise durch das Abarbeiten dieser Checkliste:

1. Mein Chef hat mehrere nachgeordnete Mitarbeiter, darunter mich. Wenn ich uns alle ganz kritisch betrachte: Gehöre ich zum Spitzendrittel, das er fachlich und persönlich sehr schätzt und unbedingt behalten will oder zum mittleren, in seinen (subjektiv urteilenden) Augen eher durchschnittlichen Drittel, das er braucht, um die Arbeit zu erledigen und das er weder (fachlich und persönlich) besonders schätzt, noch besonders negativ sieht oder zum verbleibenden dritten Drittel (das er vermutlich problemlos hergäbe, zwänge man ihn zu drastischen Reduzierungen)? Achtung: Es heißt jeweils „fachlich und persönlich“ (mit Betonung eher auf Letzterem). Wenn Sie sich nicht zuordnen können, sind Sie unsensibel!

2. Hat es in jüngerer Zeit Vorkommnisse gegeben, die das Verhältnis belastet haben könnten? Habe ich ihn – mit welch guten Ausreden auch immer – enttäuscht, vor den Kopf gestoßen, „hängen lassen“? Achtung: Drei positive Jahre können durch ein einziges Vorkommnis ausgelöscht werden.

3. Wie beurteile ich eigentlich ihn? Menschen mögen oder verachten sich sehr oft gegenseitig. Wenn ich mit ihm höchst unzufrieden bin, wird er es auch mit mir sein.

4. Welche Reputation genieße ich in der Ebene über ihm? Bin ich dort eine so feste Größe, dass ich gegen spontane Willkürhandlungen einigermaßen geschützt bin? Habe ich das erreicht, ohne ihn eifersüchtig oder misstrauisch zu machen?

5. Wie sicher sitzt er selbst auf seinem Stuhl? Und wenn er als gefährdet gilt: Rechnet man mich zu seinen kompromisslosen Parteigängern, die man im Ernstfall am besten mit entlässt?

PS 1: Keine Frage, nebenbei müssten Sie auch gelegentlich noch ein bisschen arbeiten.

PS 2: Gehen Sie schon mit „Husten“ zum Arzt und lassen Sie sich beraten, warten Sie nicht bis zur „Lungenentzündung“.

Kurzantwort:

Zunächst zu den Ursachen:

– Da die Unternehmen auf ihren Märkten unter z. T. extrem starkem Druck stehen, wird zwangsläufig auch intern das Klima rauer. Die Anforderungen steigen, auch die Chefs sehen ihre Position gefährdet, ihre Toleranzbereitschaft gegen Auffälligkeiten aller Art bei ihren Mitarbeitern nimmt deutlich ab (es „knallt“ früher).

Frage-Nr.: 345
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 33
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-08-12

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