Heiko Mell

Wenn Sie Bedenkzeit brauchen

Antwort:

„Sie“, sagte man dem Bewerber, „sind unser Mann. Hier die Konditionen, dort der Vertrag.“ Nun soll man niemals eine so wichtige Vereinbarung spontan und unter dem Druck unterschreiben, den ein solches Gespräch erzeugt. Sorgfältiges Durchlesen aller Details, Abwägung von Vor- und Nachteilen, Klärung von Unklarheiten – so viel Zeit muss sein. 24 Stunden haben sich dafür bewährt – ein vernünftiger Partner räumt Ihnen die gern ein. Auch er will nicht, dass Sie in der Aufregung etwas überlesen, das Sie bei nüchterner Betrachtung kritisch gesehen hätten. Um es bei der Gelegenheit noch einmal zu betonen: Der Arbeitgeber will, dass Sie gern und begeistert zu ihm kommen – nicht vorrangig, weil Sie die „Knackpunkte“ im Vertrag übersehen hatten.

Nun bitten Bewerber aber durchaus auch um längere Bedenkzeiten: eine Woche, vierzehn Tage oder noch länger. Und sie wundern sich dann, dass die Arbeitgebervertreter irgendwie enttäuscht oder doch zurückhaltend reagieren. Zu Recht, wie ich meine – und Sie sollten die entsprechenden Überlegungen kennen:

Gesucht werden Persönlichkeiten „mit Blick für das Wesentliche“, mit „rascher Auffassungsgabe“ (sprachlich unmöglich, aber geschäftsüblich), „mit der Fähigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen“ (wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen – und dort liegen sie ja jetzt).

Sie als Bewerber haben am Tage X die Anzeige gelesen und durchdacht, am Tage X+2 mit dem Inserenten telefoniert, haben an X+5 Ihre Bewerbung verfasst, waren an X+25 zum ersten und an X+40 zum zweiten Vorstellungsgespräch. Die ganze Zeit über haben Sie alles überdacht, haben überlegt, ob das etwas für Sie ist etc. etc. Jetzt, bei vorgelegtem Vertragsentwurf, kennen Sie auch noch die Länge des gewährten Urlaubs und die Kündigungsfrist in der Probezeit.Und wozu brauchen Sie jetzt vierzehn Tage Bedenkzeit? Es gibt nur diese Möglichkeiten:

Entweder Sie sind generell entscheidungsschwach. Das ist bei keiner Position eine Empfehlung, bei Führungsfunktionen natürlich ohnehin nicht. Außerdem wird das Problem durch Abwarten nicht kleiner.

Oder Sie warten dringend auf das Resultat einer anderen Bewerbung. In jenes Unternehmen würden Sie, nähme man Sie dort, lieber gehen – oder Sie möchten gern beide Vertragsangebote nebeneinander legen und Punkt für Punkt vergleichen. Etwa wie beim Heiratsantrag, auf den „sie“ in der Regel ja auch nicht antwortet, grundsätzlich gern, aber Karl-Otto hätte auch Andeutungen gemacht, sie wolle doch sein Angebot noch abwarten und würde sich in vierzehn Tagen wieder melden (oder nicht). So wie Sie sich dann gefühlt hätten, so etwa fühlt sich Ihr potenzieller neuer Chef, wenn Sie um entsprechende Bedenkzeit bitten. Würden Sie danach zusagen, hätte Ihr Votum nicht mehr die gleiche Wirkung, die es spontan gehabt hätte.

Natürlich weiß ich, dass eine solche Frist in der Regel mit sehnsüchtig erwarteten Angeboten anderer potenzieller Arbeitgeber zusammenhängt. Das weiß das Unternehmen, das Sie um Bedenkzeit bitten, aber auch.Nein, es hilft alles nichts: Sie werden in der Regel über jedes Vertragsangebot einzeln spontan entscheiden müssen – ohne Gewissheit über mögliche Alternativen zu haben. Aber nur so vermeiden Sie, dass ein potenzieller Arbeitgeber während einer Bedenkzeit – so er die überhaupt einräumt – ebenfalls weiter plant und sucht. Und man weiß nie, was dabei herauskommt. Als abschließender Trost: So ist das Leben eben.

Kurzantwort:

„Sie“, sagte man dem Bewerber, „sind unser Mann. Hier die Konditionen, dort der Vertrag.“ Nun soll man niemals eine so wichtige Vereinbarung spontan und unter dem Druck unterschreiben, den ein solches Gespräch erzeugt. Sorgfältiges Durchlesen aller Details, Abwägung von Vor- und Nachteilen, Klärung von Unklarheiten – so viel Zeit muss sein. 24 Stunden haben sich dafür bewährt – ein vernünftiger Partner räumt Ihnen die gern ein. Auch er will nicht, dass Sie in der Aufregung etwas überlesen, das Sie bei nüchterner Betrachtung kritisch gesehen hätten. Um es bei der Gelegenheit noch einmal zu betonen: Der Arbeitgeber will, dass Sie gern und begeistert zu ihm kommen – nicht vorrangig, weil Sie die „Knackpunkte“ im Vertrag übersehen hatten.

Frage-Nr.: 343
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 26
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-06-24

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