Heiko Mell

Kämpfen Sie nicht auf Nebenkriegsschauplätzen

Antwort:

Regeln und Gepflogenheiten sind auf Standard-Verhältnisse ausgerichtet. Das gilt auch für den Komplex „Arbeitszeugnis“. Solche Zeugnisse dienen (praktisch ausschließlich) der Vorlage bei Bewerbungen. Was nun ist dabei Standard-Situation?

Der allseits im Mittelpunkt des Interesses stehende typische Bewerber

– hat zum Zeitpunkt der Bewerbung ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis,

– ist etwa seit fünf bis zehn (es kommt nicht auf Feinheiten an) Jahren beim heutigen Arbeitgeber beschäftigt,

– hat vom heutigen Arbeitgeber kein oder allenfalls ein „uraltes“ Zwischenzeugnis.

Das bedeutet: Beim die Regeln und die verfahrenstechnischen Abwicklungen des Bewerbungsprozesses prägenden Kandidaten sind die vorgelegten Arbeitszeugnisse etwa fünf bis zehn Jahre alt. Punkt.

Jeder Bewerbung liegt aber ein Lebenslauf bei, in dem der Werdegang einschließlich informativer(!) Angaben zu den einzelnen, genau beschriebenen(!) Positionen ausführlich dargestellt ist. Und zwar mit allen relevanten(!) Details zu den jeweils ausgeübten Tätigkeiten.

Halten wir also fest: Würde er seine Informationen darüber, was der Kandidat früher gemacht hat und heute macht, aus den Arbeitszeugnissen herausholen, stünde der Bewerbungsleser mit mindestens fünf Jahre alten Erkenntnissen und mit dem völligen Fehlen von Informationen über die letzten Jahre „im Regen“.

Das aber will er nicht! Für Informationen über die heutige Tätigkeit muss er den Lebenslauf ohnehin lesen – also liest er ihn dann auch hinsichtlich der früheren Tätigkeiten, sofern diese ihn im Detail noch interessieren.

Wissen Sie, was das bedeutet? Im Normalfall ist die akribisch bis ins letzte Detail durchdachte Tätigkeitsbeschreibung im Zeugnis nicht halb so wichtig wie Sie als Betroffener denken. Natürlich gilt: Der große Rahmen sollte schon stimmen, aber bei den Details ist von viel größerer Wichtigkeit, was Sie jeweils im Lebenslauf darüber schreiben.

Anders ausgedrückt: Im Normalfall haben Sie über Ihre Tätigkeit der letzten fünf oder sieben Jahre keinen Nachweis – der Bewerbungsempfänger muss(!) glauben, was Sie selbst dazu schreiben. Nun, dann glaubt er das, was Sie über die weniger wichtigen Tätigkeiten in früheren Beschäftigungsphasen schreiben, gleich mit – und liest in den Zeugnissen meist nur die Daten und Fakten zur Position, dann springt er direkt zur Beurteilung vor. Daher gilt: Also kämpfen Sie nicht so erbittert mit Ihrem Chef um jedes Tätigkeitsdetail im Zeugnis, es lohnt sich nicht.

PS: Eine Beurteilung gibt es über die letzten fünf bis sieben Jahre wegen fehlenden Zeugnisses auch nicht. Die jedoch sollen Sie bitte nicht selbst formulieren, weder im Lebenslauf, noch in der unseligen Rubrik „Was Sie sonst noch über mich …“. Obwohl das manchmal erheiternd ist für den Leser. Bleiben Sie bei den Fakten.

Kurzantwort:

Regeln und Gepflogenheiten sind auf Standard-Verhältnisse ausgerichtet. Das gilt auch für den Komplex „Arbeitszeugnis“. Solche Zeugnisse dienen (praktisch ausschließlich) der Vorlage bei Bewerbungen. Was nun ist dabei Standard-Situation?

Frage-Nr.: 340
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 6
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-02-04

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