Heiko Mell

Warum es keine unfähigen Vorgesetzten gibt

Antwort:

„Das“, sagt der Vorstandsvorsitzenden zu seinem Besucher, als Abteilungsleiter Meier, Führungskraft des Hauses, auf sie zukam, „ist einer meiner Vorgesetzten.“ Denkbar? Nicht denkbar, absolut nicht. Für den obersten Chef der Firma wäre das vielleicht „einer meiner Abteilungsleiter“ oder „eine unserer mittleren Führungskräfte“. Das Wort „Vorgesetzter“ benutzt er in diesem Zusammenhang nicht, es sei denn, er erzählt aus seiner Jugend („mein damaliger Vorgesetzter …“). Ob er überhaupt noch einen Vorgesetzten hat und ob er den Aufsichtsratsvorsitzenden oder Großaktionär oder Hauptgesellschafter als solchen empfindet, ist offen – und für diese Betrachtung nicht von Belang.

Ähnliches gilt für die Manager der zweiten oder dritten Ebene: Auch sie würden einen ihnen unterstellten Leiter von irgendetwas nicht „Vorgesetzten“ nennen. Andererseits wären sie bei diesen für die Erteilung des Prädikats „unfähig“ zuständig.

Halten wir also fest: Hochrangige Manager würden schon deshalb nicht von unfähigen „Vorgesetzten“ auf den Ebenen unter sich sprechen, weil sie dafür überhaupt nie diesen Begriff verwenden. Hielten sie andererseits einen ihnen nachgeordneten Manager tatsächlich für unfähig, hätten sie die Pflicht, ihn abzulösen (und wären dieser schon im eigenen Interesse längst nachgekommen).

Als „Vorgesetzte“ bezeichnen nur die unterstellten Mitarbeiter ihre Chefs, z. B. die Angestellten jener Abteilung deren Leiter Meier. Sie nennen ihn – hinter seinem Rücken – durchaus mitunter unfähig. Allein, sie sind für diese Einstufung nicht zuständig, in den meisten Fällen auch nicht qualifiziert – und sie kennen die Ziele nicht hinreichend genau, die ihm gesetzt sind, schon gar nicht die an ihn gestellten Erwartungen. So hat ihr Wort in dieser Frage kein großes Gewicht.

Daher gibt es keine „unfähigen Vorgesetzten“ – weil diejenigen, die dieses Urteil fällen dürfen, diesen Begriff nicht verwenden, während jene, die ihre Chefs so bezeichnen, nicht urteilsberechtigt sind.

Gibt es also keinen zutiefst unfähigen Abteilungsleiter Müller? In der Praxis ja. In der Theorie ist er längst entlassen worden oder sein Chef merkt nichts von der Unfähigkeit, weil er selbst … Und dann wäre es dessen Chef auch und dann wären es die Eigentümer. Hilft uns diese Betrachtung? Irgendwie eher nicht.

Außer in folgender Hinsicht: Wenn Sie Ihren Vorgesetzten für unfähig halten, ist das sehr gefährlich. Weil, wenn Sie recht hätten, auch der nächsthöhere Chef und dessen Chef aus jenem Holze sein müssten. Und dann gingen Sie besser woanders hin.

Oder so: Hinter jedem unfähigen Manager steht ein Chef, der ebenfalls unvollkommen sein muss. Und gegen so viel geballte Unfähigkeit ist von unten her nichts auszurichten. Dann geht man lieber.

Kurzantwort:

„Das“, sagt der Vorstandsvorsitzenden zu seinem Besucher, als Abteilungsleiter Meier, Führungskraft des Hauses, auf sie zukam, „ist einer meiner Vorgesetzten.“ Denkbar? Nicht denkbar, absolut nicht. Für den obersten Chef der Firma wäre das vielleicht „einer meiner Abteilungsleiter“ oder „eine unserer mittleren Führungskräfte“. Das Wort „Vorgesetzter“ benutzt er in diesem Zusammenhang nicht, es sei denn, er erzählt aus seiner Jugend („mein damaliger Vorgesetzter …“). Ob er überhaupt noch einen Vorgesetzten hat und ob er den Aufsichtsratsvorsitzenden oder Großaktionär oder Hauptgesellschafter als solchen empfindet, ist offen – und für diese Betrachtung nicht von Belang.

Frage-Nr.: 333
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-09-17

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