Heiko Mell 02.01.2016, 00:26 Uhr

Wenn Ihr Chef gefeuert wird, wackelt Ihr Stuhl

Antwort:

Ein guter Chef wird versuchen, aus „seinen Leuten“ ein schlagkräftiges, entschlossen in (s)eine Richtung marschierendes Team zu formen. Eine Gemeinschaft, die seine Ideen verwirklicht, seine Methoden anwendet und möglichst erkennbar hinter ihm steht. Solange das läuft, ist es für alle Beteiligten eine erfolgreiche, meist erfreuliche Phase.

Aber die Dinge können sich ändern – und das tun sie nur allzu gern. Insbesondere Machtkonstellationen verschieben sich, strategische Konzepte sind heute in, morgen out. Und in der Folge muss oft der höchste Repräsentant der gestern richtigen, heute nun jedoch falschen Richtung gehen. Wir reden hier nicht von Team- oder Gruppenleitern, sondern von Vorständen, Geschäftsführern, Bereichsdirektoren und anderen.

Plötzlich steht das Team darunter, das nun erfahren muss, dem falschen Führer gefolgt zu sein, allein im Regen. Je „kleiner“ der Mitarbeiter dort, desto weniger muss er sich ge- oder betroffen fühlen: „Es wird schon ein neuer Chef kommen, der uns ausführlich erläutern wird, was falsch war und wie die neue Richtung aussieht.“ Schließlich hat man nur Weisungen ausgeführt – führt man eben in Zukunft andere aus. Auch gut.

Aber wenn Sie Manager sind und direkt der Ebene unter dem gefeuerten Oberchef angehören, dann wird es brenzlig. Von Ihnen wird eine Meinung, eine eigene Haltung, mehr als nur Befehlsausführung erwartet. Kann solch ein Manager (wie Sie) eine 180°-Wende ausführen und glaubwürdig bleiben? Eher nicht. Hingegen ist es wahrscheinlich, dass eine solche Führungskraft, der neuen, nunmehr „vorübergehend endgültig“ richtigen Richtung hinhaltenden Widerstand entgegensetzt. „Nein“, entscheidet spätestens der neue Oberchef, „der muss auch weg.“ Ist ja auch irgendwie logisch. Sie hätten vermutlich schon dem alten Oberchef mannhaft entgegentreten sollen – dann hätte der Sie bereits entlassen und man hätte jetzt nicht das Problem mit Ihnen.

Das Fazit: Wenn Ihr ranghoher direkter Chef gefeuert wird, schauen Sie rechtzeitig auf den Arbeitsmarkt. Sie werden ihn brauchen. Was Sie dagegen tun können? Nichts, reines Berufsrisiko.

Kurzantwort:

Ein guter Chef wird versuchen, aus „seinen Leuten“ ein schlagkräftiges, entschlossen in (s)eine Richtung marschierendes Team zu formen. Eine Gemeinschaft, die seine Ideen verwirklicht, seine Methoden anwendet und möglichst erkennbar hinter ihm steht. Solange das läuft, ist es für alle Beteiligten eine erfolgreiche, meist erfreuliche Phase.

Frage-Nr.: 328
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 26
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-06-25

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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