Heiko Mell

Die nächste Krise kommt bestimmt!

Antwort:

Es macht sich nicht sehr beliebt, wer mit der nächsten Katastrophe droht. Aber es wäre auch nicht fair, zu diesem Thema zu schweigen. Packen wir es also an.Als historische Basis: Wirtschaftskrisen habe ich erlebt in den Jahren 1967, 1975, 1982, 1993, 2003 – jeweils unterschiedlich lange andauernd, manchmal schneller vorübergehend und manchmal quälend langsam. So ganz genau scheint auch die Wissenschaft nicht zu wissen, wo die Ursachen liegen – sonst könnte man ja vorbeugend tätig werden.

Nicht immer war es das Öl, auch nicht der internationale Finanzmarkt. Und von Globalisierung sprach in den ersten Fällen meiner Aufzählung auch noch niemand. Einig ist man sich nur darin: Mit nahezu tödlicher Sicherheit kommt die nächste Krise. Wenn Sie eine Prognose lesen wollen: 2008 läuft sehr gut, 2009 wird vermutlich noch gut laufen, 2010 ist so langsam mit dem nächsten Einbruch zu rechnen, 2011 sicher.

Da junge Leser heranwachsen, die nur die Hochkonjunkturphase kennengelernt haben, hier die wichtigsten Auswirkungen einer Krise auf den Arbeitsmarkt:

1. Unternehmen verlieren Umsätze, zum Ausgleich müssen Kosten gesenkt werden, mit Personalreduzierung geht das am besten und wirkungsvollsten. Es ist also mit Entlassungen zu rechnen. Dabei ist „gute Arbeit“ eines Mitarbeiters leider kein sicherer Schutz dagegen: Oft muss nach sozialen Kriterien ausgewählt werden (Familienstand, Dienstzeit im Hause), die jüngeren Leistungsträger fliegen oft zuerst. Mitunter werden ganze Bereiche geschlossen – dann trifft es dort alle, ohne Ansehen der Person.

 

2. Auch Unternehmen, die nicht entlassen, stellen viel weniger neue Mitarbeiter ein als in der Hochkonjunkturphase, es gibt weniger offene Stellen.

 

3. Viele Unternehmen reagieren mit einem totalen Einstellstopp. Dann geht dort gar nichts mehr.Die Konsequenzen daraus: In der Krise steht auf dem Arbeitsmarkt einem steigenden Angebot an Arbeitskräften eine z. T. dramatisch gesunkene Nachfrage gegenüber. Die noch einstellenden Unternehmen können wählen. Und das (wählen) tun sie dann auch!

All die „alten Regeln“ aus früheren Tagen, von denen die Mitarbeiter in der Hochkonjunktur glaubten, sie seien längst vergessen und „Schnee von gestern“, sind plötzlich wieder da. Es wird geschaut auf die Noten im Studium, auf Praktika im Aus- und Inland, auf Wechselhäufigkeit/Dienstzeit pro Arbeitgeber, auf Arbeitgeberzeugnisse, auf den „roten Faden“ im Werdegang (durchgängige Logik der einzelnen Jobs hinsichtlich Branche der Unternehmen und Tätigkeitsbereich in den einzelnen Beschäftigungsphasen).

Als Symptom: 1993 z. B. ließ die Industrie „wie ein Mann“ Ingenieur-Absolventen, auch solche mit Einser-Examen und Promotion von Top-Hochschulen, im Regen stehen und stellte niemanden ein (übrigens eine der Ursachen für den heutigen Ingenieurmangel).

Niemand weiß, wann es losgeht mit der nächsten Krise und wie schlimm sie sein wird, nur dass sie kommt ist sicher. Beispiele in Zahlen: Von 2000 auf 2003 sackte die Anzahl der überregional ausgeschriebenen industrierelevanten Positionen auf ein Viertel (!) ab, zwischen 1993 und 2000 stieg sie auf das Dreifache! Dann bleiben einmal viele Bewerber arbeitslos, im anderen Fall bleiben viele offene Positionen unbesetzt (was hier nicht unser Problem ist).

Ich will damit niemanden ängstigen. Aber ich lese auch jetzt wieder Bewerbungen. Und mir wird dabei angst und bange! Wie stets in solchen Fällen haben die übergroße Nachfrage der Unternehmen und ihre damit verbundene Toleranz gegenüber Regelverstößen der Bewerber zahlreiche Kandidaten verführt. Insbesondere in den Bereichen „Dienstzeit pro Arbeitgeber“ und „roter Faden im Werdegang“ sieht es teilweise schlecht aus – beliebt ist die Kombination beider Regelverstöße.

Noch ist die nächste Krise ja nicht da, noch ist also Zeit, die eigene Ausgangssituation für diese Phase deutlich zu verbessern.

Und seien Sie gewarnt: Dieselben Unternehmen, die Ihnen heute ein Angebot unterbreiten und dabei treuherzig versichern, Sie könnten jetzt trotz nur 1,5 Jahren beim derzeitigen Arbeitgeber unbesorgt wechseln (zu ihnen natürlich), werden morgen die Nase rümpfen, wenn ihnen „so etwas“ in Bewerbungen zu Gesicht kommt.

Mit etwa fünf Jahren pro Arbeitgeber sind Sie auf der sicheren Seite. Und mit einer halbwegs durchgängigen „roten Linie“ von Position zu Position auch.

Die hier immer wieder erläuterten Regeln erlauben eine Karriere vom Sachbearbeiter zum Geschäftsführer/Vorstand, mit einer gewissen Absicherung gegen Niederlagen und Abstürze zwischendurch. Man muss sich nur ein wenig disziplinieren und konsequent „nein“ sagen, wenn eine vermeintlich reizvolle Versuchung auftaucht.

Denken Sie daran: Alles, was Sie beruflich tun, frisst sich unauslöschbar in Ihren Lebenslauf hinein. Und Unternehmen sind imstande, Ihnen 2010 vorzuwerfen, dass Sie 2008 ihren lockenden Angeboten gefolgt sind („Was stört uns unser Geschwätz von gestern?“).

Ob dieser Beitrag etwas nützt? Unbedingt, denn jetzt fühle ich mich besser. Ob Sie sich auch besser fühlen, sieht man vermutlich so 2010/2011.

Kurzantwort:

Es macht sich nicht sehr beliebt, wer mit der nächsten Katastrophe droht. Aber es wäre auch nicht fair, zu diesem Thema zu schweigen. Packen wir es also an.

Frage-Nr.: 327
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 27
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-06-04

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