Heiko Mell

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß

Antwort:

Als Bewerter von Bewerbungen soll ich aber „heiß“ gemacht werden: auf den einmaligen Menschen, der mir da schreibt. Ich will dieser Absicht ja auch gerne entsprechen und mich für den Absender begeistern. Ja, ich hoffe ebenso wie die vielen anderen Bewerbungsleser geradezu verzweifelt, die jetzt vom Stapel genommene Unterlage möge mich aufrütteln und nur den einen Wunsch hervorrufen: Diesen Menschen muss ich unbedingt kennenlernen – her mit ihm.Wie jeder Profi, der begeistert werden soll, brauche ich dazu Argumente, möglichst Fakten, am besten beweisbare.

Damit scheiden Formulierungen pauschaler Art schon einmal total aus („Ich bin der Größte; alles, was Sie suchen, bringe ich mit“). Eigeneinschätzungen der Betroffenen sind ebenso interessant wie gegenüber dem Direktor eines Kreditinstituts ein „Ich bin absolut kreditwürdig“. Darüber lacht der Fachmann nicht einmal mehr.

Also Fakten. „Ich leite die Produktionsplanung der Müller KG.“ Ist das ein Fakt? Nun, wenn Sie Radio Eriwan kennen, vielleicht. Im Prinzip ja, in der Praxis jedoch … Oder anders: Wer in aller Welt ist die Müller KG? Was stellen die her, wie groß sind die, beispielsweise? Ohne Branchen- und Größenangabe ist das für den Leser ebenso hilfreich wie ganz ohne Namen (nein, der Bewerbungsempfänger neigt nicht zu Recherchen, auch nicht im Internet. Erstens hat er dazu keine Zeit – und zweitens stehen präzise Informationen dieser Art kaum je auf Firmen-Homepages).

Die Vorlage der Informationen, die der Leser zur Beurteilung braucht, ist eine „Bringschuld“ des Bewerbers. Bringt er nichts, taugt die Bewerbung vermutlich nichts – weil der Profi aus bitterer Erfahrung im Zweifelsfall immer das Schlimmste anzunehmen berechtigt ist.

Nein, liebe Leser, auch Ihr Arbeitgeber ist nicht bekannt genug, um ohne Erklärung ein Argument zu sein (Ausnahmen gelten vielleicht für zehn Firmen im Lande, da liege ich statistisch auf der sicheren Seite. Auch der renommierte Branchenführer sagt dem Leser außerhalb des Metiers oder generell dem Personalreferenten bzw. -berater oft nichts).

Sie sind erst wenige Monate beim heutigen oder waren kaum länger beim vorigen Arbeitgeber? Das ist entscheidungsrelevant, über die Hintergründe will ich etwas lesen. Die ausgeschriebene (Ziel-)Position passt nicht zwingend logisch zum bisherigen Werdegang? Ich will die Begründung wissen. Hat der Kandidat, der heute so stolz angibt, 10 Mitarbeiter zu führen, überhaupt gemerkt, dass er sich hier um eine „Einzelkämpfer“-Stelle bewirbt? Warum macht er das? Ich wüsste das gern.Wie „teuer“ ist dieser Kandidat? Lohnt beim Verdacht auf ein zu hohes Gehalt überhaupt die Einladung zum Gespräch? Deshalb will ich die Größenordnung vorher wissen. Sie ist Teil der Qualifikation des Bewerbers.

Und die speziellen Anforderungen in meiner Anzeige (Fachliches, Sprachen, Mobilität etc.): Wenn nichts darüber im Anschreiben steht, könnte das heißen, er erfüllt das alles – sonst hätte er sich ja nicht beworben. Es könnte aber auch heißen, er bringt genau das nicht, sonst hätte er es ja geschrieben.

Wie viele Bewerbungen gegen diese simpel klingenden Hinweise verstoßen, zumindest gegen einige davon? Nun, so 70 bis 80 % werden es schon sein. Und es heißt in diesem Metier: Im Zweifel gegen den Kandidaten ….Wenn Sie also enttäuschende Absagen bekommen, kann das an fehlenden Informationen zu Fragen gelegen haben, die sich dem Leser geradezu aufdrängen. Das aber hätten Sie vorhersehen können.

Kurzantwort:

Als Bewerter von Bewerbungen soll ich aber „heiß“ gemacht werden: auf den einmaligen Menschen, der mir da schreibt. Ich will dieser Absicht ja auch gerne entsprechen und mich für den Absender begeistern. Ja, ich hoffe ebenso wie die vielen anderen Bewerbungsleser geradezu verzweifelt, die jetzt vom Stapel genommene Unterlage möge mich aufrütteln und nur den einen Wunsch hervorrufen: Diesen Menschen muss ich unbedingt kennenlernen – her mit ihm.

Frage-Nr.: 326
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 22
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-05-28

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