Heiko Mell

Warnsignale

Antwort:

Wer sich auf ein „Spielfeld“ begibt, sollte zumindest die dort lauernden Risiken kennen. Beim Autofahren wäre dies der schwere Verkehrsunfall. Im Dasein des Angestellten ist es die arbeitgeberseitige Entlassung. Diese größte denkbare Katastrophe wird in ihren Auswirkungen gemildert, wenn es Leidensgenossen gibt, beispielsweise bei der Schließung einer ganzen Abteilung oder Firma. Dann lässt sich argumentieren, es habe jeden ohne Ansehen der Person getroffen.

Diese Entlastung entfällt, wenn es nur Sie trifft. Dann steht als Grund die Unzufriedenheit des Chefs mit Ihrer Person und/oder Ihren Leistungen im Raum. Es ist unbedingt anzustreben, diese Situation zu vermeiden. „Klar“, werden Sie sagen, „weiß ich doch auch, alles nicht neu für mich.“ „Schön“, sage ich zu den armen Betroffenen, „warum haben Sie nicht danach gehandelt?“ „Hätte ich ja gern“, antworten die, „aber man hat mich ganz plötzlich …“

Und das glaube ich nicht! Nix plötzlich – ich bin als Partner der Arbeitgeberseite oft im Vorfeld dabei und sehe andererseits ständig neue private Beratungskunden, die genau in dieser Situation stecken.

Nahezu immer stellt sich heraus, dass es rechtzeitig vorher Hinweise gab – die man hätte als Warnsignale begreifen müssen. Und auf die man hätte reagieren können. Die einzigen zwei kleinen Bedingungen dabei: Man hätte die notwendige Sensibilität und die Bereitschaft mitbringen müssen, auf empfangene Signale auch zu reagieren.Letzteres ist nur selbstverständlich, sprechen wir lieber über die Sensibilität. Hier sind Sie gefordert, denn ein Chef redet aus Gründen, über die ich nur Vermutungen anstellen kann, in einer besonderen Sprache. Es lässt sich am besten darstellen, was er – leider – nicht tut: Klartext reden. Es wäre hilfreich, sagte er: „Müller, ich bin mit diesen und jenen Eigenschaften oder Ergebnissen nicht zufrieden. Ich halte dies für eine wesentliche Einschränkung Ihrer Tauglichkeit für diese Position. Wenn sich hier nichts ändert, riskieren Sie Ihre Entlassung.“ Das würde Müller verstehen, darauf könnte er sich einstellen, es wäre das Ende der „Plötzlich-Legende“. Aber der Chef tut es leider nicht!

Er arbeitet mit Andeutungen, mit versteckter Kritik, mit in Lob eingebetteten Ermahnungen – mit Spitzen von Eisbergen (bei denen acht Neuntel unter der Wasseroberfläche verborgen sind). Aber er warnt wenigstens mehrfach. Immer!

Es ist eigentlich unmöglich, nicht zu merken, ob und womit ein Vorgesetzter unzufrieden ist. Und Unzufriedenheit ist die Basis, auf der sich eines Tages der Gedanke bildet, sich von einem Mitarbeiter oder einem Manager zu trennen.

Es ist jedoch möglich, die Schwere der Vorwürfe – fahrlässig – falsch einzuschätzen und sich dem Gefühl zu überlassen: „Ein bisschen gemeckert hat er ja, aber das ist für Chefs normal. Sonst aber war nichts.“

Sollten Sie so denken, vergessen Sie dabei nicht die acht Neuntel des „Eisbergs“, die unter Wasser schwimmen. Und dann erkennt der Vorgesetzte keine Besserung („trotz wiederholter massiver Kritik“) und dann fühlt er sich nicht ernst genommen, dann sind Sie plötzlich draußen und dann wundern Sie sich. Letzteres ist unangemessen. Sagen Sie sich lieber: Mein Job ist es, zur Zufriedenheit des Arbeitgebers zu arbeiten. Übt er mehrfach „kleine Kritik“, habe ich letztlich ein großes Problem.

Und bei der Gelegenheit: Falls es denn Ärger gibt zwischen Ihrem Chef und Ihnen – was durchaus vorkommen kann, wie alle wissen -, dann denken Sie an die einzig regelgerechte Art, darauf zu reagieren: Sie treiben es nicht bis zum Aufhebungsvertrag, Sie bewerben sich nicht erst aus freigestellter Position mit bereits drohender Arbeitslosigkeit, sondern Sie suchen sich rechtzeitig aus noch ungekündigter Position einen neuen Job, kündigen selbst und scheiden „auf eigenen Wunsch“ von diesem Chef. Im Idealfall sogar, bevor der merkt, dass es „Ärger“ gibt mit Ihnen.

Denn Ärger zwischen Ihnen und dem Chef ist im System nicht vorgesehen, weder in den Regeln, noch in Arbeitsverträgen. Der – auch der leitende – Mitarbeiter hat vorrangig zu funktionieren. Am besten reibungslos.

Kurzantwort:

Wer sich auf ein „Spielfeld“ begibt, sollte zumindest die dort lauernden Risiken kennen. Beim Autofahren wäre dies der schwere Verkehrsunfall. Im Dasein des Angestellten ist es die arbeitgeberseitige Entlassung. Diese größte denkbare Katastrophe wird in ihren Auswirkungen gemildert, wenn es Leidensgenossen gibt, beispielsweise bei der Schließung einer ganzen Abteilung oder Firma. Dann lässt sich argumentieren, es habe jeden ohne Ansehen der Person getroffen.

Frage-Nr.: 324
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 17
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-04-23

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