Heiko Mell 01.01.2016, 23:16 Uhr

Missachtung ist aller Fehler Krönung

Antwort:

Es könnte ja sein, dass Sie Ihren Vorgesetzten besonders nachhaltig ärgern – oder eben dies unter allen Umständen vermeiden wollen. In beiden Fällen müssten Sie wissen, was gegebenenfalls den größten Schaden anrichten könnte. Was beispielsweise wirksamer wäre als reiner Widerspruch oder sogar ein böses Wort am falschen Ort.

Die Lösung lautet: Missachtung. Auf nichts reagieren insbesondere ranghöhere Chefs empfindlicher. Was Missachtung ist, definiert stets der Betroffene. Wie Sie es gemeint hatten, ist nicht weiter von Belang. Entscheidend ist, wie er es empfand. Und auf dem Gebiet sind Vorgesetzte von einer Sensibilität, die Sie ihnen aufgrund ihres eher „robusten“ Vorgehens in anderen Angelegenheiten gar nicht zugetraut hätten.

Nun wäre eine möglichst umfassende Definition des Begriffes angebracht – was ebenso schwierig ist wie die erschöpfende Aufzählung von Beispielen. Fangen wir mit einem brauchbaren Wort für das Gegenteil an: Respekt würde sich anbieten. Die stete, niemals – auch beim Bier nicht – infragegestellte Anerkennung seiner bedeutenden Position, seines höheren Ranges ist ebenfalls ein brauchbarer Hinweis. Und wenn Sie dann noch die Volksweisheit mit einbeziehen „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand“, dann sind Sie auf dem richtigen Weg (er muss klüger sein, sonst wäre er ja nicht Chef geworden – mir als Geschäftsführer beispielsweise leuchtet das absolut ein).

Vielleicht erlaubt Ihr Chef Ihnen, unter vier Augen wie „von Gleich zu Gleich“ zu sprechen, ihn deutlich auf Fehler hinzuweisen und ihm auch ein knappes „das ist falsch“ entgegenzuhalten. Sind andere seiner Mitarbeiter dabei, empfindet er bei ähnlichem Verhalten Missachtung. Über diese ärgert er sich „nur“; tun Sie ihm jedoch dasselbe im Beisein seiner Vorgesetzten an, wird er wütend.

Es ist nicht nötig, über seine Witze extrem engagiert zu lachen. Aber es gar nicht zu tun – ist Missachtung. Den von ihm gesetzten Abgabetermin ohne Entschuldigung zu überschreiten, fällt ebenso darunter wie die Ablehnung einer Bitte, die er an Sie richtet oder Ihre fehlende Einsicht in sein überlegenes Fachwissen – wenn er das so sieht.

Also letztlich bedingungsloser Gehorsam, Unterwürfigkeit u. Ä? Aber woher denn – was er will, ist der aufrechte, selbstbewusste, sich absolut nicht die Butter vom Brot nehmen lassende Mitarbeiter, der eine ausgeprägte, eigenständige, selbstbewusste Persönlichkeit ist – die sich ihm in den entscheidenden Punkten dennoch unterordnet. So dass er denken darf, ihn mitgerissen, motiviert, überzeugt zu haben.

Sie dürfen ruhig in Fragen der Investitionspolitik eine andere Meinung (respektvoll) vertreten. Fahren Sie aber ein größeres Auto als er, könnte er sich missgeachtet fühlen. Das würde er natürlich niemals zugeben, keine Frage. Aber Ihr drei Wochen später eingereichter fachlicher Vorschlag ist dann plötzlich unzureichend, unbefriedigend oder sonst etwas in der Art.

„Parken Sie mitunter auf dem für den Präsidenten der Gesellschaft reservierten Parkplatz“, riet der Amerikaner Peter dem Manager, dessen Aufstiegspotential erschöpft ist, „das reicht nicht für einen Rausschmiss, aber es reicht zuverlässig aus, um weitere Beförderungen zu verhindern“ (aus dem Gedächtnis zitiert). Sie sehen, selbst Präsidenten in Amerika sind anfällig für Missachtung. Wer bei uns etwas ist, ist es auch.

Kurzantwort:

Es könnte ja sein, dass Sie Ihren Vorgesetzten besonders nachhaltig ärgern – oder eben dies unter allen Umständen vermeiden wollen. In beiden Fällen müssten Sie wissen, was gegebenenfalls den größten Schaden anrichten könnte. Was beispielsweise wirksamer wäre als reiner Widerspruch oder sogar ein böses Wort am falschen Ort.

Frage-Nr.: 319
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 45
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-11-09

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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