Heiko Mell

Keine Angst vor schmutzigen Tricks

Antwort:

Konkret auf das Thema gekommen bin ich anlässlich eines öffentlichen Auftritts am Weltfrauentag durch die Frage einer Berufsanfängerin an mich. Dabei fielen mir mehrere ähnliche „Verdächtigungen“ ein, die Bewerber der Arbeitgeberseite in der Vergangenheit immer wieder entgegengebracht hatten. Hier tut öffentliche Aufklärung not.

Der – so richtig schön typische – Fall: Das Unternehmen schreibt eine Position im Tätigkeitsfeld A bei einer Tochtergesellschaft aus. Die Bewerberin bekommt eine Einladung durch die Konzernmutter, die ihr eine allerdings nur verschwommen dargestellte Aufgabe im anders gelagerten Tätigkeitsfeld B schmackhaft zu machen versucht und immer wieder nachfragt, ob die Kandidatin nicht auch dafür zu gewinnen sei. So weit, so üblich.Die Kandidatin jedoch ist vor allem verunsichert. Vielleicht auch bedingt durch Schauergeschichten, die man so über Stressinterviews, gestellte Gesprächsfallen und vermeintliche Versuche der Arbeitgeberseite hört, arme Bewerber hereinzulegen oder ihnen durch aggressives Vorgehen ihre Unfähigkeit zu beweisen. Sie ist durchaus auch an B interessiert, wagt aber nicht, das zuzugeben. Sie glaubt, man wolle mit dieser an sie herangetragenen Versuchung lediglich die Festigkeit Ihrer Hinwendung zum ursprünglichen Bewerbungsziel A testen. Und fürchtet, ein erkennbares Hinwenden zu B würde als Beweis dafür genommen, dass sie schon deswegen für A nicht geeignet wäre.Nun ist, wo Menschen agieren – z. B. auch Arbeitgebervertreter im Vorstellungsgespräch – grundsätzlich nichts unmöglich. Aber wer Bewerber zum Gespräch einlädt, hat nur eine „heiße Hoffnung“ im Herzen: Der Kandidat möge gut sein, sich als geeignet erweisen, ins Team passen, bezahlbar sein. Natürlich muss der Arbeitgebervertreter Fragen stellen, um die für ihn wichtige Personalentscheidung abzusichern – aber er will den Bewerber nicht hereinlegen, will ihm nicht triumphierend nachweisen, dass er unzureichend qualifiziert ist.

Ganz deutlich gesagt: Erweist sich ein Kandidat im Gespräch als ungeeignet, hat jemand eine Niederlage erlitten. Nein, nicht der Bewerber! Wenn das Auswahlsystem etwas taugt, hat man ihm bloß eine Position erspart, für die er nicht optimal geeignet ist. Aber der Arbeitgebervertreter hatte die Entscheidung über die Einladung grade dieses Menschen getroffen: falsch! Er hat mindestens zwei Stunden seiner kostbaren Zeit investiert: vergeblich! Nach dem Gespräch ist er seinem Ziel, die Position zu besetzen, keinen Schritt näher gekommen: erfolglos! Also wird er absolut nicht versuchen, den Kandidaten unter Aufbietung aller möglichen Tricks und unfairer Methoden zu überlisten. Und schon gar keinen Berufsanfänger, der ja nun wirklich noch kein „Gegner“ sein kann.Nein, im vorliegenden Fall hatte das Unternehmen wirklich nur ein Interesse daran gehabt, die Kandidatin lieber im Fachgebiet B zu beschäftigen. Mehr war nicht.

Merke: Wer Sie zum Gespräch einlädt, will nicht Ihr Gegner sein, sondern möglichst Ihr Partner werden.

Kurzantwort:

Konkret auf das Thema gekommen bin ich anlässlich eines öffentlichen Auftritts am Weltfrauentag durch die Frage einer Berufsanfängerin an mich. Dabei fielen mir mehrere ähnliche „Verdächtigungen“ ein, die Bewerber der Arbeitgeberseite in der Vergangenheit immer wieder entgegengebracht hatten. Hier tut öffentliche Aufklärung not.

Frage-Nr.: 313
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 33
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-08-17

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