Heiko Mell

Streben Sie nach Zufriedenheit

Antwort:

„Das tue ich. Ja, praktisch ist das mein Ziel überhaupt – ich komme nur nicht weit damit“ – ist das Ihre Antwort? Nun dann missverstehen wir uns gründlich.

Sie dürften damit Ihre Zufriedenheit meinen und denken, es ginge mir um jene. Aber woher denn! Was geht mich dieselbe schon an, oder eleganter: Die haben Sie doch selbst in der Hand, weitgehend: Seien Sie einfach mit dem zufrieden, was die Fakten hergeben, dann haben Sie es doch. Es gibt Leute, denen das bewundernswert gelingt. Andere sind maßlos und murren sogar anlässlich einer schönen Gehaltserhöhung, nun stiegen die Verwaltungskosten für ihre Vermögensanlage in der Schweiz ja noch stärker an. Die Zufriedenheit in eigener Sache ist eigentlich bloß eine Frage der Einstellung – man kann sich auch ein bisschen selbst beeinflussen.

Aber in Ihrer Rolle als Angestellter, um die es hier vorrangig geht, sind Sie – es kann nicht oft und für Neueinsteiger nicht eindringlich genug gesagt werden – abhängig beschäftigt. Abhängig von Leuten, die zufriedengestellt werden müssen, wenn sie Sie

  • einstellen,
  • ausreichend oder besser bezahlen,
  • befördern oder sonst wie auszeichnen,
  • mit einem hervorragenden Zeugnis ausstatten
  • oder auch nur durchgehend freundlich behandeln sollen.

Beispielsweise.

Sie wollen gut arbeiten? „Gut“ ist ein objektiv nicht fassbarer Gummibegriff. Wichtiger noch: Seine Definition obliegt in einer Marktwirtschaft den Kunden, den Abnehmern einer Ware oder Leistung. Es geht um deren Geschmack, deren Empfinden, deren Wertmaßstäbe.

„Kunde“ nun ist, wer zahlt. Für den Angestellten ist das der Gehalt zahlende Arbeitgeber, vertreten durch die Vorgesetzten, also letztlich der Chef. Er entscheidet, was „gut“ ist – und damit auch, wie gut Sie dort in Ihrem Job sind. Sein Urteil ist wichtig, nicht Ihre Selbsteinschätzung.Damit ist gute Arbeit eine, die den Vorgesetzten zufrieden stellt. Und ein guter Mitarbeiter jemand, den sein Chef dafür hält. Nicht „gut sein“ müssen Sie – dafür gibt es gar keine Definition. Die Sie bezahlenden Leute müssen Sie für gut halten und zwar dauerhaft.

Das klingt – vor allem für Neulinge – nach Willkür, Verpflichtung zur Liebedienerei, nach dem Schmieren von Honig ums Maul. Und nach Aufgabe der eigenen Persönlichkeit, nach totaler Abhängigkeit. Nach dem Zwang, neben der Erledigung der eigenen Arbeit stets auch auf die Wirkung derselben auf die betriebliche Umwelt zu achten, mehr taktisch als rein sachorientiert vorzugehen.

Das ist nicht ganz richtig – und nicht ganz falsch. Von allem ein bisschen, insgesamt ist das für Normalsterbliche unter Standardbedingungen ganz gut erträglich. Denn das System ist vielschichtig, mit starken Kontrollmechanismen und vielseitigen Wechselwirkungen ausgestattet. Der Chef ist selbst gefangen in engem Rahmen, steht unter Erfolgszwang, hat kaum Freiraum für Willkür, braucht die Sacherfolge! Und nach oben hin, gegenüber seinem Chef ist er oft selbst ein „armes Schwein“ – genau so, wie auch Sie sich manchmal fühlen.

Und die Freude an der Arbeit? Aber ja doch! Ein guter Verkäufer, Rechtsanwalt oder Schlagersänger ist zufrieden, wenn sein Kunde, sein Klient oder sein Publikum zufrieden ist. Das macht ihm Freude und bringt auch ihm Zufriedenheit. Und was dem Anwalt der Klient, ist dem Angestellten der Arbeitgeber. Woraus folgt: Ich mache meinen Job gut, wenn mein Chef damit zufrieden ist.Ich könnte Ihnen zum Schluss dieser Betrachtung lauter sachlich und rein objektiv urteilende Chefs wünschen. Ich fürchte man bloß, dann würden Sie auch nicht nur „gute“ Bewertungen einfahren. Ideale Verhältnisse sind eben gar nicht so einfach zu definieren (geschweige denn zu schaffen).

Kurzantwort:

„Das tue ich. Ja, praktisch ist das mein Ziel überhaupt – ich komme nur nicht weit damit“ – ist das Ihre Antwort? Nun dann missverstehen wir uns gründlich.

Frage-Nr.: 312
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 31
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-08-03

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