Heiko Mell

Lügen erlaubt?

Antwort:

Vor mir liegt einer jener unseligen Artikel einer Tageszeitung, in denen Bewerber wieder einmal „aufgeklärt“ werden, was der potenzielle Arbeitgeber vor der Einstellung fragen darf und was nicht. Vor allem Letzteres freut wohl des lesenden Volkes gepeinigte Seele. Denn es heißt: Stellt der Arbeitgeber unzulässige Fragen, hat der Bewerber ein „Recht auf Lüge“. Na hoffentlich ist er stolz darauf.

So weit, so gut. Aber dann folgen Beispiele: Danach darf der Arbeitgeber nicht nach dem Alter fragen – und, siehe oben, wo er nicht gedurft hätte, darf der Bewerber also lügen.

Bleiben wir beim Alter: Einmal abgesehen davon, dass ich eine entsprechende Regel (Arbeitgeber darf nicht nach dem Alter fragen) für äußerst albern hielte, bleibt die banale Erkenntnis: Warum sollte der künftige Chef das wohl tun? Nichts steht so oft und so klar in deutschen Papieren wie das Geburtsdatum – aus dem man in einem durchaus beherrschbaren Prozess tatsächlich das Alter errechnen kann. Kein Examens- oder Arbeitgeberzeugnis ohne Geburtsdatum – wusste das niemand?

Viel, viel schlimmer jedoch: Chefs sind erfahrungsgemäß rachsüchtig (ich wäre es auch). Wer sie belügt, hat äußerst schlechte Karten. Wer die hat, dem fehlt die Basis für eine glückliche Zukunft in diesem „erschlichenen“ (so wird es der Chef immer sehen) Arbeitsverhältnis. Lügen haben kurze Beine. In der Probezeit beispielsweise braucht der Arbeitgeber keine Begründung. Und auch in der Zeit danach hat nach den Maßstäben einer Karriereberatung der Arbeitnehmer absolut keine Freude an einem Chef, der sich im Vorstellungsprozess getäuscht fühlt.

Was also hat der Bewerber von seinem vermeintlichen „Recht auf Lüge“? Nun, wir wissen immerhin, was er nicht hat: Die beruhigende Gewissheit, ein Vertrauensverhältnis zum künftigen Arbeitgeber aufgebaut zu haben.

PS: Natürlich werden demnächst Bewerber auf die Idee kommen, ihre Geburtsdaten in allen Urkunden zu schwärzen. Woraufhin Bewerbungsempfänger sie nicht einstellen werden (ohne jede Begründung). Das ist dann der Fortschritt …

Kurzantwort:

Vor mir liegt einer jener unseligen Artikel einer Tageszeitung, in denen Bewerber wieder einmal „aufgeklärt“ werden, was der potenzielle Arbeitgeber vor der Einstellung fragen darf und was nicht. Vor allem Letzteres freut wohl des lesenden Volkes gepeinigte Seele. Denn es heißt: Stellt der Arbeitgeber unzulässige Fragen, hat der Bewerber ein „Recht auf Lüge“. Na hoffentlich ist er stolz darauf.

Frage-Nr.: 310
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 29
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-07-20

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