Heiko Mell

Politisches Engagement für Manager?

Antwort:

Mitunter ist es gut zu wissen, was denn die anderen tun. Nichts, muss die Antwort heißen, wenn es um ein parteipolitisches Engagement neben der beruflichen Tätigkeit geht. Das wiederum muss Gründe haben. Und die sollte man kennen, bevor man sich selbst entsprechend engagiert und damit unübersehbar festlegt.

Beginnen wir aber ruhig mit einem Bedauern. Darüber, dass es ist, wie es ist. Es würde andernfalls mit Sicherheit das demokratische Gemeinwesen sehr schmücken, es könnte sich für die Unternehmen als nützlich erweisen und es möchte vielleicht sogar persönlichkeitsbildend für die Manager sein. Fragt man sie jedoch nach solchem Engagement, verneinen fast alle. Mit unterschiedlichem Tenor der Aussage, aber doch mit überwältigender Mehrheit – teils bedauernd, teils fühlten sie sich von den Umständen zu dieser Enthaltsamkeit gedrängt.

Schon die reine Mitgliedschaft in einer Partei gibt nur ein verschwindend geringer, statistisch nicht ins Gewicht fallender Prozentsatz an, wenn zwar nicht direkt danach gefragt, aber über Politik und die persönliche Beteiligung an entsprechenden Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen diskutiert wird. Amüsant am Rande: Man ziert sich, die eigene Partei zu nennen, wenn man schon angibt, einer anzugehören. Jedoch mit ein wenig intensivem Nachbohren bekommt man auch das dann noch heraus.

Aber echtes, durch Übernahme von Ämtern oder Funktionen gekennzeichnetes Engagement? Fehlanzeige.

Als wesentliche Begründung wird Zeitmangel angeführt. Will heißen „drohender Interessenkonflikt im Terminbereich“: Entweder gehe ich ab 18 Uhr zur Sitzung des Ortsvereinsvorstands oder ich bin noch im Büro (teils wegen Überlastung, teils vorsichtshalber). Dienstreisen werden ebenfalls ins Feld geführt.

Erkennbar eine Rolle spielt (aber kaum offen genannt wird) die Befürchtung, sich durch einseitige klar erkennbare Festlegung für eine politische Richtung zusätzliche innerbetriebliche Reibungspunkte zu schaffen. Der Chef, der Inhaber oder vielleicht auch bloß die Kollegen könnten dann der anderen Seite angehören – und die abendliche Konfrontation im Gemeinderat setzte sich anderntags in der Firma fort.

Bleibt als Orientierungsrahmen für Aufsteiger: Von eher unbedeutenden Ausnahmen abgesehen, ist der Manager politisch informiert, hat auch seine klare Meinung, ist aber kaum über ein Parteibuch und schon gar nicht über ein Amt oder Mandat einseitig festgelegt. Das müssen Sie nicht auch so machen, aber „das Übliche“ in einem Metier zu kennen, kann nicht schaden.

Ich habe ja die Vermutung, dass da noch ein ganz anderer Aspekt hineinspielt: Tagsüber, im Betrieb, wird von oben ernannt, wer etwas zu sagen hat. Abends, bei der Arbeit im Ortsverein oder im Stadtrat wird – so sagt man – von unten gewählt (und muss wieder von unten gewählt werden), wer Einfluss haben will. Beides hat seine Besonderheiten. Und dass ein einziger Mensch sich gleichermaßen für beides eignet und jeweils beim Betreten eines der beiden Felder eine Art Schalter bei sich umlegt, scheint mir sehr unwahrscheinlich zu sein. (Das glauben Sie nicht? „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ steht im Grundgesetz. Steht irgendwo „Alle Gewalt geht von den Mitarbeitern aus“ in Grundsätzen der Unternehmensführung?)

Kurzantwort:

Mitunter ist es gut zu wissen, was denn die anderen tun. Nichts, muss die Antwort heißen, wenn es um ein parteipolitisches Engagement neben der beruflichen Tätigkeit geht. Das wiederum muss Gründe haben. Und die sollte man kennen, bevor man sich selbst entsprechend engagiert und damit unübersehbar festlegt.

Frage-Nr.: 300
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 8
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-02-22

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