Heiko Mell

Die waren am „nettesten“

Antwort:

Es ist zwar mäßig originell, aber immerhin guter alter Standard: Man fragt den Bewerber im Vorstellungsgespräch, warum er den heutigen Arbeitgeber verlassen will oder halt muss. Die Antworten sind nur bedingt brauchbar – die ganze Wahrheit hört man, der Natur des Anlasses entsprechend, nur selten.

Irgendwann jedoch bin ich darauf gekommen, eine Stufe früher in die Motivationsanalyse einzusteigen: „Warum sind Sie damals gerade zu diesem Unternehmen gegangen?“ Das Thema hört sich schon viel harmloser an, darüber kann der Kandidat deutlich offener sprechen. Und die Antwort gibt auch tatsächlich oft etwas her.

Dabei fiel mir auf, dass Anfänger frisch nach dem Studium in besonderem Maße anfällig dafür sind, auf eigentlich irrelevante Aspekte hereinzufallen. Letzteres oft in des Wortes bester Bedeutung: „Die Leute dort waren in der Bewerbungsphase extrem aufmerksam, hatten unbegrenzt Zeit, bemühten sich sehr engagiert um mich. Höhere Dienstgrade ließen ihre Arbeit liegen, kümmerten sich nur noch um meine Fragen. Es gab eine ansprechende Bewirtung – ich hatte damals das Gefühl, es drehte sich alles um mich. Ich stand im Mittelpunkt, fühlte mich begehrt.“ Und dann oft noch: „Kein Vergleich mit der nachlässigen Behandlung, die mir andere, oft weltberühmte Häuser angedeihen ließen. Also habe ich gern dort unterschrieben.“

Da ich die Praxis recht gut kenne, kam von mir: „Und dann?“

„Und dann begann der Alltag. Die Vertreter der höheren Hierarchieebenen waren für mich nicht mehr zu sprechen. Ich war Anfänger – und wurde nicht einen Deut besser behandelt als ehemalige Kommilitonen, denen ich zuvor begeistert von dem tollen Arbeitgeber erzählt hatte. Ich war zutiefst enttäuscht.“

„Logisch“, sagt der Praktiker, „hätte man sich denken können. Für die Praxis sind Anfänger eben Anfänger, wie Rekruten für die Bundeswehr oder Erstsemester an der Uni. Mit Speck fängt man Mäuse – aber den Speck bekommt die Maus in Wirklichkeit nie.“

Als Tipp für andere Anfänger: Das besondere Bemühen eines Unternehmens schmeichelt schon – aber lassen Sie sich dadurch nicht den Blick für die Realitäten trüben. Firmen, die immer und jederzeit so einfühlsam und aufmerksam zu ihren Mitarbeitern wären, brauchten die besonderen Bemühungen um Absolventen gar nicht mehr. Diese würden von ganz alleine „strömen“ – weil sich das längst herumgesprochen hätte.

Und als Tipp für suchende Firmen: Wenn die Maus den Speck nicht wirklich bekommt, ist sie sauer. Und warnt womöglich andere Mäuse vor der „Falle“.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 30
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 24
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-06-23

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