Heiko Mell

Leistungsfragen

Antwort:

Wir sind eine Leistungsgesellschaft. Diese Erkenntnis ist weder neu, noch von mir, aber sie ist fundamental. Viel tiefgründiger übrigens als Definitionen, die später kamen: Wissens – oder Informationsgesellschaft etwa. Selbst wenn alle alles wüssten, wäre noch kein Brot gebacken, kein Stuhl geleimt und kein Dach gedeckt. Eine Leistungsgesellschaft mit totalem Wissen aller mag angehen (theoretisch, es wird sie nie geben), aber „Leistung“ ist und bleibt der zentrale Basiswert, auf dem alles andere aufbaut. Da wir in diesem Land kaum etwas anderes haben, was vermarktbar wäre – Erdgas oder Öl beispielsweise -, bleibt die Leistungskraft der Menschen unverzichtbar.

Wer also etwas will hierzulande, tut gut daran, als leistungsstark zu gelten. Zum Beispiel, wenn er als Bewerber um einen neuen Job nachsucht.

Nun können Sie Ihr Leistungsvermögen in der angestrebten neuen Position vorher aus einer Reihe von Gründen nicht unter Beweis stellen. Maschinen und ihre Teile sind da im Vorteil: Ob ein neues Zahnrad im alten Getriebe laufen würde, können Sie durch Messungen, Vergleich mit Zeichnungs-/Konstruktionsmaßen und Materialanalysen vorher herausfinden. Beim Bewerber um eine bestimmte Position geht das nicht – die Anforderungen lassen sich nicht so schön auflisten wie beim Getriebe und der neue Positionsinhaber lässt sich nicht so präzise ausmessen.

Also ist ein eventuelles Bewerber-Wort wie „Ich passe da hin“ nicht zu beweisen. Ihm bleibt nur eine Hilfsargumentation. Die geht etwa so: „Seht her, was ich in meiner berufsrelevanten Vergangenheit alles gemacht und erreicht habe. Daraus ergibt sich eine Kurve – verlängert die über den heutigen Tag hinaus und ihr habt solide Indizien dafür, wie erfolgreich ich auch in der neuen Position in der Zukunft sein werde.“

Das akzeptiert man weitgehend – und auf der Basis lädt man ihn zum Gespräch, um sich natürlich auch noch ein persönliches Urteil zu bilden.

Also ist die möglichst weitgehend bewiesene Leistungsstärke in der Vergangenheit die zentrale Basis für die zu vermutende Leistungskraft in der Zukunft. Ein denkbarer Einwand wie „Meine Vergangenheit spiegelt mein Leistungsvermögen in der Zukunft nur sehr unvollkommen wider“, gilt als schwach, sehr schwach. Es hat etwa die Schlagkraft wie die Aussage eines Fußballers: „Schön, ich spiele heute in der Kreisklasse und bin dort nicht so gut – vermutlich wegen Unterforderung. Beruft mich in die Nationalmannschaft und ich werde ein Spitzenspieler sein.“

Sammeln Sie also rechtzeitig „Beweise“ in Ihrer berufsrelevanten Vergangenheit. Mit Schulabschlüssen und Examensnoten fängt es an, mit brillanten Beurteilungen durch frühere und heutige Chefs setzt sich das fort. Übrigens: Beförderungen während eines Beschäftigungsverhältnisses gelten als besonders wirksames Indiz für Ihre Leistungsstärke. Oder zusätzliche Verantwortung, die man Ihnen übertagen hat. Die früheren – und ggf. heutigen – Chefs von Ihnen gelten als hinreichend kompetent, um eine diesbezügliche Bewertung durchführen zu dürfen. Der potenzielle neue Arbeitgeber mag seinen Wettbewerber hassen und ihm die Pest an den Hals wünschen – aber wen der befördert hat, den möchte auch er kennen lernen.

Und da die Gegenwart die Vergangenheit von morgen ist: Ihre anerkannten Leistungen von heute sind die „Beweise“ für Ihre Leistungsstärke in zukünftigen Positionen – es gilt ausdrücklich der Umkehrschluss.

Und für den Fall, dass Ihr Chef unmöglich, extrem schwierig, bösartig oder inkompetent sein sollte (oder es in einer früheren Position war): Ein Teil der gesuchten Qualifikation eines Angestellten besteht darin, problemlos mit allen, also auch mit solchen Chefs auszukommen. Denn wenn er es nicht kann, hemmt das sein Leistungsvermögen – wer sich in Auseinandersetzungen mit dem Chef verschleißt, leistet kaum noch etwas, das er später vorzeigen könnte. Oder kürzer: Als Leistung gilt, was der Vorgesetzte als solche anerkennt.

Kurzantwort:

Wir sind eine Leistungsgesellschaft. Diese Erkenntnis ist weder neu, noch von mir, aber sie ist fundamental. Viel tiefgründiger übrigens als Definitionen, die später kamen: Wissens – oder Informationsgesellschaft etwa. Selbst wenn alle alles wüssten, wäre noch kein Brot gebacken, kein Stuhl geleimt und kein Dach gedeckt. Eine Leistungsgesellschaft mit totalem Wissen aller mag angehen (theoretisch, es wird sie nie geben), aber „Leistung“ ist und bleibt der zentrale Basiswert, auf dem alles andere aufbaut. Da wir in diesem Land kaum etwas anderes haben, was vermarktbar wäre – Erdgas oder Öl beispielsweise -, bleibt die Leistungskraft der Menschen unverzichtbar.

Frage-Nr.: 295
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 50
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-12-16

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