Heiko Mell

Wir wünschen Ihm alles Gute

Antwort:

Dies ist eine Nachhilfestunde für die Personalabteilungen auch allergrößter Häuser. Irgendwann kam mir heute jener „Tropfen“ auf den Tisch, der das Fass zum Überlaufen bringt. Und nun reicht es mir.

Also fangen wir ganz „unten“ und damit ganz einfach an:
In Zeugnissen gibt es keine persönliche Anrede, damit fällt „Ihr“ als Beugungsform von „Sie“ schon einmal komplett weg. Auch vom Papst und von Gott, die man jeweils wohl besser mit großen Anfangsbuchstaben ehrt, wenn von „Ihm“ gesprochen wird, ist in deutschen Arbeitszeugnissen eher nicht die Rede.

Was bleibt, ist: Abgesehen vom Satzanfang gibt es in Zeugnissen kein „Ihm“, kein „Ihn“ und kein „Ihr“, sondern nur „ihm“, „ihn“ und „ihr“. Stets, immer, ausnahmslos.

Ich bin ja sonst schon einmal recht kreativ, was das Herausfinden von Ursachen für Fehlentwicklungen angeht. Aber hier versagt meine Fantasie total. Warum tun die Leute das? Womit könnte man „ihm“ verwechseln? Warum steht in sehr vielen(!) Dokumenten, die ja bei Bewerbungen präsentiert werden müssen, man habe „Ihm“ diese Leitungsfunktion übertragen, kenne „Ihn“ als überzeugende Persönlichkeit und wünsche „Ihm“ alles Gute? Ich weiß es nicht.

Ein Zeugnis mit diesen Fehlern (extrem häufig sind mehrere davon pro Seite) wirkt schlampig. Es spricht nicht für das ausstellende Unternehmen und nicht unbedingt für den dort beurteilten Mitarbeiter.

Also ergeht mein Aufruf an Personalleiter und unterschreibende Vorgesetzte, auf solche dummen Fehler zu achten. Und die betroffenen Mitarbeiter? Sollten sich das nicht „einfach so“ bieten lassen, sondern um Korrektur bitten, was allerdings nur im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Aushändigung sinnvoll ist, nicht drei Monate später.

Überhaupt sollten die beurteilten Mitarbeiter ihren Zeugnissen mehr Aufmerksamkeit widmen und sie vor(!) dem Absenden einer Bewerbung und dann noch einmal vor einem Vorstellungsgespräch sorgfältig durchlesen. Sehr viele Bewerber sagen, spricht man sie auf eklatante Auffälligkeiten unterschiedlicher Art in ihren Zeugnissen an, das sei ihnen noch gar nicht aufgefallen.

Und da wir, liebe Leser, nun über Fehler der Profis in den Personalabteilungen gelästert haben, gebietet es die Fairness, auf gleichartige Fehler in Briefen und E-Mails hinzuweisen, die aus Amateurhand stammen.

Dort bringen viele „Ihr“ an, wo doch „ihr“ genügt hätte. Hier nun kommt allerdings die mögliche persönliche Anrede ins Spiel, die es in Zeugnissen nicht gibt. Dadurch wird die Auswahl größer und damit wächst die Gefahr, Fehler zu machen. Für Briefe und E-Mails gilt: Abgesehen vom Satzanfang gibt es kein „Ihm“ und „Ihn“. Wohl aber gibt es „Ihr“ (als Beugungsform der persönlichen Anrede „Sie“) und „ihr“, etwa in der Formulierung: „Meine Kollegen sind nett, ich schätze ihre Hilfsbereitschaft“. Sie können auch schreiben: „…Ihre Hilfsbereitschaft“ – aber dann ist es meine (Hilfsbereitschaft), nicht mehr „ihre“ (die der Kollegen).

Geschrieben im Herbst 2006 in einer Serie für Akademiker in Deutschland (und getrieben von der Furcht, jemand könnte versuchen, deren Anteil an der Bevölkerung weiter zu steigern).

Kurzantwort:

Dies ist eine Nachhilfestunde für die Personalabteilungen auch allergrößter Häuser. Irgendwann kam mir heute jener „Tropfen“ auf den Tisch, der das Fass zum Überlaufen bringt. Und nun reicht es mir.

Frage-Nr.: 294
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 48
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-12-02

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