Heiko Mell

Einen Job zu haben, ist nicht genug

Antwort:

Ich ziehe meinen Hut vor der Versicherungsbranche. Hat die es doch geschafft, ihren Kunden begreiflich zu machen, dass man sich vorsichtshalber mit Problemen beschäftigen sollte, die zwar eines Tages real werden könnten, im Augenblick aber so fern sind wie nur irgendetwas.

Konkret: Die Leute sichern sich gegen Feuer ab, obwohl es gar nicht brennt – und auch die Häuser der Nachbarn und Freunde alle noch stehen. Und für die anderen Versicherungen gilt Entsprechendes.

Diese vernünftige Vorsicht der Versicherungsnehmer geht offenbar auf die Erkenntnis zurück, dass man Belastungen oder Katastrophen aller Art auch dann nicht ausschließen kann, wenn es derzeit überhaupt keine Anzeichen dafür gibt.

Nun ist der Versicherungsnehmer auch Mensch und als solcher Teil der Zielgruppe dieser Serie. Und in dieser Rolle erkennen Sie ihn kaum wieder! Denn während er froh ist über seine Feuer-, Lebens- und Einbruchversicherung (eigentlich eher unwichtige Kleinigkeiten – oder kennen Sie jemanden, bei dem es gebrannt hat?), tut er in seiner Rolle als ungekündigter Angestellter so als könne ihm gar nichts passieren. Er hat einen Job – und damit interessieren ihn beispielsweise Fragen, die mit der Beschaffung eines neuen zu tun haben könnten, erst einmal überhaupt nicht. Das sind Aspekte wie „roter Faden“ im Werdegang, Wechselhäufigkeit, konsequenter Aufstieg, zielstrebig geplante Karriere, Marktwert, Übereinstimmung der eigenen Gegebenheiten mit Standard-Anforderungsprofilen, Nachfrageentwicklung in der vertrauten Branche etc.

Ich lerne – und deshalb fällt mir das hier Gesagte auf – zwei Gruppen von Menschen kennen: Da sind die mit bereits gefährdetem oder gar schon verlorenem Job. Die wissen, wovon ich rede, gehen interessiert auf Informationen zu, setzen sich mit allen Details auseinander. Und es gibt auf der anderen Seite diejenigen, die seit Jahren irgendwo beschäftigt sind, derzeit dort auch bleiben wollen und überhaupt keine Gefährdung ihrer heutigen Position erkennen. Ich lerne sie beispielsweise kennen bei unternehmensinternen Schulungsveranstaltungen unterschiedlicher Art. Und viele von denen strahlen die Haltung aus: Ich bin Mitarbeiter der XY GmbH, will das auf absehbare Zeit auch bleiben und interessiere mich jetzt allenfalls für hausinterne Gegebenheiten und nur sehr bedingt für alles, was vielleicht „da draußen“ vorgeht.

Alle diese Menschen haben eine Feuerversicherung für ihr Hab und Gut in der Tasche. Und staunen über meine Aussage, dass es wesentlich mehr Arbeitslose, Aufhebungsvertrags-Betroffene oder vom Ende ihrer Beschäftigung Bedrohte gibt als Abgebrannte.

Also: Es reicht nicht, einen Job zu haben. Auch nicht, wenn der gut ist, wenn das Unternehmen als erstklassig gilt und unzerstörbar aussieht. Sie sind beispielsweise bei General Motors tätig und Ihr Werk wird geschlossen oder Sie sind bei Siemens und werden mit der Handysparte verkauft oder Sie sind erst bei Bayer und plötzlich dann doch nicht mehr – die Namen sind einfach nur Beispiele, eine vollständige Liste wäre schier endlos.

Sie als Angestellter stehen auf zwei Beinen: Das eine ist der Job, den Sie haben (und den Sie morgen verlieren können), das andere ist Ihre Fähigkeit, jederzeit auf dem Markt problemlos einen mindestens gleichguten neuen zu bekommen. Und – insofern stimmt das Bild – beide sind unabhängig voneinander: Wenn das linke Bein gesund ist, sagt das gar nichts über das rechte aus, Sie müssen sich ständig um beide kümmern. Fällt eines aus, sind Sie vom Umfallen bedroht.

Kurzantwort:

Ich ziehe meinen Hut vor der Versicherungsbranche. Hat die es doch geschafft, ihren Kunden begreiflich zu machen, dass man sich vorsichtshalber mit Problemen beschäftigen sollte, die zwar eines Tages real werden könnten, im Augenblick aber so fern sind wie nur irgendetwas.

Frage-Nr.: 293
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 47
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-11-25

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