Heiko Mell

The managers to the front!

Antwort:

Für den Fall, dass Sie jetzt oder eines Tages ein mittelständisches (überschaubares) Unternehmen oder Teile davon leiten oder leiten wollen, sollten Sie wissen, was von Ihnen erwartet wird. Und dazu gehören natürlich wirtschaftliche Erfolge, die Erfüllung von Zielen allgemeiner und spezieller Art, die Lösung diverser Probleme und, und, und. Alles wie woanders auch.

Aber der Knackpunkt ist ein anderer: Vom ersten Tag an wird erwartet, dass Sie sich nicht nur der Details annehmen, sondern sich förmlich in sie hineinknien. Und wenn direkt oder indirekt der eigentliche Betrieb mit zu Ihrem Verantwortungsbereich gehört oder Ihre Aufgabe damit zu tun hat: 20 % der Arbeitszeit am Schreibtisch zu verbringen, ist fast schon verdächtig viel, Sie „gehören in den Betrieb“.

Einarbeitung bedeutet, schnellstens Spezialist für das Produktprogramm zu werden – wiederum mit allen Details.Irgendwie gehört natürlich auch strategisch-konzeptionelles Tun zum Managerjob, insbesondere zu dem des Geschäftsführers. Aber gerade wenn Sie neu im Job sind, achten Ihre Vorgesetzten mehr darauf, dass Sie „vor Ort“ sind und sich kümmern. Am besten um alles, am besten gleichzeitig. Je kleiner und privater das Unternehmen, desto mehr.

Gefragt ist hier nicht der kühle Stratege und schon gar nicht jemand, der „über Zahlen“ regiert, die an seinem Schreibtisch zusammenlaufen. Was eigentlich auch funktionieren müsste – es aber nicht tut! Weil die Mitarbeiter der Ebenen unter Ihnen es meist nicht gewohnt sind, so selbstständig nach Vorgaben zu operieren wie etwa im Konzern. Oder kürzer: Ihre Vorgänger haben sie mit ihrer Liebe zum Detail so verdorben oder verwöhnt, dass Sie jetzt nur noch so weitermachen können. Jedenfalls so lange, bis Sie sich mehrere unangreifbare Erfolge auf die eigene Fahne schreiben und sich dann(!) so langsam einen eigenen Stil leisten können.

Halten wir also fest: Erwartet wird von Ihnen eine Mischung aus „er kümmert sich engagiert vor Ort um alle Details“ und „er zeigt leidenschaftliche Zuneigung für unsere Branche und unser Programm“.

Bleiben die Mitarbeiter. Die erschienen Ihren Vorgesetzten nicht qualifiziert genug, um auf Ihren Job gehievt zu werden. Aber im Kollektiv hat ihre Stimme plötzlich enormes Gewicht. Es wird erwartet, dass Sie sie hinter sich bringen. Und vergessen Sie nicht: Je kleiner das Unternehmen, desto mehr informelle Bande und Informationskanäle gibt es zwischen Ihren Mitarbeitern und Ihren Vorgesetzten. Nie würden letztere „ihre Leute“ mitreden lassen, wenn es um wichtige technische oder vertriebliche Entscheidungen geht – die Betroffenen wissen ein Lied davon zu singen. Aber was diese Mitarbeiter beispielsweise von ihrem neuen Chef halten, kann diesen zu Fall bringen.

Dann gilt plötzlich wieder: Wir sind alle eine große Familie. Und Sie sind man bloß eingeheiratetes vorläufiges Mitglied. Versäumen Sie es also nicht, sich auch um die Akzeptanz durch die alteingesessenen Mitglieder zu kümmern. Wer hat gesagt, Karriere sei einfach?

PS: Die Überschrift ist abgeleitet von einem Ausspruch des englischen Admirals E. Seymour. Er kommandierte ein internationales Expeditionskorps im chinesischen Boxeraufstand (1900). Später stießen u. a. auch Deutsche dazu. Er geriet in erhebliche Schwierigkeiten und befahl schließlich in großer Not: „The Germans to the front!“ Unter späterer Mitwirkung russischer Einheiten gelang die Rettung. Der Ausspruch wurde weltberühmt.

Kurzantwort:

Für den Fall, dass Sie jetzt oder eines Tages ein mittelständisches (überschaubares) Unternehmen oder Teile davon leiten oder leiten wollen, sollten Sie wissen, was von Ihnen erwartet wird. Und dazu gehören natürlich wirtschaftliche Erfolge, die Erfüllung von Zielen allgemeiner und spezieller Art, die Lösung diverser Probleme und, und, und. Alles wie woanders auch.

Frage-Nr.: 290
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 41
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-10-14

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