Bodenlose Frechheiten u. Ä. m.

Frage/1: Seit einigen Jahren verfolge ich Ihre Rubrik in den VDI nachrichten und ärgere mich wiederholt über Ihre unsachlichen, teilweise arroganten Kommentare. Ich würde mir viel häufiger Belege in Form von Studien oder ähnlichen Nachweisen wünschen. Dies liegt aber unter Umständen an Ihrem mangelhaften akademischen Hintergrund.

Antwort:

Antwort/1: Ich finde, für einen Mann mit derart elitären Ansprüchen haben Sie das Interesse an dieser Serie trotz der von Ihnen festgestellten gravierenden Mängel noch ziemlich lange aufrechterhalten. Ich weiß nicht, ob jemand zu den überwiegend ganz praktischen Problemen unserer Einsender Studien zitieren könnte, bin aber ziemlich sicher, dass diese im Einzelfall nur sehr bedingt hilfreich wären. Bis dahin äußern Sie eine Meinung, und das ist immer erlaubt. Tja und dann greifen Sie persönlich an. Vergessen Sie nicht: Sie haben angefangen (ein Argument, das ich häufig Menschen gegenüber, die Ärger mit ihrem Chef haben, in die Diskussion werfe). Aber Sie sind ja noch längst nicht fertig: Frage/2: Ihr Ratschlag (2.885. Frage zu 1+2) in der Ausgabe Nr. 21/2017 ist, mit Verlaub, eine bodenlose Frechheit. Zu der Frage einer jungen Dame, ob ein Master bzw. eine Promotion im Anschluss an ihre bisherige Ausbildung sinnvoll wäre, gehen Sie ausschließlich auf den zeitlichen Aspekt ein. Antwort/2: Das war des Pudels ganzer Kern? Deshalb bringen Sie sich in Weißglut und überschreiten übliche Grenzen? Rekapitulieren wir den damaligen Fall: Die Einsenderin hatte nach dem Abitur eine kaufmännische(!) Ausbildung und dann ein duales Studium im Bereich Wirtschaftswissenschaften(!) absolviert. Dann hatte sie ein Bachelor-Studium im Maschinenbau(!) mit 2,1 abgeschlossen. Nun fragte sie, ob ich ihr noch zu einem Master im Maschinenbau raten könnte, obwohl sie bereits 28 Jahre alt wäre. Und dann schob sie nach: „Wäre aus Ihrer Sicht bei entsprechenden Noten eine darauf aufbauende Promotion sinnvoll? Ich frage deswegen explizit danach, weil man als Frau generell mehr ‚Einsatz‘ zeigen muss, um gleichwertige Positionen zu erhalten.“ Ich riet aus einer Reihe von Gründen zum Master, aber von einer späteren Promotion ab. Da die Einsenderin gesagt hatte, „als Frau müsse man mehr“ bieten, stellte ich in einem fiktiven Vergleich ihr als evtl. Dr.-Ing. mit dann 35 Jahren einen männlichen Dr.-Ing. mit 28/29 (incl. Auslandssemester) als Mitbewerber gegenüber – der dann auch eine ganze Menge „Einsatz“ gezeigt hätte und von ihr schwer zu übertreffen wäre. Das ist ein Feld, für das es ganz sicher wenige wissenschaftliche Studien gibt. Und die Dame hatte nicht gefragt, was „man“ in dieser Situation tun müsse, sondern was ich ihr raten würde. Da kann ein anderer Leser durchaus anderer Meinung sein, aber ich darf auch eine haben – und sollte sie äußern. Spätestens an der Stelle wird sich jeder Betrachter fragen, wer denn hier mit Kanonen auf relativ harmlose Spatzen schießt – und warum bloß. Also: Sie, geehrter Einsender, sind Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH), abgeschlossen mit 26, haben später ein berufsbegleitendes Masterstudium im Fach Wirtschaftsingenieurwesen absolviert und sind jetzt externer nebenberuflicher Doktorand an einer Universität. Sie sind „hauptberuflich“ Berater in einem Tochterunternehmen eines sehr namhaften süddeutschen Top-Unternehmens und schreiben: „Aufgrund meiner Ausbildung fliegen mir wöchentlich neue Jobangebote ins Haus.“ Das stimmt doch absolut nicht! Sie bekommen die „fliegenden“ Angebote (Harry Potter bekam Briefe per Eule) wegen Ihres höchstrenommierten Arbeitgebers, nicht wegen Ihrer vermeintlich einmaligen Ausbildung. Die ist gut, aber doch nicht besser als die eines Dipl.-Wirtsch.-Ing. (TU), der ganz normal promoviert hat und in Ihrem Alter schon über sechs bis sieben Jahre Berufspraxis nach der Promotion(!) verfügt. Und bloß weil Sie jetzt in fortgeschrittenem Alter, aber nebenberuflich, promovieren und ich der damaligen Einsenderin, die eine kaufmännische Lehre und ein BWL-Erststu­dium mit sich herumtrug, von einer späteren technischen Promotion eher abriet, machen Sie solch einen Aufstand? Dass man heute fast alles nebenberuflich studieren und ggf. auch so promovieren kann, ist allgemein bekannt. Aber nicht jeder eignet sich dafür. Ich hatte übrigens bei genau jenem Fall ganz bewusst geschrieben, man solle nie einen Menschen fragen, der einen etwas ungewöhnlichen Ausbildungsweg beschritten hat, welche Erfahrungen er damit gemacht habe. Er werde, so schrieb ich, genau diesen Weg immer loben bzw. befürworten. Was zu beweisen war, wie der Lateiner sagt. Aber ich zitiere der Vollständigkeit halber auch gern noch weiter aus Ihrer Zuschrift, die mit der im Kindergarten üblichen Formulierung schließt: „Ich bin gespannt, ob Sie den Mut besitzen, meine Anmerkung zu veröffentlichen bzw. zu kommentieren.“ Wenn Sie es mal bei einer Anmerkung belassen hätten, aber Sie mussten ja zu einem Vernichtungsfeldzug aufbrechen. Frage/3: Ihre Antwort zeugt von einer veralteten und konservativen Sichtweise, die sich nicht mit dem Bild in der heutigen Wirtschaft deckt … Studienabschlüsse in unterschiedlichen Disziplinen werden positiv gesehen, ja heute sogar gewünscht. Dabei ist es völlig unerheblich, ob das Studium an zwei Hochschulen oder als ein Studienfach Wirtschafts­ingenieurwesen absolviert wurde. Je breiter die Ausbildung, desto höher die Chance, eine gute Position zu erwerben (Studie der Bundesagentur für Arbeit vom 15.06.2016, „Arbeitsmarkt für Akademiker“). Weiterhin glaube ich kaum, dass ein großer Teil der Abiturienten bereits weiß, welchen Karrierepfad er eines Tages einschlagen will. Ihr infantiler Kommentar dazu ist einfach nur lächerlich. Auch Sie haben nach dem Abitur nicht gewusst, in welche Richtung Sie sich orientieren wollen, andernfalls hätten Sie nicht in einem zweijährigen Praktikum begonnen. Sie beanspruchen in dem Artikel den Titel Wirtschaftsingenieur für sich, den Sie mit einem Bachelor-Abschluss der Dame gleichstellen. Soweit ich das jedoch an Ihrem öffentlich zur Verfügung gestellten Lebenslauf sehen kann, verfügen Sie lediglich über den Abschluss eines Wirtsch.-Ing. und nicht eines Dipl.-Wirtsch.-Ing. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Möchten Sie Ihre dünne akademische Laufbahn hier etwa über das „Hintertürchen“ aufpolieren? Ein Dr.-Ing., wenn auch nur ehrenhalber, für eine Personalberatung ist ohnehin sehr dubios bzw. fragwürdig. Antwort/3: Wenn es der Kuh zu wohl wird, geht sie aufs Eis. Da ist es dann sehr glatt. Und man könnte jetzt umgekehrt von „bodenloser Frechheit“ sprechen. Ihre Zuschrift habe ich kürzen müssen, sie hätte sonst nicht ins Format gepasst. Ich habe die Verpflichtung übernommen, den Lesern und insbesondere den Fragestellern/Einsendern nach bestem Wissen und Gewissen mit möglichst gutem Rat weiterzuhelfen. Wie jener jungen Dame (die sich übrigens bisher nicht beschwert hat), so auch Ihnen. Also ist unser Thema heute: Wie formuliere ich eine Stellungnahme kritischer Art? Der erste Grundsatz lautet: Konzentrieren Sie sich auf möglichst nur ein zentrales Detail, zu dem Sie kurz und prägnant Ihre – abweichende – Meinung sagen. Vermeiden Sie Ausuferungen. Entscheiden Sie sich, ob Sie eine Sachaussage richtigstellen, eine abweichende Meinung äußern oder eine Person angreifen wollen. Aber versuchen Sie, nicht alles gleichzeitig zu versuchen. Das geht selten gut. Denken Sie an das „Lawinenprinzip“: Wenn Sie eine Kritik einmal losgetreten haben, entwickelt sie leicht ein Eigenleben, reißt mehr und mehr Masse (Wörter) mit sich und gerät außer Kontrolle. Solche Briefe werden schnell uferlos. Ganz gefährlich sind spontan nach dem jeweiligen auslösenden Ereignis (hier das Lesen meines entsprechenden Beitrages) sofort angegangene E-Mails, die erst dem Lawinen-effekt unterliegen und dann auch noch direkt abgesandt werden – die früheren Post-Briefe, die erst am nächsten Morgen in den Briefkasten kamen und über die man also mindestens eine Nacht schlaffen konnte/musste, waren demgegenüber ein Segen. So aber besteht die Gefahr, dass man dieses Argument noch bringt und jenes noch anhängt und einmal so richtig aufräumt mit allen Frustrationen, die sich in Jahren angesammelt haben. Fragen Sie sich, liebe Leser, einmal, was dieser Einsender nun eigentlich gewollt hat: eine Lanze brechen für nebenberufliches Promovieren, einen Serienautor ärgern, den er zwar seit Jahren liest, aber den er nicht leiden kann oder sich als Ritter jener jungen Dame aufspielen, die bisher gar nicht um Beistand gebeten hat? Oder wollte er der Öffentlichkeit einmal zeigen, wie toll er ist (obwohl das ohne Namensnennung nicht viel bringt, es sei denn, er outet sich im Bekanntenkreis selbst)? Was man aber niemals(!) machen darf, ist sorglos mit Fakten umgehen. Unser Einsender stellt da wüste Theorien auf, bringt falsche Behauptungen und hat ganz erkennbar von manchen Zusammenhängen keine Ahnung. Dies in Verbindung mit der Unangemessenheit des Angriffs disqualifiziert seine Einsendung und nimmt seinen Argumenten die Schlagkraft. Ich stelle hier höchst ungern meinen persönlichen Weg in den Mittelpunkt, aber nun muss ich ja meine Aussage beweisen: 1. Ich habe nicht nach dem Abitur zwei Jahre Überlegungsfrist als Praktikum getarnt. Es beginnt damit, dass ich – wie hier öfter schon gesagt – gar kein Abitur habe. Meine DDR-Schulbildung (zwei Klassen vor dem Abi) wollte hier kein Gymnasium anerkennen. Also Mittlere Reife und Berufsziel „Ingenieur“. Damals war zwingende Voraussetzung für den Besuch einer Ingenieurschule entweder eine gewerbliche Lehre oder ein zweijähriges Praktikum (meine Lösung) mit in Abendkursen zu erwerbender „fachtheoretischer Überhöhung“. Diese Ingenieurschulen wurden erst später zu Fachhochschulen. Ich schloss mit dem „Wirtschaftsingenieur“ ab (mit 21 Jahren), der „Dipl.-Ing.“ war TH/TU-Absolventen vorbehalten. 2. Damit Sie, geehrter Einsender, beruhigt sind: „Ing. (grad.)“ und „Dipl.-Ing.(FH)“ bin ich lt. Urkunden auch noch. Deutschland übrigens hatte mit dieser damaligen Ausbildungsstruktur Weltgeltung auf vielen technischen Gebieten erreicht. 3. Zu meinem „dubiosen“ Dr.-Ing. E. h. will ich mich nicht wertend äußern. Er wird von einer Universität verliehen; Grundlage sind Verdienste, die man zugesprochen bekommt, selbst beantragen kann man die Ehrung nicht. Vorschlag: Sie qualifizieren sich für einen solchen Dr.-Ing. E. h. und richten danach noch einmal darüber. Dann ist die Wirkung Ihres Urteils größer. 4. Ein Vergleich des damaligen „Ingenieurs“ mit einem heutigen Bachelor ist tatsächlich eine Art Ehre – für den Bachelor. Schlussgedanke: Warum hat der Mell nicht souveräner reagiert und diese Einsendung einfach ignoriert? Hätte er ja gerne und eigentlich auch gewollt. Aber da hatte ihm just ein paar Tage vorher der Chefredakteur einer ihm nahestehenden Zeitung erzählt, auch sehr kritische Leserzuschriften seien toll, in jedem Fall besser als gar keine solchen Äußerungen. Offenbar werden überall viele Artikel (auch) mit Herzblut geschrieben – und dann kräht kein Hahn danach. Das kann mir wohl nicht passieren. Und Sie, geehrter Einsender, vergessen bitte nicht: Sie haben angefangen.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2898
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 34
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2017-08-23

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