Heiko Mell

Ein Getriebe ohne Zähne

Antwort:

Aus der Frühzeit der Technik gibt es ein berühmt gewordenes Beispiel einer Erklärung komplexer Zusammenhänge: Ein Kundiger versucht verzweifelt, einem Laien die neue Telegrafie nahe zu bringen. Ohne großen Erfolg. Schließlich probiert er es so: „Stelle dir einen Dackel vor, der von Hamburg bis München reicht. Kannst du das?“ Der kann. Weiter: „Jetzt trittst du dem Hund in Hamburg auf den Schwanz, dann jault er in München.“ Skeptisch fragt der andere: „Na schön, aber wie geht jetzt Telegrafie?“

„Genau so, bloß ohne Hund“, sagt der erschöpfte Erklärer.

Auf dieser Basis darf ich auch einmal etwas versuchen: Stellen Sie sich das Werk einer mechanischen Uhr vor mit ihren vielen Zahnrädern, die alle miteinander im zwangsweisen Verbund arbeiten. Eine Drehung an einem davon führt zu genau definierten Bewegungen der anderen (für Detailfanatiker: abzüglich des Spiels). Und wenn Sie eines festhalten, stehen alle.

Und, nun knüpfe ich oben an, genau so ist unser berufliches System nicht! Es gibt wohl das Getriebe mit den vielen Rädern – aber es gibt keine Zähne und schon gar keine feste Verbindung zwischen den einzelnen Teilen. Die Räder haben kleine Schaufeln dort, wo sonst die Zähne sitzen, berühren sich nicht und das ganze Gehäuse ist voller Öl. Und wenn Sie nun irgend ein Rad in Drehung versetzen, bewegen sich bald auch irgendwelche anderen. Aber es ist schwer bis gar nicht vorherzusagen, welche das sein werden und auch die Drehrichtung mag im Einzelfall überraschen. Und wenn ein Rad etwas stramm auf seiner Welle sitzt, dreht es sich bei geringerem Tempo der anderen erst einmal gar nicht. Sie können auch jedes Rad einzeln festhalten, ohne das ganze System stillzulegen.

So, nun schreiben Sie auf jedes dieser Rädchen die Bezeichnung eines Elementes aus unserem beruflichen System – und Sie haben ein Modell desselben. Mit lauter Rädchen, die zwar über das Öl alle miteinander verbunden sind, aber dabei doch völlig souverän bleiben. Es gibt keine Zwangsverzahnung der Elemente untereinander.

Und so kann die Wirtschaft jetzt mehr Akademiker der Fachrichtung X benötigen, während die Hochschulen gerade begonnen haben, weniger auszubilden. Das gilt im Großen (große Räder) wie im Kleinen. Eigentlich steht ein kurzes Studium mit guten Noten plus Softskills plus Sprachen plus außeruniversitäres Engagement für tolle Chancen im Beruf und das Gegenteil für schlechte. Und dennoch kann der Alleskönner später unter „ferner liefen“ enden, während das „Sorgenkind“ durchaus Vorstand werden kann(!). Und so sind die ganzen vielen Regeln, volks- und betriebswirtschaftlichen Gegebenheiten, die Marktverhältnisse, demografische und gesellschaftspolitische Wandlungen, steigende Energie- und fallende Aktienpreise nur sich im Ölbad drehende Räder, deren Drehrichtung schwer und deren Drehzahl kaum vorherzubestimmen sind.

So wie der Abteilungsleiter A den besten seiner jungen Nachwuchsmitarbeiter zu seinem Stellvertreter ernennt – während sein Kollege B vorsichtshalber einen älteren, schwächeren Mann aus der Mannschaft beruft, der ihn nie ersetzen (gefährden!) könnte.

Alles dreht sich irgendwie mit, bleibt aber dabei eigenständig und reagiert nur bedingt vorhersehbar – und eben in der Sicht des laienhaften Betrachters scheinbar nur bedingt logisch. Erwarten Sie also nicht zuviel an nachvollziehbarer Systematik. Mein Standardbeispiel, der Vergleich des beruflichen Systems mit einem Monopolyspiel, ist noch sehr schmeichelhaft. Für das System.

Kurzantwort:

Aus der Frühzeit der Technik gibt es ein berühmt gewordenes Beispiel einer Erklärung komplexer Zusammenhänge: Ein Kundiger versucht verzweifelt, einem Laien die neue Telegrafie nahe zu bringen. Ohne großen Erfolg. Schließlich probiert er es so: „Stelle dir einen Dackel vor, der von Hamburg bis München reicht. Kannst du das?“ Der kann. Weiter: „Jetzt trittst du dem Hund in Hamburg auf den Schwanz, dann jault er in München.“ Skeptisch fragt der andere: „Na schön, aber wie geht jetzt Telegrafie?“ „Genau so, bloß ohne Hund“, sagt der erschöpfte Erklärer.

Frage-Nr.: 286
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 36
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-09-09

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