Heiko Mell

Nur wer souverän ist, kann mutig entscheiden

Antwort:

Ein Angestellter, der keinen Job hat, ist eigentlich schon gar kein Angestellter mehr – denn ein solcher wäre abhängig beschäftigt, vor allem anderen wenigstens beschäftigt. Und das nun ist ein Mensch ohne Arbeit definitionsgemäß nicht. Überhaupt einen Job zu haben, ist daher die zentrale Stütze des Angestelltendaseins. Aber das ist noch längst nicht alles. Denn nahezu jede Anstellung kann man recht schnell wieder verlieren. Die wichtigste Fähigkeit des Angestellten, quasi seine „Lebensversicherung“, besteht darin, im Ernstfall jederzeit möglichst problemarm eine neue Position anderswo zu bekommen. Dazu wiederum muss er Entscheidungsträger bei potenziellen neuen Arbeitgebern finden, die ihn einstellen würden. Kurz:
Der Angestellte braucht nicht nur einen Job, sondern auch potenzielle neue Vorgesetzte, die ihn einstellen, falls er seine heutige Anstellung verliert.

Damit sind diese fremden Entscheidungsträger bei fremden Firmen die Schlüsselfiguren im Existenzkampf des Angestellten. Wenn die nun eine solche Bedeutung haben, muss der abhängig Beschäftigte wissen, wie diese potenziellen neuen Vorgesetzten „funktionieren“, wie sie denken.

Sofern diese Entscheidungsträger nicht zufällig Inhaber ihrer Unternehmen sind, gilt: Sie sind selbst nur Angestellte, stehen unter Druck, müssen sich für ihre Handlungen verantworten – sie sind nicht souverän. Sie können nicht tun, was sie am liebsten täten, sie müssen hingegen vor allem darauf achten, nichts falsch zu machen. Was „richtig“ gewesen wäre, ist weitaus schwerer zu definieren. Aber was ein Fehler war, entscheidet ihr eigener Chef sofort.

Also sind, etwas überspitzt aber durchaus noch zulässig formuliert, Entscheider in Einstellfragen weniger bemüht, alles richtig, als vielmehr möglichst nichts nachweisbar falsch zu machen. Da ist also kein Raum für Experimente.

Bei der Auswahl von Bewerbern macht wenig falsch, wer einen Kandidaten nimmt, der- in zentralen allgemeinen Kriterien wie Alter, Ausbildung, Noten/Bewertungen, Dienstzeiten, Karrierefortschritten. möglichst den Stan­dard-Erwartungen entspricht,- im Bereich der Fachqualifikation möglichst haargenau dem Idealprofil entspricht,- in Sachen Branche, Firmenart und -größe möglichst den eigenen Verhältnissen entstammt.

Wird ein derart „auf der sicheren Seite“ liegender Interessent ausgewählt, gilt der vom neuen Vorgesetzten zu verantwortende Einstellprozess zunächst einmal als Erfolg. Versagt der entsprechende neue Mitarbeiter später, hat sein Vorgesetzter a) „damals“ alles richtig gemacht und b) „eben Pech gehabt“ – was durchaus vorkommen kann.

Wird aber ein „Exot“ eingestellt (zu alt, Studium ohne Abschluss, falsche Fachqualifikation, aus völlig anderer Branche), ist und bleibt die Entscheidung in den Augen der Chefs des Vorgesetzten ein Risiko besonderer Art. Geht es gut, gibt es kein Sonderlob. Versagt der „Exot“ aber (warum auch immer), setzt sich sein Vorgesetzter einem massiven Vorwurf aus: „Wie konnten Sie den bloß einstellen, ich war ja von Anfang an skeptisch.“ Das ist nicht gut für dessen Karriere. Und wenn er klug ist, macht er das so schnell nicht wieder.

Wer als Entscheidungsträger hingegen souverän wäre, dürfte so handeln, wie er wollte – ihm könnte ja niemand einen Vorwurf machen.Für Sie ist es wichtig zu wissen, dass die Träger Ihrer „Lebensversicherung“ üblicherweise nicht souverän in ihren Entscheidungen sind, an denen Ihre berufliche Existenz hängen kann. Weshalb es ratsam ist, möglichst nicht allzu weit vom Standard abzuweichen.

Kurzantwort:

Ein Angestellter, der keinen Job hat, ist eigentlich schon gar kein Angestellter mehr – denn ein solcher wäre abhängig beschäftigt, vor allem anderen wenigstens beschäftigt. Und das nun ist ein Mensch ohne Arbeit definitionsgemäß nicht. Überhaupt einen Job zu haben, ist daher die zentrale Stütze des Angestelltendaseins. Aber das ist noch längst nicht alles. Denn nahezu jede Anstellung kann man recht schnell wieder verlieren. Die wichtigste Fähigkeit des Angestellten, quasi seine „Lebensversicherung“, besteht darin, im Ernstfall jederzeit möglichst problemarm eine neue Position anderswo zu bekommen. Dazu wiederum muss er Entscheidungsträger bei potenziellen neuen Arbeitgebern finden, die ihn einstellen würden.

Frage-Nr.: 282
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 27
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-07-07

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