Heiko Mell

4 Fragen – die Antworten führen zum Ziel

Antwort:

Bei der Gestaltung von Bewerbungen wird den Äußerlichkeiten zu viel und dem Inhalt zu wenig Aufmerksamkeit zuteil. Keine Frage: Umgekehrt wäre es wesentlich besser – und zielführender.

Reden wir also vom Inhalt. Dieser muss, das versteht sich, den Empfänger ansprechen, die Meinung des Absenders interessiert praktisch gar nicht.

Und dem Empfänger sind die Antworten auf vier Fragen wichtig. Findet er die, kann er eine abgewogene Bewertung vornehmen. Fehlen wesentliche Elemente, riskiert der Absender ein Scheitern aus Mangel an Informationen – denn im Strafrecht entscheidet man zwar im Zweifel zu Gunsten des Angeklagten, in Bewerbungsangelegenheiten jedoch gegen den Bewerber (der dafür natürlich auch nicht etwa angeklagt ist – aber schon das Gefühl haben kann, man säße über ihn zu Gericht).

Der Adressat will aus den Unterlagen über den Bewerber erfahren:Was ist er? Was kann er? Was will er? Was kostet er?

Dabei gilt zu den einzelnen Fragen:

1. Was ist er?

Die Details stecken in zwei Rubriken des Lebenslaufs:
a) Ausbildung/Studium. Hier bleiben so gut wie nie Lücken in den Darstellungen der Bewerber.
b) Welche Position(en) füllt er heute aus bzw. hat er bisher ausgefüllt? Dazu gehören die jeweilige Positionsbezeichnung, der Name des Arbeitgebers und(!) Angaben zu Branche/Produktspektrum, Größe (Mitarbeiter und/oder Umsatz), eventuell Konzernzugehörigkeit oder Status als inhabergeführter Mittelständler.

 

2. Was kann er?

Maßgeblich ist auch hier der Lebenslauf. Einfachste Antwort: Was ich längere Zeit beruflich mache, kann ich auch. Also am besten zu den einzelnen Positionen eine kurze stichwortartige Aufzählung der wichtigsten Teiltätigkeiten. Beispiel: „Entwicklung und Konstruktion von Bauteilen unter Einsatz von 3D-CAD (System Morgenröte).“ Der Leser sieht: Der Bewerber kann mit 3D-CAD umgehen. Zusätzliche Fachkenntnisse können in einer Spezialrubrik „Besondere Kenntnisse“ zusammengefasst werden, absolvierte Lehrgänge unter „Weiterbildung“. Ein „Qualifikationsprofil“ als allgemeine Auflistung ist nicht so gut, da man nicht erkennt, wo die Kenntnisse herkommen, was in der Praxis angewendet wurde und was nicht (praktisches Tun geht über reines Lehrgangswissen).

 

3. Was will er?

Nun, er will diesen Job – aber warum? Was bewegt ihn, welche Motivation steckt hinter dem Wechselwunsch? Geht es um den hierarchischen Aufstieg, um mehr Führung, mehr Geld, sucht er neue fachliche Herausforderungen, strebt er gezielt in eine neue Branche, hat er überhaupt gemerkt, dass die ausgeschriebene Position für ihn keinen Fortschritt darstellt? Ist er von Entlassung bedroht (oder hat er, was er so deutlich nicht gern sagen wird, Ärger mit seinem Chef)? Warum will er so kurz nach dem letzten Wechsel schon wieder weg? Hier muss, das wird erwartet, der Bewerber spüren, welche Fragen sich beim Lesen geradezu aufdrängen. Und das tun sie oft, sehr oft!

Für den Leser der Bewerbung geht es um die zentrale Frage: Können wir ihm hier bieten, was er will?

Und oft schüttelt er beim Studium der Unterlagen nur den Kopf und fragt sich: Was will der mit seiner durchaus interessanten Qualifikation hier? Wer beispielsweise heute führt („Leiter ….“) muss erklären, warum er sich um eine nicht-leitende Funktion bewirbt – sonst denkt der Leser, der Bewerber hätte (wie durchaus üblich) die Anzeige bloß nicht sorgfältig gelesen.

Die Antwort auf diese wichtige Kernfrage gehört ins Anschreiben.

 

4. Was kostet er?

Ob die Anzeige nun um Angaben dazu bat oder nicht: Der Preis ist in einer Marktwirtschaft immer von besonderem Interesse. Stets reicht übrigens die Angabe des heutigen Einkommens (das im Vorstellungsgespräch ohnehin erfragt wird). Alberne Aussagen wie „über Geld möchte ich erst im Vorstellungsgespräch reden“ bergen das Risiko, dass der Leser den Bewerber für „zu teuer“ hält und gar nicht erst einlädt.

Je spezieller die heutige Position des Bewerbers ist (Extrembeispiel: selbstständig), desto wichtiger ist eine konkrete Angabe in Euro (in diesem Fall besser als Einkommensvorstellung, nicht als Isteinkommen).

Auch ein Gebrauchtwagen, der ohne Preisangabe auf den Verkaufsplatz gestellt wird, hat nur geringe Chancen, einen Käufer zu finden. Oft will der Bewerbungsempfänger auch einfach nur sehen, ob der Kandidat vernünftig und realistisch denkt (wer heute 50.000 Euro verdient, bekommt im nächsten Job niemals 100.000 Euro; die Angst, in Verhandlungen etwas „zu verschenken“, ist meist unbegründet).

Anmerkung: Diese Hinweise gelten, wie man sich denken kann, nur begrenzt für den einmaligen Sonderfall im Leben: Ich bewerbe mich nach dem Studium um eine Einstiegsposition. Aber schon zwei Jahre später gehen viele Jungakademiker wieder auf den Markt, bis zum 50. Lebensjahr kommen oft fünf und mehr Bewerbungsaktionen zusammen. Und dann passen diese Empfehlungen wieder punktgenau.

Kurzantwort:

Bei der Gestaltung von Bewerbungen wird den Äußerlichkeiten zu viel und dem Inhalt zu wenig Aufmerksamkeit zuteil. Keine Frage: Umgekehrt wäre es wesentlich besser – und zielführender.

Frage-Nr.: 280
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 24
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-06-16

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