Heiko Mell

„Alt“ mit 35?

Antwort:

Vor mir liegt ein Artikel aus meiner Regionalzeitung (Kölner Stadt-Anzeiger v. 9.5.2006). Dort heißt es unter der Überschrift „Jugendwahn im Königreich“, bei einem schwedischen Industriekonzern seien Beschäftigte schon mit 35 Jahren zu alt. Sie würden in ein Abfindungsangebot für tausend Angestellte einbezogen. Das Ziel: Es gelte Platz zu schaffen „für jüngere, frisch ausgebildete Ingenieure“. Dabei ist man dort die „richtig“ älteren Mitarbeiter ohnehin schon im Zuge einer Belegschaftshalbierung losgeworden.

Nach der Abfindungswelle will man dort 300 neue Leute einstellen, um die „Überalterung“ abzubauen. „Vor allem jung“ sollten die Neuzugänge dann sein.Ich halte es für denkbar, dass einige Studienabsolventen von dem Konzept begeistert sind. „Jung“ hat ein positives Image – solange man noch dazugehört. Wenn aber „zu alt“ bereits bei Mitte 30 einsetzt und man unsere Durchschnittsabsolventen mit ihren 28 Jahren betrachtet, dann bleiben in diesem Konzern dem Berufseinsteiger nur etwa sieben Jahre, bevor er sich zum alten Eisen zu rechnen und sich – zunächst sanft, dann immer nachdrücklicher – hinausgedrängt zu fühlen hat.

Was wird eigentlich aus den abgefundenen „Greisen“ von 35 aufwärts? Sollen andere Unternehmen etwa diesen total ausgelaugten, leistungsschwachen Mitarbeiterschrott aufnehmen? Oder zahlen solche Unternehmen freiwillig höhere Steuern, damit man die ganzen Frührentner auf Staatskosten durchfüttern kann?

Nun, ich habe hier nicht die Personalpolitik ausländischer Industriekonzerne zu beurteilen. Aber den jungen deutschen Lesern, die gerade ihren Berufseinstieg planen, darf ich zu einer gesunden Skepsis raten, wenn allzu intensiv mit „jungen Teams“ und „niedrigem Durchschnittsalter“ geworben wird: Irgendwie und irgendwo haben diese Firmen ihre „ältren“ Angestellten ja entsorgt. Vielleicht im Heizungskeller? Vergessen Sie bloß nicht: In wenigen Jahren würden Sie dort zu denen gehören, die man unbedingt loswerden möchte. Denken Sie unbedingt auch mittel- und langfristig.

Außerdem heißt „junge Belegschaft“ auch, dass nie jemand vorhersehbar aus Altersgründen (Pension) seinen Stuhl räumt. Und nach meiner sehr umfassenden Praxis (für die ich mich fast schämen muss, vielleicht hätte ich vor fast dreißig Jahren Rente bean­tragen sollen) macht erst die ausgewogene Verteilung von jungen und älteren Mitarbeiter die Stärke einer Belegschaft aus. Denn jede Altersgruppe hat etwas beizusteuern, das man für das gemeinsame Ziel nutzen kann.

Nun, es bleibt eine Hoffnung: Viel schlimmer kann es nicht werden: 30 als Altersgrenze ginge auch noch, aber ab 25 abwärts würde es dann nicht nur albern, sondern schlicht un­realistisch. Spätestens dann wird das Pendel wieder zurückschwingen – auch der Minirock wurde wieder länger, als eine anatomische Grenze erreicht war. Bis dahin: Lassen Sie sich vor einer Einstellung vorsichtshalber einen lebenden fünfzigjährigen Mitarbeiter dieses Hauses zeigen. Sozusagen als „Beweis“ dafür, dass man dort nicht nach einigen Jährchen beruflichen Tuns mehr oder minder sanft „entsorgt“ wird. Bleibt die Frage, für wen eigentlich Demografen ihre Statistiken veröffentlichen

Kurzantwort:

Vor mir liegt ein Artikel aus meiner Regionalzeitung (Kölner Stadt-Anzeiger v. 9.5.2006). Dort heißt es unter der Überschrift „Jugendwahn im Königreich“, bei einem schwedischen Industriekonzern seien Beschäftigte schon mit 35 Jahren zu alt. Sie würden in ein Abfindungsangebot für tausend Angestellte einbezogen. Das Ziel: Es gelte Platz zu schaffen „für jüngere, frisch ausgebildete Ingenieure“. Dabei ist man dort die „richtig“ älteren Mitarbeiter ohnehin schon im Zuge einer Belegschaftshalbierung losgeworden.

Frage-Nr.: 278
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 22
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-06-02

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