Heiko Mell

Schusters Schuhe und die Frisuren des Friseurs

Antwort:

Ich will hier einmal ganz vorsichtig eines der großen Geheimnisse unserer beruflichen Welt lüften: Bewerbungen sind in hohem Maße unvollkommen, sie erfüllen oft Mindeststandards nicht, das Lesen derselben wirkt desillusionierend. Ach, das wussten Sie schon? Aber neu für Sie ist: Die Bewerbungen von Personalleitern sind nicht so viel besser wie sie eigentlich sein sollten. Ganz ehrlich: eher im Gegenteil.

Nun muss das einen Grund haben; vielleicht stumpft das täglich vor Augen liegende Beispiel fremder Bewerbungen ab – schließlich sagt man Schustern an ihren eigenen Füßen auch eher miserable Schuhe und Friseuren entsprechend weniger tolle Frisuren nach. Und auch viele Ärzte leben augenscheinlich nicht annähernd so gesund wie sie das ihren Patienten raten.Aber der zentrale Grund ist vermutlich viel einfacher: Man redet immer davon, dass die Personalabteilung mit ihrem Leiter an der Spitze die Bewerbungen liest, analysiert, über das Schicksal der Kandidaten entscheidet. Das ist auch mitunter so, zumindest in Ausnahmen oder Sonderfällen. Beispielsweise in der oft vorhandenen Spezialabteilung für Hochschulmarketing großer Konzerne, die sich mit den Berufsanfängern herumschlägt, insbesondere wenn es um Traineeprogramme geht.

Im Tagesgeschäft des Mittelstands jedoch registriert und verwaltet das Personalwesen oft nur die Bewerbungen und legt sie pauschal den Fachabteilungen zur Auswahl vor. Dort nehmen dann mehr oder minder untrainierte Führungskräfte die verbindliche Auswahl vor, beraten und gesteuert durch das Personalwesen, aber mit eigener Entscheidungshoheit.

Und so sind viele Personalleiter gar nicht die Detailspezialisten für Bewerbungen und Bewerbungstechnik, als die sie in der Öffentlichkeit dargestellt werden. Ihr Aufgabenbereich hat meist ganz andere, höchst anspruchsvolle Schwerpunkte vielfältiger Art. Aber wenn sie sich bewerben, sind sie in der Regel nicht die Fachleute, die in ihrer ureigenen Spezialdisziplin Maßstäbe setzen.

Für Sie, liebe nicht aus dem Personalwesen stammenden Leser, heißt das: Ihre Zuschrift wird in den Betrieben nicht vorrangig von hochkarätigen Fachleuten für Bewerbungstechnik gelesen und bewertet als vielmehr von Laien auf diesem Gebiet, die nicht täglich ein Buch über den neuesten Trend lesen. Das macht den Prozess „Bewerbung“ so anspruchsvoll. Denn der zentrale Entscheidungsträger ist überwiegend Experte auf dem im Mittelpunkt der zu besetzenden Position stehenden Fachgebiet, aber „Amateur“ in Sachen Bewerbungstechnik – er hat dort sicher nicht den neuesten Trend im Kopf, verfügt jedoch über gesunden Menschenverstand. Ihn überzeugt, was logisch ist – nichts nur deshalb, „weil man das jetzt so macht“.

Kurzantwort:

Ich will hier einmal ganz vorsichtig eines der großen Geheimnisse unserer beruflichen Welt lüften: Bewerbungen sind in hohem Maße unvollkommen, sie erfüllen oft Mindeststandards nicht, das Lesen derselben wirkt desillusionierend. Ach, das wussten Sie schon? Aber neu für Sie ist: Die Bewerbungen von Personalleitern sind nicht so viel besser wie sie eigentlich sein sollten. Ganz ehrlich: eher im Gegenteil.

Frage-Nr.: 275
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 16
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-04-21

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