Heiko Mell

Sonderaktion „Erfolgsbeispiele“ (III)

Sonderaktion „Erfolgsbeispiele“ (III): Die Teile I und II erschienen am 05.12.2014 und 19.12.2014; H. Mell).

Antwort:

Einsender G: Der Weg in die ertragsstarke Selbstständigkeit

Alter: Mitte 50; vielstufige Ausbildung über Real- und Fachoberschule, 2 Semester FH, dann TU und dort Promotion (Dr.-Ing., nach nur 1,25 Jahren mit 26 und – natürlich – Einser-Kandidat); Berufsweg:

  • 1 Jahr Associate bei einer der großen amerikanischen Unternehmensberatungen in Deutschland;
  • ein paar Monate freiberufliche Tätigkeit als Software-Ingenieur bei einem Premium-Hersteller im Kfz-Bereich;
  • 6 Jahre Assistent der Geschäftsführung und Gruppenleiter Patente und Lizenzen bei einem Werkzeugmaschinenunternehmen mit ca. 500 MA;
  • 4 Jahre Abteilungsleiter Patente bei einem Kunststoffmaschinenunternehmen mit ca. 3.000 MA);
  • 5 Jahre Bereichsleiter „Patente“ und „Versuch“ bei einem Großunternehmen der Industrie (Prokurist) mit 40.000 MA;
  • seit 10 Jahren freiberuflicher Patentanwalt mit einem „Einkommen, das von Fragen nach materiellen Aspekten befreit“.

Zusätzlich weist der Werdegang an Weiterbildung/Zusatzstudien aus:

Ausbildung zum „European Patent Attorney“; Ausbildung zum „Deutschen Patentanwalt“; Studium im Masterstudiengang „Europäischer Gewerblicher Rechtsschutz“ mit Abschluss als „Master of Laws (LL.M.)“

Spezielle Erkenntnisse des Einsenders:

1. Mein Werdegang hat sich für mich positiv und eigentlich entgegen Ihrer üblichen Regel „Beim Firmenwechsel eine Stufe in der Firmengröße hinunter und eine Stufe in der Hierarchie hinauf“ entwickelt. Ich wechselte vom Gruppenleiter einer kleinen Firma zum Abteilungsleiter in einem mittelgroßen Unternehmen und dann weiter zum Hauptabteilungs-/Bereichsleiter im Konzern.

2. Eigentlich war ich schon mit Ende dreißig am Ziel meiner beruflichen Wünsche, als ich gerade zum Prokuristen im Konzern ernannt worden war. Mir wurde schnell klar, dass ein weiterer beruflicher Aufstieg für mich mangels Fähigkeit nicht infrage kam („Einser-Kandidat“ mit den hiermit einhergehenden „Besonderheiten“).

3. Das hätte damals 25 Jahre Verharren in der ergatterten Position bedeutet. Ich habe dann für mich meine individuelle Lösung gefunden und bin mit Mitte vierzig in den freien Beruf gewechselt – eine Entscheidung, die sich für mich als goldrichtig erwiesen hat.

4. Ihre Ratschläge in der „Karriereberatung“ kann ich nur voll unterstützen. Für mich sind die diesbezüglich wichtigsten Kernüberlegungen:

4.1 Unbedingt ortsungebunden die optimale Aufgabe bzw. Position suchen, den „Standort“ hintan stellen (ich habe schon erlebt, dass man arbeitgeberseitig „notorische Stubenhocker“, die niemals aus der Region hinausgekommen sind, nicht ganz ernst nimmt: „Der geht hier ohnehin nicht weg“).

4.2 Die Bereitschaft zum „Dienen“ leben. Die Wertschätzung des Arbeitgebers kann dann irgendwie geradezu mit Händen gegriffen werden, das „Verdienen“ kommt von allein.

4.3 Nicht nur wissen, was man kann, sondern – vor allem – was man nicht kann. Dieser Aspekt ist vielleicht besonders für Einser-Kandidaten wichtig.

4.4 Daraus abgeleitet ergibt sich die zentrale Frage: „Was will ich eigentlich werden?“ Die Antwort ist vielleicht nicht einfach zu finden – sie muss aber „her“.

4.5 Fraglos habe ich über die Jahre von Ihrer „Karriereberatung“ profitiert, die – obwohl ich sie in dieser Form als Nicht-Angestellter nicht mehr brauche – bis heute zur wöchentlichen Pflichtlektüre gehört. Manche Prinzipien gelten aber absolut auch für Selbstständige.

Mein Kommentar:Was soll ich dazu noch sagen? Ich bin beeindruckt und meine:

a) Jeder, der mit 26 nach 1,25 Jahren an einer renommierten TU mit „sehr gut“ promoviert, darf, kann, soll vielleicht gegen Karriereregeln verstoßen.

b) So wie sie sich für mich darstellen, waren Ihre ersten beiden beruflichen Stationen jeweils Katastrophen. Das hätte Ihnen das Genick brechen können. Danach hat Sie wohl auch kein Konzern gern einstellen mögen, es blieb also der Mittelstand.

c) Auch hier wieder das Erfolgsprinzip: Der Kandidat erkennt „sein“ Fachgebiet, stürzt sich mit seinen überdurchschnittlichen Fähigkeiten darauf, lässt diesen „Ast“ nicht mehr los und kämpft sich konsequent nach oben. Toll, eindrucksvoll – aber so auch vorwiegend für Ausnahme-Kandidaten zur Nachahmung geeignet. 

 

Einsender H: Karriere mit Migrationshintergrund

Alter: Mitte 40; geboren in Südeuropa, heute Deutscher; von den Eltern, die keinen Bezug zu Deutschland hatten, auf die Deutsche Schule im Heimatland geschickt (wegen deren guten Rufs). Schule, Studium: Abitur (1,2) an diesem deutschen Gymnasium in der Heimat, TU (Maschinenbau) dort mit zweitbestem Abschluss; erster Aufenthalt in Deutschland, wissenschaftlicher MA an deutscher TU, Promotion dort zum Dr.-Ing. (1,0); bekam schon als Doktorand die VDI nachrichten, liest seither alle Beiträge der Karriereberatung.

Berufsweg:

  • Nach der Promotion Rückkehr in die Heimat, dort für ein Jahr externer Mitarbeiter an einem Technologie-Zentrum (tiefe Enttäuschung, er empfand auf der Basis der in D gemachten Erfahrungen viele Arbeitsgewohnheiten im Heimatland als rückschrittlich und ineffizient);
  • nach Bewerbungen im deutschsprachigen Raum für knapp drei Jahre bei einem Anlagenbauer in einem Nachbarland Deutschlands, dort zunächst Projektingenieur, dann Gruppenleiter im Projekt Engineering; Wechsel nach Verkauf des Unternehmens;
  • nach heftiger Überzeugungsarbeit bei der Ehefrau (Wohnsitz!) Wechsel zu einem weltweit tätigen internationalen Anlagenbau-Konzern in die deutsche GmbH; dort ca. 10 Jahre geblieben als Leiter einer Entwicklungsabteilung, Leiter Entwicklung und Berechnung einer Sparte für Europa, Bereichsleiter für Entwicklung, Konstruktion und Berechnung sowie Leiter R&D einer globalen Organisation, Führung von zuletzt mehr als 400 MA;
  • vor einigen Jahren Eintritt in deutschen Konzern, dort Start als Bereichsleiter Engineering und Bau-Projekte; jetzt Leiter der größten Business-Unit mit weit über 1.000 MA („mit den meisten Mitarbeitern, den meisten Assets, den meisten Problemen“); optimistisch, zufrieden.

 

Spezielle Erkenntnisse des Einsenders:

1. Solide Ausbildung, Einsatzbereitschaft, Engagement, Neugier auf Neues, Loyalität, Kommunikationsfähigkeit und Belastbarkeit sind absolute Voraussetzungen für eine Karriere. Allerdings bin ich vielen Ingenieuren begegnet, die das alles mitbringen, aber trotzdem keine Karriere machen.

2. Besonders für Ingenieure ist es sehr wichtig, komplizierte Zusammenhänge einfach erklären zu können.

3. Ein intaktes familiäres Umfeld und ein Partner, der Verständnis hat und als Stütze agiert, sind wesentliche Erfolgsfaktoren.

4. Der Mut und der Wille, Entscheidungen zu treffen, sind oft gerade bei jungen Kollegen zu wenig ausgeprägt. Ich entscheide gern (weil ich mich dafür qualifiziert fühle und nicht möchte, dass unqualifizierte Festlegungen getroffen werden).

5. Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen.

6. Zufall und Glück. Für mich ist es Zufall, dass ich überhaupt hier lebe. Mit Glück meine ich ein qualifiziertes Glück. Z. B. jenes, als ersten Chef einen zu haben, der ein echtes Vorbild ist oder das Glück, am Anfang der Karriere Tätigkeiten auszuüben, die dann wieder bei späteren Schritten nützlich sind. Mit purer Verbissenheit Karriere machen zu wollen, ist eher lächerlich.

 

Mein Kommentar:

Schöner und erfolgreicher kann eine Karriere mit Migrationshintergrund kaum laufen; ich freue mich besonders über dieses Beispiel.

Als Erfolgsfaktor in diesem Fall muss zunächst einmal schlicht Mut gelten: Mit ein bisschen Deutsch aus der Schule geht der junge Dipl.-Ing. in dieses ferne Land und promoviert hier. Die Zeit reicht aus, um ihn der laxen Arbeitsmentalität der alten Heimat zu entfremden. Wie er sich dann als „Ausländer“ hier erfolgreich durchgebissen und hochgearbeitet hat, ist bewundernswert.

Zu seiner Erkenntnis Nr. 1: Tja, geehrter Einsender, gut erkannt, aber Ihre Aufzählung von Voraussetzungen ist unvollständig: Wille zur Macht und die Bereitschaft, den jeweils erforderlichen Preis zu zahlen, fehlen oft. Sie haben das, viele andere nicht.

Zu Nr. 2: Genau. Ich z. B. lasse mir in Vorstellungsgesprächen gern erläutern, worum es denn in der Diplomarbeit oder der Dissertation (deren Titel ich oft nicht einmal problemlos aussprechen kann) wohl gegangen sein mag. Da scheiden sich dann die Geister.

Zu Nr. 4: Entscheidungsschwach zu sein ist ein für Manager geradezu tödliches Kriterium. Ich glaube fest, dass mehr Fehler durch verweigerte oder doch versäumte als durch falsche Entscheidungen entstehen.

Nr. 5 nennt man heute „soziale Kompetenz“, aber das „Fingerspitzengefühl“ trifft es gut.

Fazit: Es geht also auch mit „ausländischer Prägung“. Nicht die oder ein anderer äußerer Faktor ist erfolgsentscheidend, sondern das persönliche Wollen + Können (die Reihenfolge ist Absicht). Es ist – wie immer – erstaunlich, was alles geht, wenn man es mit voller Entschlossenheit will.

Und dann schreibt der Einsender noch: „In den vielen Vorstellungsgesprächen, die ich als Arbeitgebervertreter führte, musste ich oft den Kopf schütteln und mir innerlich die Frage stellen: Aber warum um Gottes willen lesen Sie nicht die ‚Karriereberatung‘ in den VDI nachrichten?“

Tja, warum lesen sie das nicht? Ich stelle fest, dass ich auch nicht alles weiß.

 

Einsender I: Mein „Zweitjob“: der Kampf gegen MS

Alter: um 50; spätes Ingenieurstudium; Projektingenieur und Gruppenleiter in der Umsetzung globaler IT-Strategien bei einem internationalen Konzern; Hier die eigentliche Erfolgsgeschichte:

Vor fünf Jahren hieß es plötzlich: „Machen Sie sich bitte keine Sorgen …“, so endete das „Vorstellungsgespräch“ um einen Job, den ich nicht haben wollte. Er ist unbezahlt und kostet Zeit und Geld – der Kampf gegen die Krankheit. Nach vielen einzelnen, scheinbar nicht zusammenhängenden gesundheitlichen Ereignissen über Jahre hinweg wurde später Multiple Sklerose diagnostiziert.

Nach verschiedenen, teils äußerst belastenden Therapieansätzen bin ich heute recht stabil; ich gehe schwankend, schon kurze Distanzen sind ein Problem, mir helfen Stöcke, ein Rollator, immer öfter ein Rollstuhl; ein Dreirad mit Elektroantrieb muss frühere sportliche Hobbys ersetzen. Ich bin oft sehr müde, hinter meinem Schreibtisch im Büro steht eine Liege.

In der ersten Zeit war ich überfordert; überfordert zu fragen (was ist das, was ich da habe, komme ich aus dem Dilemma wieder heraus, was bedeutet das für meine Zukunft?), überfordert zu verstehen, überfordert zu antworten. Sollte ich Familie und Freunde einweihen, sollte ich öffentlich darüber reden? Was ist mit meinem Arbeitgeber, mit meinem Job? Die Welt um mich herum war nicht vorbereitet auf solch eine Nachricht.

Mein Krankheitsbild verändert sich ständig, MS ist unheilbar. Es ist viel Stärke und noch mehr Gelassenheit notwendig, um die im Kopf entstehenden Horrorszenarien im Zaum zu halten.

Den alten Träger meines Namens gibt es nicht mehr. Lang lebe der neue. Ich werde mich nicht verstecken, nicht in unendliche Traurigkeit verfallen, nicht den Kopf in den Sand stecken, nicht aufhören zu trainieren, nicht aufhören zu arbeiten und nicht aufhören, neugierig auf Neues zu sein. 

Mein Kommentar:

Eine wahrhaft berührende „Erfolgsgeschichte“ der besonderen Art. Sie zeigt u. a., wie klein die „erdrückenden“ Probleme vieler anderer Menschen sind.

Ich habe die ausführliche Darstellung dieses Einsenders, dem wir von Herzen wünschen, er möge seine Kraft behalten, stark kürzen müssen. Mit seinem Einverständnis vermittle ich auf Wunsch einen direkten Kontakt zu ihm.Nebenbei, das hat mich besonders berührt, findet der Einsender noch die Kraft, unsere „Karriereberatung“ positiv zu bewerten: „Das wirkliche (Arbeits-)Leben ist immer sehr nah an dem, was Sie sagen, mit guten Beispielen belegen und immer nachvollziehbar beschreiben. Wenn man nur die wesentlichsten Ratschläge befolgt, läuft im Arbeitsleben alles nahezu perfekt.“

(Hiermit endet die Sonderaktion „Erfolgsbeispiele“.)

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2731
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 3
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-01-15

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