Heiko Mell

Mit 52 ist äußerste Vorsicht geboten!

Antwort:

Vorbehalte gegen das inzwischen erreichte Alter beginnen mit 45, werden mit 48 massiv und mit 50 sehr massiv. Übrigens wird das Antidiskriminierungsgesetz – wie so oft – alles noch schlimmer machen (Die so wichtigen, das Detail regelnden Ausführungsbestimmungen werden wohl am Anfang fehlen und müssen erst in Gerichtsprozessen mühsam erarbeitet werden – was hohe Risiken für die ersten Beklagten bedeutet):
Fachleute raten bereits öffentlich, im Zweifelsfall Bewerber im kritischen höheren Alter gar nicht erst mit zum Vorstellungsgespräch einzuladen.

Die Begründung:
Wenn der eine ältere Kandidat der Runde später eine – selbstverständlich völlig neutrale – Absage erhält und entweder erfährt oder vermutet, dass ein jüngerer Mitbewerber eingestellt wurde, könnte er Altersdiskriminierung geltend machen und dem Arbeitgeber eine Menge Ärger bereiten. Das soll auch dann gelten, wenn er für den Vorwurf keine Beweise hat; ein begründeter Verdacht scheint für eine Klage zu reichen. Eine Absage ohne vorhergehende Einladung sei offenbar unkritischer, da sie in einer schwer zu ergründenden administrativen Grauzone angesiedelt sei.

Aber eigentlich ist das heute gar nicht mein zentrales Thema: Mir fällt auf, dass ich überproportional viele Angestellte aller Tätigkeitsbereiche und hierarchischen Ebenen sehe, die es mit 52 Jahren „erwischt“ hat – Arbeitslosigkeit ist eingetreten oder steht bevor. In diesem Alter sitzt man dann leicht zwischen den Stühlen: Zu alt für viele klassische Stellenbesetzungsprozesse, zu jung für den Altersruhestand o. ä.

Und, so scheint es mir, Menschen mit 52 sind tatsächlich öfter betroffen als solche mit 50 oder 54.

Also kann es keinesfalls schaden, Leser aus der kritischen Altersgruppe zu warnen und ihnen zu vorbeugenden Überlegungen zu raten – und dazu, äußerst selbstkritisch vorzugehen:

 

1. So mit 50 hat man gemeinhin den Höhepunkt der Berufslaufbahn erreicht, beherrscht sein Fachgebiet und kämpft nicht mehr um den weiteren beruflichen Fortschritt. Also besteht die Gefahr, dass man sich etwas entspannt zurücklehnt und in eigener Sache zu kämpfen aufhört. Das ist extrem gefährlich! Das Berufsleben ist immer auch Kampf. Den erreichten Job zu behalten, ist ebenso ein nur aktiv kämpferisch zu erreichendes Ziel wie das Anstreben einer Beförderung.

Denken Sie an gute Wildwest-Filme: Wenn der berühmte Revolverheld alt wird und in seiner Aufmerksamkeit nachlässt – kommt ein junger Nachwuchsmann und erschießt ihn. Ein ähnliches Verhalten kennt man von Rudelführern unter Wölfen und Hirschen.

 

2. Firmen scheinen sich um 45-jährige Mitarbeiter weniger zu „kümmern“ (in dieser Hinsicht) als um Anfangsfünfziger: „Wenn wir jetzt nichts tun, müssen wir diesen Mitarbeiter bis 65 durchschleppen – also tun wir lieber sofort etwas.“ Und bis der Betroffene dann auf dem Markt ist, hat er die 52 erreicht.

 

3. Es besteht die Gefahr, dass man im Alter langsamer wird, die Dinge ruhiger angeht, auch in der Sache des jeweiligen Tagesgeschäfts nicht mehr so engagiert um Lösungen ringt wie noch zehn Jahre zuvor. Wer die Welt erobern will, muss überwiegend junge „Truppen“ um sich scharen, lehrt die Erfahrung. Achtung: Es geht nicht darum, ob solche Ziele überhaupt sinnvoll sind. Es geht hingegen darum, auf dem von oben vorgegebenen Weg begeistert(!) mitzulaufen, am besten ganz vorn.

 

4. Wenn der 30-Jährige die erste Umstrukturierung seines Lebens mitmacht, kann er leicht begeistert auf das Neue zugehen. Der Mitarbeiter von 50 hat acht dieser Veränderungen hinter sich und winkt innerlich ab: „Warum überspringen wir die 9. nicht einfach und nehmen gleich die 10. Das bringt doch ohnehin alles nichts, die früheren Veränderungen waren ja auch nie von Dauer.“ Selbst wenn er damit Recht hätte – er lebt gefährlich, wenn seine Chefs das merken. Begeistert Neuerungen mitzumachen ist eine zentrale Anforderung an den idealen Mitarbeiter. Wenn Sie im kritischen Alter sind, prüfen Sie sich: Bin ich auch auf diesem Gebiet noch wettbewerbsfähig?

 

5. Selbstverständlich müssen Mitarbeiter um 50 bemüht sein, auch nicht den geringsten Verdacht aufkommen zu lassen, sie seien irgendwo fachlich nicht auf dem allerneuesten Stand. Im Gegenteil, sie freuen sich schon auf die nächste Generation von neuen Systemen (Computer, Handys, SAP etc.).

Bedenken Sie: Falls sich jetzt in den Augen Ihrer Chefs nur ein Rückstand von etwa 10 % gegenüber Jüngeren ergibt, mag das noch harmlos sein. Aber die Entscheidungsträger denken weiter: „Jetzt hängt er um 10 % in diesen Fragen zurück, wie wird das in fünf Jahren aussehen?“ Also führen Sie die Gruppe der begeisterten IT-Freaks eher an als denen nachzuhängen.

 

6. Je älter Sie werden, desto jünger werden oft Ihre Chefs. Das ist gefährlich – denn in deren Augen sind Sie schnell nicht nur älter, sondern alt.

 

7. Als ganz zentrales Argument: Der ältere Mitarbeiter hängt oft in (und erzählt gern von) der Vergangenheit. Seine unbestreitbaren Verdienste um die Firma machen ihn vermeintlich unangreifbar. Das gilt schon lange nicht mehr! Leistungen von gestern sind mit dem Gehalt von gestern abgegolten. Was zählt, ist nur der Nutzen, den die Firma vermutlich in der Zukunft von Ihnen haben wird!

 

8. Viele Vorbehalte gegen Ältere sind unberechtigt – alle sind es nicht! Man erlebt nur zu oft Mitarbeiter um 50, die schon ausgebrannt, „alt“, verbraucht wirken. Fatal ist es, wenn Angehörige dieser Gruppe nach ihrem Aussehen und ihrem Auftreten im Gespräch noch älter geschätzt werden, als sie es ohnehin schon sind.

Seien Sie also gewarnt und entsprechend vorsichtig, wenn Sie auf die 50 zugehen und sich eigentlich ganz sicher dort fühlen, wo Sie heute sind. Es ist davon auszugehen, dass Sie einer Risikogruppe angehören.

Kurzantwort:

Vorbehalte gegen das inzwischen erreichte Alter beginnen mit 45, werden mit 48 massiv und mit 50 sehr massiv. Übrigens wird das Antidiskriminierungsgesetz – wie so oft – alles noch schlimmer machen (Die so wichtigen, das Detail regelnden Ausführungsbestimmungen werden wohl am Anfang fehlen und müssen erst in Gerichtsprozessen mühsam erarbeitet werden – was hohe Risiken für die ersten Beklagten bedeutet): Fachleute raten bereits öffentlich, im Zweifelsfall Bewerber im kritischen höheren Alter gar nicht erst mit zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Die Begründung: Wenn der eine ältere Kandidat der Runde später eine – selbstverständlich völlig neutrale – Absage erhält und entweder erfährt oder vermutet, dass ein jüngerer Mitbewerber eingestellt wurde, könnte er Altersdiskriminierung geltend machen und dem Arbeitgeber eine Menge Ärger bereiten. Das soll auch dann gelten, wenn er für den Vorwurf keine Beweise hat; ein begründeter Verdacht scheint für eine Klage zu reichen. Eine Absage ohne vorhergehende Einladung sei offenbar unkritischer, da sie in einer schwer zu ergründenden administrativen Grauzone angesiedelt sei.

Frage-Nr.: 273
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 14
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-04-07

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