Heiko Mell

Sonderaktion „Erfolgsbeispiele“ (I)

Frage/1: (Ich muss meine Ausführungen unter einer gängigen Überschrift als „Frage“ einstufen und mit einer Nummer versehen, sonst macht die digitalisierte Darstellung Schwierigkeiten; H. Mell).
Wir fragten nach Werdegängen, die von den entsprechenden Lesern selbst als Erfolgsbeispiele eingestuft werden und die wir hier veröffentlichen wollten. Und wir wurden angenehm überrascht. Hier präsentieren wir die ersten Fälle aus dieser Sonderaktion. Wir danken allen Teilnehmern herzlich, tragen sie doch auch hier wieder zum Gelingen der Serie bei. Natürlich mussten wir eine Auswahl treffen. Basis dafür waren die zu beachtende Dramaturgie der Serie und das zu vermutende Leserinteresse.

Viele Einsender kamen auf die Idee, ein paar Regeln oder Grundsätze zu formulieren, die aus ihrer Sicht erfolgsentscheidend waren. Ich gebe sie gern weiter.

Wie versprochen, habe ich alle Details vorher mit den Einsendern abgestimmt. 

Antwort:

Einsender A: Der grundsolide Weg

Alter: Mitte/Ende 50, Herkunft aus kleinstädtischer Arbeiterfamilie; Ausbildung/Studium: Realschule, Maschinenschlosserlehre bei Top-Unternehmen, dabei wurde das Interesse an „mehr“ im Bereich technischer Qualifikation geweckt; Fachoberschule, Grundwehrdienst; Maschinenbaustudium mit Abschluss als Dipl.-Ing. (FH) Schwerpunkt Fertigungstechnik mit 27 Jahren; Eintritt in ein traditionsreiches Großunternehmen im großstädtischen Raum (Umzug über 250 km, Freundin und spätere Ehefrau zog mit); ununterbrochene Tätigkeit dort bis heute mit den Stationen

  • Trainee-Programm im Fertigungsbereich,
  • Fertigungsingenieur/Projektleiter,
  • Abteilungsleiter Auftragsabwicklung,
  • Fertigungsleiter (70 MA) eines Bereichs (mit 33 Jahren),
  • Hauptabteilungsleiter (um 100 MA) eines Fertigungsbereichs mit erweitertem Aufgabenbereich.

(Die heutige Position entspricht den Wunschvorstellungen des Einsenders und wird von ihm auch altersbezogen als denkbarer Karriere-Endpunkt betrachtet; H. Mell)

Spezielle Erkenntnisse des Einsenders:

  • Die Bereitschaft zum Umzug aus beruflichen Gründen und ein passender Partner sind wichtige Faktoren.
  • Als Sachbearbeiter mit Aufstiegsambitionen immer etwas besser zu sein als die Kollegen und den Vorgesetzten zufriedenzustellen, führt in der Regel zum Erfolg.
  • In großen Firmen bieten sich oft Aufstiegsmöglichkeiten. Zugreifen, wenn man Ambitionen hat; man wird kaum noch einmal gefragt, falls man „Nein“ sagt.
  • Nicht nur das Erreichen der Position erfordert persönlichen Einsatz, sondern anschließend auch das sichere Verbleiben auf dieser. Man muss einschätzen können, wo die persönlichen Grenzen liegen. Deren Überschreitung bringt Überforderung, Misserfolge und Frustration.
  • Entscheidend für den beruflichen Aufstieg sind ein solides Fachwissen und das Beachten der wichtigsten „Spielregeln“. Die hat Herr Mell seit vielen Jahren sehr zutreffend geschildert, ich kann seine Ausführungen nur bestätigen.
  • Nicht die soziale Kompetenz unterschätzen. Motivierte, gut ausgebildete und informierte Mitarbeiter entlasten die Führungskraft. Nur starke Vorgesetzte können starke Mitarbeiter verkraften.
  • Motivation bringt viel! Die Mitarbeiter (auch die Hilfsarbeiter) mit Handschlag begrüßen und ein paar persönliche Worte wechseln, das bringt gegenseitige Wertschätzung.
  • Geben Sie klare Anweisungen, die Mitarbeiter erwarten das.
  • Es ist mir wichtig, den Studenten, die ich als Praktikanten bei mir habe, die wichtigsten Zusammenhänge bezüglich des späteren Berufs und der Karriere zu erläutern. Ich verweise regelmäßig auf die Artikel von Herrn Mell in den VDI nachrichten.

Antwort/1:

Eine sehr solide, für die Berufsgruppe typische und erfolgreiche Karriere mit klassischem Aufbau. Vorbildlich ist der durchgängige „rote Faden“ vom Studienschwerpunkt bis heute.Das Erreichte ist stets auch herkunftsbezogen zu betrachten; der Einsender hat sehr viel geschafft! Ingenieure wie er sind eine tragende Säule vieler Unternehmen; wo sie die Verantwortung tragen, sind die Dinge in guten Händen.

Eigentlich hatte der junge Schlosserlehrling eine solche Laufbahn gar nicht vorgesehen – erst während der Lehrzeit wuchs das Interesse an komplexen technischen Zusammenhängen. Prägend ist die Gestaltung der gesamten Berufslaufbahn bei einem (allerdings großen, namhaften) Unternehmen. Hier hat die daraus resultierende extrem lange Dienstzeit nicht geschadet, sie ist im Gegenteil ein Erfolgsbaustein. Wenn dieses Unternehmen jedoch, wie heute so oft zu sehen ist, in die Insolvenz gegangen oder vom größeren Wettbewerber aufgesaugt worden wäre, hätte genau das ein Risiko auf dem Arbeitsmarkt sein können.

 

Frage/2:

Einsender B: Karriereziel mit 29 erreicht

Alter: Anfang 50; Vater war Entwicklungsleiter; Ausbildung/Studium: Abitur und Uni (Maschinenbau/Steuerungstechnik); Einserkandidat („mit Auszeichnung“); Wehr-Ersatzdienst beim THW; mit noch 24 Jahren Eintritt in einen deutschen Top-Konzern, Verbleib dort bis heute;

  • Sachbearbeiter in der Technischen Datenverarbeitung eines Geschäftsbereichs; als „Mann der ersten Stunde“ zuständig für die CAD-Einführung;
  • mit knapp 29 Jahren Abteilungsleiter Technische DV des GB, 15 MA;
  • mit 33 Wechsel in die Entwicklung; Abteilungsleiter mit mehr als 30 MA in mehreren Gruppen;
  • mit 35 Konstruktionsleiter; Abteilungsleiter mit mehr als 50 MA, zuständig für die Belange nationaler und internationaler Großkunden;
  • mit 37 Wechsel zu einem Joint Venture des Konzerns; Konstruktionsleiter im vertrauten Fachgebiet mit mehr als 50 MA;
  • mit 39 Leiter des Entwicklungscenters am Standort; Bereichsleiter Entwicklung und Konstruktion mit Zuständigkeit für mehrere Standorte, mehr als 200 MA;
  • mit 45 Entwicklungsdirektor/Bereichsleiter mit mehr als 400 MA an Standorten im In- und Ausland; zuständig für das operative Geschäft der Produktentwicklung.

Spezielle Erkenntnisse des Einsenders:

  • Ab dem 14. Lebensjahr hatte ich immer wieder Gelegenheit, in einem mittelständischen Betrieb in der Produktion und im Werkzeugbau zu arbeiten – ein unschätzbarer Nutzen.
  • Gott sei Dank war bei meinem sympathischen Professor nach dem Studienende gerade keine Assistentenstelle frei, sonst hätte ich promoviert und wäre 1992/93, mitten in der „größten Krise der Nachkriegszeit“ Berufseinsteiger gewesen.
  • Mit 29 Jahren hatte ich als einer der jüngsten Abteilungsleiter des konservativen Unternehmens die im Vorstellungsgespräch genannte Zielposition erreicht. Mitursächlich war auch die Tatsache, dass die Position durch Wechsel des Chefs plötzlich freigeworden war.
  • Der wohl wichtigste und einschneidendste Meilenstein meiner Karriere war der Wechsel von der IT in die Entwicklung. Auch hier halfen von mir nicht beeinflussbare äußere Umstände mit.
  • Stets war und ist das Verhältnis zum jeweiligen Chef ungetrübt und vertrauensvoll.
  • Ich hatte es nie nötig, mit den Hufen zu scharren oder mich in den Vordergrund zu spielen und dennoch ging es stets bergauf mit der Karriere und dem Gehalt.
  • Wenn noch eine weitere Entwicklung an mich herangetragen wird, stehe ich zur Verfügung. Aber in jedem Fall unterstütze ich meinen heutigen Chef ohne Wenn und Aber.
  • In all diesen Jahren fand ich in der „Karriereberatung“ die Bestätigung und Hinweise, wie das System funktioniert und wie man sich darin bewegt. Dabei habe ich nicht alle Ratschläge befolgt, bin z. B. nicht nach zehn bis zwölf Jahren in eine andere Firma gewechselt.

 

Antwort/2:

Der klassische, traditionelle und vor allem erfolgreiche Konzernwerdegang eines Menschen, der dorthin passt, der von Anfang an „seinen“ Arbeitgeber gefunden hatte. Und der hier eindrucksvoll demonstriert, dass Einser-Kandidaten keinesfalls immer Probleme machen oder bekommen.

Der Einsender benutzt die Begriffe nicht, weiß aber erkennbar darum: Zum Erfolg gehören auch Glück und Zufall. Aber es ist meist auch das Glück des Tüchtigen – und der Zufall hilft oft nur dem, der ihm eine Chance gibt und beherzt zugreift. Natürlich kann man auch heute noch „ewig“ bei einem Konzern bleiben – wenn der überlebt, er nicht genau diesen Geschäftsbereich schließt oder wenn nicht sonst ein Umstand den Mitarbeiter zwingt, nach einundzwanzig Dienstjahren plötzlich und ungeübt auf den Arbeitsmarkt gehen zu müssen. Hier lief alles prächtig, mehr kann man kaum verlangen … <strong>

 

Frage/3:

Einsender C: Vom Durchschnitts-Schüler zum Mittelstands-GF

Alter: Mitte 40; „mittelprächtiger“ Realschulabschluss;Ausbildung/Studium: gewerbliche Lehre, FH (Dipl.-Ing. Maschinenbau/Fertigungstechnik, „gut“);

  • Projektingenieur, Projektleiter Produktentwicklung, Sales System Manager in mittelständisch geprägter Unternehmensgruppe der Kunststoffverarbeitung; (5 Jahre);
  • Assistent der technischen GL und Leiter Wissensmanagement bei einem größeren mittelständischen Kfz-Zulieferer mit Schwerpunkt Umformtechnik; (2 Jahre);
  • Abteilungsleiter Entwicklung/Director Development Department (Produktentwicklung, Konstruktion, Prototypen- und Werkzeugbau) bei einem Unternehmen für innovative Kunststoff-Entwicklung, ca. 100 – 250 MA, Teil der privaten Firmengruppe XY; (5 Jahre);
  • Technischer Leiter eines Unternehmens innerhalb einer größeren mittelständischen Gruppe; Dichtungssysteme aus unterschiedlichen Materialien; (7 Jahre);
  • Geschäftsführer für Entwicklung, Produktion, Sales mit Ergebnisverantwortung bei einem Schwesterunternehmen des früheren Arbeitgebers XY; Entwicklung innovativer Systeme u. a. aus Kunststoff, ca. 100 – 250 MA);

Spezielle Erkenntnisse des Einsenders:

  • Der erste Tag meiner Lehre war grauenhaft. Und an seinem Ende war mir klar, dass ich „mehr“ wollte. Am Schluss der Ausbildung war ich, begeistert für die Aufgaben durch unseren Meister, Jahrgangsbester.
  • Ich bin (leider) sicher, dass ich nicht zu den Intelligentesten gehöre, dass meine Talente eher breit verteilt sind; aber bei einer Eigenschaft liege ich vorne: Ich verbinde mich mit einer Aufgabe, gehe ganz darin auf (also zumindest während der Arbeitszeit, die ich aber auch nicht mit 40 h definiere).
  • Mein Glück ist, dass ich oft Ideen habe und diese dann auch umsetzen kann. Einige sind sogar patentiert worden.
  • Die „Karriereberatung“ lese ich seit meinem Studium, fand Ihre Ausführungen immer spannend und kann bestätigen, dass Ihre Beschreibungen den beruflichen Alltag richtig wiedergeben. Bei Abweichungen vom Mell’schen Ideal kannte ich die Risiken und habe sie einkalkuliert.
  • Zuletzt bin ich zurückgegangen zum früheren Arbeitgeber, aber in einer anderen, höheren Position in einer anderen Firma desselben Inhabers. Er hatte stets Kontakt mit mir gehalten und hat gemeinsam mit mir Position und Aufgabe definiert. Das Risiko schätze ich klein ein, auf der anderen Seite sehe ich die große Chance, ein Unternehmen zu gestalten und meine Ideen noch besser umzusetzen.

Antwort/3:

Eine typische, erfolgreiche Mittelstandskarriere, wegen der überschaubaren Unternehmensgrößen zwangsläufig mit Arbeitgeberwechseln verbunden. Besonders interessant ist Punkt 2 der Erkenntnisse des Einsenders: Er sieht bei sich eine zentrale Stärke, setzt sie gezielt ein und baut darauf seine Erfolge auf.

Noch ein Wort zur Rückkehr zum alten Arbeitgeber: Es gibt absolut Beispiele dafür, dass auch das zum Erfolg führen kann, aber es bleiben zwei Risiken: Man hatte das Band zu diesem Arbeitgeber schon einmal zerschnitten; bei den geringsten Klimatrübungen fragt man sich, ob die Rückkehr nicht doch ein Fehler war. Und man kann eigentlich in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht gut dort weggehen, weil Bewerbungsempfänger sagen werden, man kannte doch „den Laden“ mit allen Details; aber als GF sollte man ohnehin nicht so bald wieder wechseln.

Mit allem Respekt gesagt: Sie sind dort, um die Vorstellungen des Inhabers zu realisieren, um seinen Erwartungen zu entsprechen – Ihre eigenen Ideen umzusetzen ist nicht Selbstzweck, sondern nur im Rahmen der generellen Zielsetzung des Eigentümers erwünscht. Es gab schon gescheiterte Geschäftsführer, die das vergessen hatten. Aber Sie werden auch das im Auge behalten.

(Wird fortgesetzt.)

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2728
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 49
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2014-12-04

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