Heiko Mell

Danke für 30 Jahre Karriereberatung

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Ich bin elf Jahre jünger als Sie und gehöre zu jenen Ihrer Leser, die seit 1984 Ihre Beratung nicht nur lesen, sondern auch in die eigene Karriere integriert haben. Ich blicke zurück auf eine Karriere als Ingenieur hauptsächlich in der Werkzeugmaschinenkonstruktion (von 1980 bis 2000 Aufstieg vom Konstrukteur zum Konstruktionsleiter in vier Etappen nach Vorschlägen von Heiko Mell).

Heute feiere ich vierzehn Jahre erfolgreicher Selbstständigkeit als Betreiber eines Ingenieurbüros. Schwerpunkt meiner Aufgaben sind die Beratung in 3D CAD-Techniken und Berechnungen mit FEM. Als Selbstständiger bin ich so gut wie meine Kunden mich einschätzen.

Vielen, vielen Dank für Ihre Vorschläge.Als charakteristische Aussagen von Ihnen stufe ich spontan folgende ein:

– Einmal Ausland, immer Ausland (dazu muss ich etwas sagen, siehe unten; H. Mell)

– Gott verzeiht, Django nie

– Ein guter Ingenieur ist jemand, den sein Vorgesetzter dafür hält- Einmal selbstständig, immer selbstständig

– Mit 45 Jahren sollte ein Angestellter möglichst seine Ziel-Karrierestufe erreicht haben. Leider sind abhängig beschäftigte Ingenieure in der heutigen Landschaft der globalen Konzerne mit folgenden Themen konfrontiert:

– Quartalsdenken in Produkt- und Personalpolitik

– Hire-and-fire-Mentalität (in den 80er-Jahren hatte ich deswegen die Amerikaner belächelt)

– Firmeninternes Wissen fließt nicht von den Alten zu den Jungen, weil die Alten einfach überflüssig werden (made in Germany ist heute nur noch ein Märchen). Sie hatten in jungen Jahren versucht, die deutsche Industrie durch Beratung glücklich zu machen – leider wünschte sie nicht, von Ihnen glücklich(er) gemacht zu werden (wie Sie in Ihrem Jubiläumsbeitrag schreiben). Können Sie sich in Ihren alten Jahren zutrauen, eine neue Beratungskolumne für die deutsche Industrie zu schreiben, damit die junge Generation der Unternehmerpersönlichkeiten davon profitiert?

Antwort:

Danke für Lob und Anerkennung sowie für das anschauliche Beispiel Ihres eigenen Werdeganges.

Im Grunde habe ich 1984 mit dieser Serie begonnen, um irgendwann solche einprägsamen Briefe zu bekommen.

Zum Ausland: In der globalisierten Welt ist Auslandspraxis, auch schon solche aus Studiensemestern oder Praktika, aber eben ganz besonders aus direkter Praxis nach dem Studium, ungeheuer wichtig (baut interkulturelle Kompetenz auf, fördert Sprachkenntnisse, fördert die Integrationsfähigkeit in völlig neue Umgebungen). Viele Karrieren funktionieren nicht mehr ohne diese Erfahrung, sie ist wie Salz in der Suppe. Wobei zu viel Salz gefährlich ist. Bei Auslandserfahrung gilt: Sie ist wertvoll, aber mehr als fünf Jahre „am Stück“ erschweren eine Reintegration in den deutschen Markt erheblich, dann gilt so langsam Ihr Zitat.

Und ein wichtiges Argument gegen Ihren Vorschlag mit der neuen Serie: „Schuster, bleib bei deinem Leisten.“ Ein anderes: Wenn es wieder 30 Jahre dauert, bis solche Briefe kommen, habe ich nichts mehr davon. Aber diese Rubrik in diesem Medium wäre auch nicht optimal dafür (Leserstruktur).

Sie glauben ja gar nicht, wie viele Menschen aus der heutigen Zielgruppe schon diese Serie nicht lesen. Übrigens nur selten aus tiefer Abneigung gegenüber dem Inhalt oder meinem Stil. Nein, sie haben schlicht nie davon gehört. Sagen sie.

Natürlich bin ich als Autor Partei, träum(t)e von ewigem Ruhm oder wenigstens allgemeiner Leserbegeisterung. Und ich wusste vorher, dass man in einer freien Gesellschaft nie 100% einer größeren Zielgruppe begeistern kann. Aber dass die Serie sich unter Studenten und jungen Ingenieuren herumspricht, die ihre Fehler erst noch vor sich haben, hätte ich doch erwartet.

Noch einmal ganz deutlich: Niemand muss meine Arbeit hier toll finden oder mögen – aber nie von einer solchen Serie gehört zu haben, die seit 30 Jahren jene Welt vorstellt und erläutert, in der man leben muss und will, das kann ich kaum nachvollziehen. Worüber kommunizieren die Leute eigentlich mit ihren heißlaufenden Handys und Smartphones?

Ich wäre übrigens auch einverstanden, sagte jemand: „Ich finde die Serie übrigens blöd, aber mal reingeschaut haben solltest du schon.“

Nein, ich glaube nicht, dass ich das alles noch einmal bei einer anderen Zielgruppe ausprobieren sollte. Dennoch: danke.

Frage-Nr.: 2723
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 46
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2014-11-13

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