Heiko Mell

Die Rechtschreibprüfung nützt nur dem Könner

Antwort:

Die meisten E-Mails, die man so bekommt, sind in einem grauenhaften Zustand. Wenn Ihnen das nicht aufgefallen sein sollte, steht es nicht gut um Ihre Deutschkenntnisse. Und lassen Sie sich bloß nicht einreden, es käme bei dieser Form der Kommunikation nicht darauf an, eine anständige Arbeit abzuliefern. Wo Ihr Name draufsteht, wird einwandfreie Qualität geboten – anders geht es auf Dauer nicht.

„Ich jage jedes Schriftstück durch die Rechtschreibprüfung meines Schreibprogramms“, heißt es oft. Doch das nützt fast gar nichts, eher im Gegenteil. Zwei Beispiele dazu:

 

1. Entweder, Sie wissen, dass Maschine nicht Maschiene geschrieben wird. Dann ist es gut. Wissen Sie es nicht, hilft Ihnen mitunter die Rechtschreibprüfung. Aber wenn Sie das Wort eines Tages bei einer großen Präsentation auf die Tafel oder ein Stück Papier schreiben müssen, ist wieder Ihr persönliches Wissen gefordert. Und falls Sie sich dann für „Maschiene“ entscheiden, sitzt dort vielleicht ein Vorstand oder Geschäftsführer. Und der ist eventuell gebildet, „zuckt“, wenn er das sieht und ist unangenehm berührt. Ich kenne Top-Manager, die würden jemand, der zwei oder drei solcher Fehler pro Auftritt macht, nicht mehr befördern.

Übrigens liegt der Anspruch nicht darin, etwa „alles“ zu wissen. Das ist unmöglich! Der Könner weiß lediglich, wo er unsicher ist – und wo er also nachschlagen muss (was keine Schande ist!). Und da er dies nicht in jeder Situation kann (Tafel, Flipchart), ist er so klug, dann dort etwa „Papiermasch.“ abzukürzen. Oder sicherheitshalber ein anderes Wort zu wählen.

 

2. Nehmen wir einmal an, jemand würde ohne Rechtschreibprüfung 40 Fehler pro Seite machen und die Software würde das um 50 % auf 20 reduzieren: Das nützt überhaupt nichts! 20 Fehler pro Seite sind diskussionslos zu viele, das sich ergebende Bild provoziert das Urteil „ungebildet“. Alle Fehler wird solch ein Programm nie finden können. Weil es „mittelständig“ ebenso als richtig einstuft wie „mittelständisch“, weil es nicht weiß, dass „Ihr“ in dieser Form bei „Wir wünschen Ihr alles Gute“ total falsch ist, aber bei „ich werbe um Ihr Vertrauen“ sowohl richtig als auch falsch sein kann.

Wenn Sie jedoch Ihre Muttersprache so weit beherrschen, dass Sie vielleicht noch einen Fehler pro Seite machen, dann hilft Ihnen ein solches Programm, so manche Seite ganz ohne falsch geschriebenes Wort abzuliefern.

Es ist, liebe Leser, nicht wichtig, ob meine Annahme zur Reduzierung der Fehlerquote durch ein solches Programm stimmt. Es geht um das Resultat: Alle haben eine Rechtschreibprüfung in ihren PC-Programmen, aber viele Briefe sehen irgendwo zwischen sonderbar und saumäßig aus. Seien Sie also gewarnt: Was viele brauchen, ist keine bessere Prüf-Software, sondern mehr Sorgfalt, mehr investierte Mühe, mehr Bereitschaft zum Nachschlagen und mehr Wissen um die eigene Unzulänglichkeit (von der selbstverständlich auch Serienautoren nicht frei sind).

Kurzantwort:

Die meisten E-Mails, die man so bekommt, sind in einem grauenhaften Zustand. Wenn Ihnen das nicht aufgefallen sein sollte, steht es nicht gut um Ihre Deutschkenntnisse. Und lassen Sie sich bloß nicht einreden, es käme bei dieser Form der Kommunikation nicht darauf an, eine anständige Arbeit abzuliefern. Wo Ihr Name draufsteht, wird einwandfreie Qualität geboten – anders geht es auf Dauer nicht.

Frage-Nr.: 272
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 12
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-03-24

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