Heiko Mell

„Frau als Chefin“

Bitte verzeihen Sie mir (w) jetzt schon meine aufgeregte Reaktion auf die Frage 2.601. Zunächst einmal finde ich es wichtig und richtig, dass Sie diese Zusendung zur Beantwortung ausgewählt hatten, da daraus mehr als deutlich hervorgeht, welch „pauschale“ Befürchtungen durch die Arbeitswelt geistern.

Und ich finde, wie immer, im Grunde Ihre Beantwortung auch sehr gelungen. Aber ich hätte mir doch sehr gewünscht, dass Sie den Einsender etwas mehr zum logischen Denken auffordern oder an seine Vernunft appellieren. Denn in der Einsendung stand „Gibt es Probleme, mit denen ich PAUSCHAL rechnen muss?“ Aus meiner, freilich persönlich gefärbten Sicht wäre eine etwas vehementere Beantwortung durchaus angebracht, die zum Beispiel in die Richtung eines Denkanstoßes geht, vielleicht als Rückfrage formuliert: „Welche PAUSCHALEN Probleme sollten denn mit einer Frau als Chefin auftauchen?“ Ihnen kann doch unmöglich die Absurdität der Frage entgangen sein. Um mal hämisch zu werden: Rechnet der Einsender etwa damit, dass die Chefin alle vier Wochen übel gelaunt sein könnte?

Für mich war die Einsendung jedenfalls insofern interessant, als ich mir jetzt erst wirklich bewusst bin, mit welchen Barrieren man in den Köpfen der Mitarbeiter rechnen muss.

Antwort:

Sie schreiben „pauschal“ mehrmals sehr pointiert, das war wohl der Kristallisationspunkt Ihres Anstoßes. Na gut, welche Frau ist schon gern irgendwo irgendwie pauschal? Als wie ein typischer Mann denkender solcher zucke ich die Schulter, gestehe ein, dass die Wortwahl nicht die eleganteste war und dass der Fragesteller auch hätte formulieren können: „…. Probleme, mit denen ich generell rechnen muss“ – im Gegensatz zu den individuellen, die jeder Mensch machen kann (weil er böse ist oder gut, autoritär oder kooperativ, stark oder schwach, souverän oder mimosenhaft empfindlich).

Frauen sind generell schon anders als Männer – wer verheiratet ist oder in einer sonstigen Beziehung lebt, weiß das. Ich werde hier keine Beispiele bilden, aber „anders“ (was ja auch „besser“ heißen könnte) ist als Wort wohl erlaubt. Es gibt z. B: in Ihrer Zuschrift schon zwei Aussagen resp. Formulierungen, die würde ein Mann in diesem Zusammenhang nicht in einen zur Veröffentlichung bestimmten Beitrag setzen (eine nicht wertende Feststellung).

Wer als Mitarbeiter plötzlich einen Chef aus einer ihm bisher dort noch nie begegneten Gruppe bekommt, der darf nach meinem Selbstverständnis schon fragen, ob diese Menschen generelle Besonderheiten haben, wenn sie als Vorgesetzte eingesetzt werden. Das könnte sich auf eine bestimmten Nationalität, Rasse, Altersgruppe oder eben auch ein bestimmtes Geschlecht beziehen. Die Frage muss erlaubt sein – die Hauptsache ist, die Antwort ist akzeptabel.

Frage-Nr.: 2627
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 21
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2013-05-22

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