Heiko Mell

Die Globalisierung, der Minirock und der Trend

Antwort:

Schön, wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Sie können es überall nachlesen und nachempfinden: Produktentwicklung in Indien, Produktion in Rumänien, Call-Center für die Kundenreklamation in Bangladesch, Hauptverwaltung (noch) in Deutschland. Und natürlich globale Marktdurchdringungen und weltweite Fusionen. Alles in Ordnung, es wird schon seinen Sinn haben. Ich will das überhaupt nicht in Frage stellen.

Nur: Nach jeder strategischen Neuausrichtung kommt unausweichlich deren Ablösung durch ein noch neueres Konzept. Alles muss sich laufend verändern, nichts kann über mehrere Jahre bleiben wie es ist. Es dauert eine Weile, bis man das als Naturgesetz erst akzeptiert und dann verinnerlicht. Wir haben erst auf Fertigungstiefe gesetzt und dann auf Outsourcing der Teileproduktion, haben erst diversifiziert und uns dann auf Kernkompetenzen besonnen, haben erst Betriebstreue honoriert und dann Geld bezahlt, dass die Leute bloß wieder gingen, je eher desto besser. Das muss so sein, es ist Ausfluss oder sogar Teil des allgemeinen Zyklus des Lebens. Nach einer Weile vergisst man zwar das Jubeln anlässlich der nächsten problemlösenden Neuausrichtung, aber man akzeptiert sie immerhin.

Nun gehöre ich durch die Gnade der frühen Geburt zu einem Jahrgang, der im richtigen Alter war, als beispielsweise der Minirock kam. Eine Revolution des Vorzeigens, von der man sich nur ein unvollkommenes Bild macht, wenn man nicht dabei gewesen ist. Gemäß obigem Naturgesetz blieb auch der Minirock nicht, wo er zunächst war. Er veränderte sich – zunächst weiter nach „kurz“ (die andere Richtung hätte am Prinzip nichts geändert). Dann stieß er an eine unüberwindliche, hier anatomisch bedingte Grenze – musste sich aber weiter verändern. Kürzer ging nicht, also dann wieder länger. Und so weiter und so weiter.Zurück zur Globalisierung. Wir sind dabei, ein bisschen mehr geht durchaus noch. Aber bald ist Schluss. Veränderung, Weiterentwicklung muss sein – aber der Planet ist begrenzt! Diversifizierung hätte man endlos weiterentwickeln können, Globalisierung nicht. Die Zahl der Länder auf dem Globus ist endlich, die größte denkbare Entfernung darauf ist bekannt – dieser „Minirock“ muss also irgendwann wieder „länger“ werden. Es gibt dann nur noch eine Richtung dafür.

Folgen Sie mir bis dahin? Ich fürchte fast, Sie werden es müssen. Jetzt könnten wir uns nur noch darüber unterhalten, was danach kommt, wie wohl die Gegenbewegung heißen wird, die eines Tages zwangsläufig einsetzt. Von mir dürfen Sie die Lösung nicht erwarten, ich bin kein Prophet. Aber ich darf und muss Sie gleichzeitig warnen und ermuntern.

Und das bedeutet: Wir müssten aufhören mit der Veränderung, wenn wir international so weit verzahnt sind wie wir es davor national waren. Da das aber nicht geht, muss mit einem Umdenken in die Gegenrichtung gerechnet werden. National konnten wir seinerzeit immer arbeitsteiliger zwischen den Regionen werden, weil der nächste Sprung, der in die Internationalisierung, in die Nachbarländer, nach Europa, nach Asien etc. möglich war. Dieser Weg nach vorn ist bald verschlossen, rechnen Sie also mit allem. Die beste Vorbereitung darauf: Seien Sie flexibel genug, rechtzeitig aufzuspringen, wenn der nächste Trend sich andeutet. Immerhin wissen wir, wohin er nicht gehen kann.

Kurzantwort:

Schön, wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Sie können es überall nachlesen und nachempfinden: Produktentwicklung in Indien, Produktion in Rumänien, Call-Center für die Kundenreklamation in Bangladesch, Hauptverwaltung (noch) in Deutschland. Und natürlich globale Marktdurchdringungen und weltweite Fusionen. Alles in Ordnung, es wird schon seinen Sinn haben. Ich will das überhaupt nicht in Frage stellen.

Frage-Nr.: 260
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 45
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-11-10

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