Heiko Mell

Job contra Firma

Antwort:

Wer sich bewirbt, konzentriert sich dabei in jedem einzelnen Fall gleichermaßen auf ein bestimmtes Unternehmen und auf eine bestimmte Position. So spiegelt eine Bewerbung beispielsweise den Wunsch wider, Entwicklungsingenieur bei der Müller & Sohn GmbH zu werden. Der gewollte Job und die Zielfirma stehen somit scheinbar gleichberechtigt ganz oben auf der Wunschliste des Bewerbers. Das wäre keine gute Lösung, weil man stets Prioritäten setzen soll und damit die wirkliche Nr. 1 nur einmal vergeben kann.

Wer frei und ohne die Zwänge eines Vorstellungsgesprächs mit Bewerbern spricht, stellt fest, dass diese tatsächlich jeweils eines der Kriterien für wichtiger halten als das andere. Dabei kommen sie zu unterschiedlichen Resultaten: Manchen geht es um diesen Job, anderen vorrangig um dieses Unternehmen. Letztere spreche ich hier an.Ich halte es generell für bedenklich, die Zielfirma auf die Nr. 1 der eigenen Liste zu setzen. Als Gründe dafür sehe ich:

1. Wenn die Nr. 1 vergeben ist, wird alles andere nachrangig. Damit rutscht auch die aus­geübte Position mit ihrer Bezeichnung, ihren Aufgaben und Zuständigkeiten, ihrer organisatorischen Einordnung und ihren Perspektiven auf einen nachgeordneten Platz. Das ist im Sinne der Gestaltung eines optimalen Berufsweges gefährlich.

2. Unser gesamtes berufliches System ist nicht darauf ausgerichtet, dass man vorrangig bei einem ganz bestimmten Unternehmen arbeiten will. Absolute Priorität muss der eigene Berufsweg genießen: Ich brauche den Gruppenleiter- (oder sonstigen) Status jetzt! Und wenn das vermeintliche Traumunternehmen gerade jetzt keine solche Stelle zu besetzen oder sogar Einstellstopp hat, wäre es fatal, deshalb auf eine sinnvolle Karrieregestaltung zu verzichten. Man sollte zwar einen ganz bestimmten Unternehmenstyp (Branche, Rechtsform, Größe etc.) im Auge haben, aber möglichst eben nicht eine einzige Firma zum Ziel erklären.

3. Unternehmen danken Ihnen heute generell die bedingungslose Zuneigung nicht mehr. Ob Sie nun alles getan haben, um zur XY AG zu kommen oder unter allen Umständen (viel zu lange) dort geblieben sind: Wenn eines Tages eine Neuausrichtung der Kernkompetenzen, die Abstoßung ganzer Töchter oder Geschäftsbereiche oder die üblichen Personalreduzierungen anstehen, dann sind Sie dabei. „Rabatt“ dafür, dass dieses Haus Ihr Traumpartner war und Sie für eine Beschäftigung dort auf Beförderungen anderswo verzichtet haben, gibt es nicht.

Es spricht also viel dafür, die angestrebte Position auf Nr. 1 zu setzen und dabei einen bestimmten, zum eigenen Lebenslauf und zu den eigenen Zielen passenden Arbeitgebertyp im Auge zu haben. Aber grundsätzlich ist es nicht empfehlenswert, unbedingt in ein bestimmtes Unternehmen zu wollen – und diesem Ziel mit hoher Wahrscheinlichkeit berufliche Fortschritte zu opfern.

Kurzantwort:

Wer sich bewirbt, konzentriert sich dabei in jedem einzelnen Fall gleichermaßen auf ein bestimmtes Unternehmen und auf eine bestimmte Position. So spiegelt eine Bewerbung beispielsweise den Wunsch wider, Entwicklungsingenieur bei der Müller & Sohn GmbH zu werden. Der gewollte Job und die Zielfirma stehen somit scheinbar gleichberechtigt ganz oben auf der Wunschliste des Bewerbers. Das wäre keine gute Lösung, weil man stets Prioritäten setzen soll und damit die wirkliche Nr. 1 nur einmal vergeben kann.

Frage-Nr.: 256
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 41
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-10-14

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