Heiko Mell

Kohle als alternative Energie?

Seit Jahren lese ich Ihre Beiträge mit Genuss. Nicht nur, dass ich immer wieder interessante Hinweise für den beruflichen Alltag daraus ziehen konnte, sondern speziell auch Ihren angenehmen Umgang (den vielleicht nicht jeder der Angesprochenen so empfinden mag) mit der deutschen Sprache.

Allerdings haben Sie sich – meiner Meinung nach – in Ihrem letzten Beitrag zum Stichwort „Alternative“ doch etwas vertan. Nachdem ich meinem Sprachgefühl nur begrenzt vertraue, hat mich ein Blick in den Duden bestärkt darin, dass die Alternative tatsächlich allgemein die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten (oder Varianten; links, geradeaus, rechts) darstellt.

Ich hoffe, dass Sie Ihrer treuen Lesergemeinde noch lange erhalten bleiben werden!

Antwort:

Es geht um Frage/Antwort 2.515 – und ich wusste beim Schreiben, dass ich mich auf glattem Eis bewegte. Ich hatte schon damals im Duden nachgeschaut und die von Ihnen angedeutete Definition gefunden. Sie hat mich nicht befriedigt und tut es immer noch nicht. Leider habe ich nicht mehr als ein bisschen Sprachgefühl und ein wenig Logik zu bieten. Vielleicht „kitzeln“ wir ja einen der ganz sicher vorhandenen Leser mit umfassender sprachlicher Bildung so weit, dass er uns eine allseits befriedigende Definition liefert.

Ich bin auf folgender Erkenntnisstufe stehengeblieben:

a) Der Duden sagt zunächst: „Alternative, … (Entscheidung zwischen zwei [oder mehr] Möglichkeiten; …)“. Damit kann ich, so ungern ich dem Duden widerspreche, gar nichts anfangen: Ich sehe „Alternative“ keineswegs als „Entscheidung zwischen mehreren Möglichkeiten“ – wenn überhaupt, sind Alternativen Entscheidungs- oder Wahlmöglichkeiten, nicht aber Entscheidungen. Man „trifft“ ja auch keine Alternative und man „fällt“ ja auch keine Alternative – was man aber mit Entscheidungen sehr wohl tun würde.

Es gibt dann noch weitere Definitionen im Duden wie „Möglichkeiten des Wählens“ (was zumindest dem oft zu sehenden Sprachgebrauch entspricht: Ich habe drei Alternativen = ich habe drei Möglichkeiten des Wählens). Auch dem oft zu sehenden Sprachgebrauch entspricht die dritte angebotene Definition: „eine von zwei oder mehr Möglichkeiten“.

Aber, aus meiner Sicht unbefriedigend: Stets sind demnach Alternativen untereinander gleichberechtigte Möglichkeiten. Das wiederum entspricht nicht dem Sprachgebrauch z. B. bei „alternative Energie“ (das ist nicht Kohle, sondern es sind zusätzliche Möglichkeiten neben Kohle und Öl, also Sonderwege im Gegensatz zu Standardlösungen). Das gilt für Alternativbewegungen und Alternativkulturen ebenfalls und liegt, so meine ich, auf meiner Linie.b) Der große Brockhaus (Die Enzyklopädie in 24 Bänden) sagt:

1. Alternative sei „die freie Entscheidungsmöglichkeit zwischen zwei einander sich ausschließenden Handlungsmöglichkeiten“, was zumindest logisch ist und ebenfalls dem oft zu sehenden Sprachgebrauch entspricht (mir aber noch nicht hilft).Dann aber, unter

2. steht, sie sei „die zweite, sich unterscheidende Möglichkeit“. Endlich etwas, das meine Auffassung stützt – ein gutes Buch, scheint mir.Dann redet man dort von der Alternativen Liste oder der alternativen Medizin – immer als Varianten einer Hauptrichtung.

Wer weiß mehr und hilft uns? Ich glaube, zum Standard sollten wir Diskussionen dieser Art hier nicht machen – aber ein Mal nach so vielen Jahren sei es erlaubt (und nach b2. habe ich zumindest lt. Großem Brockhaus auch recht. Wenn da nur nicht b1. wäre …).

Frage-Nr.: 2545
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 10
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2012-03-08

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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