Heiko Mell

Achtung: Datenbank; Menschen denken anders!

Antwort:

Ich weiß natürlich, dass es zu den anspruchsvollsten und vor allem schwierigsten Aufgaben überhaupt gehört, die Mitarbeiter eines Unternehmens zu zählen – so genau weiß niemand, wie viele es sind. Mögen Sie Beispiele? Also dann: Nehmen Sie einen bestimmten Stichtag oder den Jahresdurchschnitt, zählen Sie Halbtagsstellen halb oder ganz, was ist mit Leuten im Mutterschutz, im Erziehungsurlaub, bei der Bundeswehr oder im Zivildienst, zählen Auszubildende mit oder nicht, was ist mit Sonderurlaub, Langfristkranken und Tochter- sowie Beteiligungsgesellschaften?

Nun, im Normalfall muss uns das nicht stören – sollen sich die Mitarbeiter des Personalwesens damit herumschlagen. Und ganz sicher gibt es diverse Richtlinien, was wie dazugezählt wird. Uns hier begegnet diese Angabe ohnehin nur in Bewerbungen. Da will der Empfänger gern wissen, in welcher Mitarbeiter-Größenordnung der Bewerber zu arbeiten gewohnt ist und wie nahe das ggf. den Verhältnissen bei ihm kommt.

Dafür reicht es, beim Arbeitgeber Müller & Sohn „ca. 300 Mitarbeiter“ anzugeben, wenn der beispielsweise 319 oder 287 Menschen beschäftigt. So weit, so gut.

Neuerdings begegnen mir jedoch gerade von Ingenieuren vermehrt Bewerbungen, die bei diesen sonst so präzise denkenden Akademikern aus dem Rahmen fallen: Es heißt dort etwa „51 – 100 Mitarbeiter“ im Lebenslauf oder auch „101 – 500“. Erst habe ich darüber den Kopf geschüttelt, dann habe ich mich geärgert und etwas später – es hat tatsächlich einige Zeit gedauert, weil ich zwei völlig verschiedene Informationen erst einmal nicht in einen Zusammenhang gebracht hatte – habe ich gelacht. Auch über mich, weil ich so lange auf der völlig falschen Fährte gewesen war.

Die Kernaussage zuerst: „101 – 500 Mitarbeiter“ in Bewerbungen ist Unsinn – aber ich bin mitschuldig. Die Historie dazu:Die VDI nachrichten stellen unter www.ingenieur.de eine Bewerberdatenbank ins Netz. Dort können Interessenten ihre Qualifikationsdaten mit dem Ziel eingeben, Informationen über zu ihnen passende offene Stellen zu bekommen. Das System funktioniert absolut, ich kann es unbedingt empfehlen (dies auch, weil wir an der Konzeption mitgearbeitet haben). Und wenn man sich dort erst einmal eingetragen hat, bekommt man „bei der Gelegenheit“ scheinbar ohne weiteren Aufwand einen Lebenslauf, den man sich für andere Zwecke ausdrucken könnte.

Wäre da nicht ein Problem: Datenbanken folgen ihren eigenen Gesetzen. Es muss stets möglich sein, auf einfache Art und Weise an die enthaltenen Daten heranzukommen. Also hat man dort beispielsweise die Mitarbeiterzahl der Arbeitgeber in Bandbreiten zusammengefasst, etwa „101 – 500“ oder „51 – 100“. Für jenen Zweck reicht das. Hinzu kommt: Der potenzielle Bewerber präsentiert sich zunächst völlig anonym, sein Name wird ebenso wenig genannt wie der seiner Arbeitgeber. Und nicht einmal die exakte Mitarbeiterzahl, die ja auch zu einer Identifizierung beitragen könnte, wird erkennbar – es wird dort nur mit Bandbreiten zur Groborientierung gearbeitet.

Ähnliches gilt auch bei anderen Kriterien. Den Erfordernissen der Datenbank entspricht das – aber ein lesender Mensch stellt andere Ansprüche. Daher, dies als Warnung, sollten Sie nicht ungeprüft ein spezielles System außerhalb seines Zielgebietes einsetzen. Denn ich weiß zwar, wo in einer klassischen Bewerbung dieser „Unsinn“ herkommt, ein anderer Empfänger aber bleibt beim Kopfschütteln über Sie. Das sollten Sie nicht riskieren.

Kurzantwort:

Ich weiß natürlich, dass es zu den anspruchsvollsten und vor allem schwierigsten Aufgaben überhaupt gehört, die Mitarbeiter eines Unternehmens zu zählen – so genau weiß niemand, wie viele es sind. Mögen Sie Beispiele? Also dann: Nehmen Sie einen bestimmten Stichtag oder den Jahresdurchschnitt, zählen Sie Halbtagsstellen halb oder ganz, was ist mit Leuten im Mutterschutz, im Erziehungsurlaub, bei der Bundeswehr oder im Zivildienst, zählen Auszubildende mit oder nicht, was ist mit Sonderurlaub, Langfristkranken und Tochter- sowie Beteiligungsgesellschaften?

Frage-Nr.: 254
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 40
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-09-29

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