Heiko Mell

Ich über mich, du über dich, er über sich …

Antwort:

Stellen Sie sich vor, es gibt in Ihrem Unternehmen eine Personalbeurteilung. Da steht dann drin, wie gut welche Eigenschaften und Fähigkeiten bei jedem Mitarbeiter ausgeprägt sind, welche Leistungen er erbringt usw. Das ausgefüllte Formular wird in die Personalakte einheftet und hat Auswirkungen auf die Karriere, das Gehalt und später die Zeugnisformulierung jedes Angestellten.

So weit, so gut. Nun kommt ein großer Neuerer auf die Idee, jeweils nur noch den Betroffenen selbst mit der Erstellung seiner Beurteilung zu beauftragen. Kurz: Jeder sagt frei heraus, für wie gut er sich hält. Schön, Fachleute würden über die Idee nicht einmal gequält lächeln – aber man muss zugeben, die Sache hat etwas: sie ist innovativ, kreativ, sieht stark nach Reform aus und man kann dem „Erfinder“ nun wirklich nicht vorwerfen, konservativ zu sein.

Sie könnten jetzt erklären, von dieser Geschichte nicht direkt vom Stuhl gerissen zu werden, letztlich sei das schlichter Blödsinn. Niemals dürfe die Eigenbeurteilung des Betroffenen eine wichtige Rolle spielen – außer der, den Leser gegebenenfalls zu erheitern.Selbstverständlich stimme ich Ihnen zu. Aber warum glauben dann so viele Bewerber, es käme auf ihre Selbsteinschätzung an? Und legen dann ein Blatt bei wie „Was Sie sonst noch über mich wissen sollten“.Da wimmelt es dann von vermeintlich selbst entwickelten Lebens- und Berufsphilosophien, Allgemeinplätzen, Selbstbeweihräucherungen und triefendem Eigenlob.

Niemals wird ein solide arbeitender Profi etwas auf die Selbsteinschätzung des Kandidaten geben – außer er gewinnt die Gewissheit, nun habe sich dieser Bewerber endgültig disqualifiziert.

Dabei ist die Sache ganz einfach: Ein „toller“ Bewerbungsschreiber hat „tolle“ Fakten zu bieten. Dann braucht man keine weitergehende, selbst geschriebene Lobeshymne – „tolle“ Fakten sind nicht mehr zu übertreffen oder neudeutsch zu „toppen“.

Ein schwacher Bewerber wird hingegen gekennzeichnet durch schwache Fakten: Abitur schlecht, Studium zu lange, Examen mäßig, Dienstzeiten pro Arbeitgeber kurz, Fortschritte in der Laufbahn nicht erkennbar, roter Faden in Tätigkeit und Branche absolut nicht vorhanden. Und da soll nun die Eigenbeurteilung des Kandidaten das miserable Bild entscheidend verbessern? In den Augen eines Profis? Also wirklich.

Ein guter Läufer läuft schnell, ein guter Boxer gewinnt seine Kämpfe, ein guter Schütze trifft gut – ich glaube, das genügt. Wird ein Sportler Letzter des Wettkampfs, muss er mit diesem Resultat leben – niemand will von ihm über sich lesen, dass Sport gut ist, er ihn liebt, dass Einsatzbereitschaft, Stehvermögen und Kampfgeist seine Stärken seien. Es gab in seiner bisherigen Laufbahn gute Chancen, all das durch Resultate seines Engagements eindrucksvoll und unangreifbar unter Beweis zu stellen.

Und in Bewerbungen gibt es ja schon das Anschreiben, das der Bewerber frei gestalten kann. Wo er geschickt argumentieren, den Leser für sein Anliegen gewinnen soll. Ein weiterer Schauplatz für die Demonstration entsprechender Talente ist absolut überflüssig.

Und seien wir doch ehrlich: Die meisten dieser Ergüsse wirken ohnehin als seien sie irgendwo abgeschrieben. Also weg damit. Stecken Sie Ihre Energie lieber in die Formulierung und Gestaltung des Lebenslaufs. Dort gehört sie hin.

Kurzantwort:

Stellen Sie sich vor, es gibt in Ihrem Unternehmen eine Personalbeurteilung. Da steht dann drin, wie gut welche Eigenschaften und Fähigkeiten bei jedem Mitarbeiter ausgeprägt sind, welche Leistungen er erbringt usw. Das ausgefüllte Formular wird in die Personalakte einheftet und hat Auswirkungen auf die Karriere, das Gehalt und später die Zeugnisformulierung jedes Angestellten.

Frage-Nr.: 253
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-09-23

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