Heiko Mell

Die „unendliche“ Geschichte

Als Leser Ihrer Rubrik seit der ersten Stunde hat bei mir schon öfter mal der Finger gezuckt, um Sie auf den einen oder anderen Fauxpas hinzuweisen. Zumal Sie selbst immer gern andere mit der Nase auf ihre Unzulänglichkeiten stoßen, dann nicht nur Salz in die Wunde streuen, sondern es auch noch genüsslich einreiben. Das machen Sie allerdings mit einem hohen Unterhaltungswert.

Wenn einer so agiert, darf er auch einmal einen Kiesel aus einem Glashaus werfen, aber keine Felsbrocken: Die „unendlich große Zahl anderer Leser“ werden Sie nie interessieren können. Wie die Mücken in Finnland oder die Wassertropfen im Ozean sind Ihre Leser wohl schwer zu zählen, aber ihre Anzahl bleibt doch endlich. Das wissen Sie natürlich und ärgern sich wahrscheinlich, dass Sie als ausgebildeter Ingenieur einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Begriff so unbedarft verwendet haben wie ein lebensfroher Pizzabäcker.

Außerdem schätze ich es sehr, dass Sie inzwischen auf die im Vergleich zu den zwischenmenschlichen weniger glücklichen kriegerischen Analogien weitgehend verzichten.

Antwort:

Wie Sie an anderer Stelle Ihres etwas gekürzten Briefes vermuten, waren Sie nicht der einzige Leser, der mich auf diesen Fehler hinwies. Selbstverständlich haben Sie völlig recht: Die Zahl meiner Leser mag groß sein, unendlich ist sie damit absolut nicht. Auch ich bin, wie ich oft betone, nicht unfehlbar – und nicht das Maß aller Dinge. So sage ich: Macht keine Fehler! Ich sage nicht: Macht es wie ich und macht alles richtig. Dass selbstverständlich auch ich nicht unfehlbar bin, weist mir nach gut 45 Jahren Ehe meine Frau mehrmals pro Woche nach.

Nun hätten Sie aber das mit dem Pizzabäcker nicht sagen dürfen. „Gefährlich ists den Leu zu wecken“ (Schiller, aus dem „Lied von der Glocke“), das haben Sie nun getan. Und da fiel mir auf, dass Sie mindestens an zwei Stellen „ihre“ schreiben, wo es doch „Ihre“ hätte heißen müssen (habe ich korrigiert). So schnell geht das.

Hinsichtlich der militärischen Beispiele verspreche ich nichts. Ich habe zwar nicht „gedient“, sehe aber den strukturellen Aufbau unserer Wirtschaft eindeutig abgeleitet aus militärischen Vorbildern. Und es gilt auch, dass kaum etwas das Leben der Menschen so verändert hat wie Ereignisse, in denen das Militär eine entscheidende Rolle spielte. Schließlich haben wir offiziell immer noch eine Wehrpflicht, und unsere Soldaten befinden sich weltweit in Einsätzen.

Übrigens sagen Fachleute, man könne das Funktionieren hierarchischer Strukturen (Beispiel: Industrie) sehr gut demonstrieren und erforschen an zwei entsprechend aufgebauten Großorganisationen: dem Militär und der katholischen Kirche. Wobei ersteres in der Öffentlichkeit besser bekannt ist, schließlich sind nicht nur Väter und Söhne „dabei gewesen“, es gibt auch eine sehr große Zahl von Büchern und Filmen darüber.

Letztlich tröste ich mich mit „Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“. Und solange die Quote der zustimmenden Stimmen für meine Arbeit über derjenigen liegt, die unsere Regierung erzielt, bin ich zufrieden.

Frage-Nr.: 2525
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 47
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-11-25

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