Heiko Mell

Arbeitslos auf eigenen Wunsch

Antwort:

Ja, es ist unbedingt empfehlenswert für einen Angestellten, seinen Arbeitgeber „auf eigenen Wunsch“ zu verlassen und das auch im Zeugnis bestätigt zu bekommen. Nein, auch diese Grundregel gilt nicht unbegrenzt, sondern nur im Rahmen eines bestimmten Umfeldes.

Fangen wir mit dem an, vor dem ich warnen möchte (was ich nicht müsste, würde man entsprechende Beispiele nicht in jedem besseren Stapel von Bewerbungen finden): Wenn Sie ein Zeugnis Ihres letzten Arbeitgebers vorlegen, das Ihnen ein Ausscheiden auf eigenen Wunsch (also ohne betrieblichen Grund) bescheinigt und Sie sind lt. Lebenslauf anschließend arbeitslos – dann sind Sie „arbeitslos auf eigenen Wunsch“. Das ist so eindeutig, dass es kein Gegenargument gibt, höchstens mehr oder minder langweilige „Ausreden“, die niemand so recht hören mag.

Eine Grundregel sagt, der Angestellte habe während seiner aktiven Zeit möglichst zu jedem Zeitpunkt beschäftigt zu sein, also entsprechende Arbeitsverhältnisse nahtlos aneinander zu reihen. Auch dagegen hat der Arbeitslose „auf eigenen Wunsch“ verstoßen. Überhaupt, das merkt man schnell, bewirbt es sich viel besser und erfolgversprechender, wenn man nicht arbeitslos ist. Die daraus hervorgehende Verschlechterung seiner Situation hat mutwillig herbeigeführt, wer freiwillig ausscheidet, ohne ein neues Angebot zu haben.

Häufig, so lehrt die Lebenserfahrung, ist die Formulierung „auf eigenen Wunsch“ eine Art Geschenk des letzten Arbeitgebers, in bester Absicht, aber wahrheitswidrig überreicht. „Weil das doch dem entlassenen Mitarbeiter hilft“ (und nichts kostet, nebenbei bemerkt). Aber wie das so ist mit Geschenken: Mitunter passen sie in die Situation des Beschenkten, mitunter nicht. Da war doch etwas in der Antike: Nachdem die Griechen, die Homer Danaer nennt, den Belagerten (eigentlich sogar den Göttern) im Kampf um Troja das berüchtigte Trojanische Pferd zum „Geschenk“ gemacht hatten, nennt man so etwas ein Danaergeschenk – wenn man z. B. im Anschluss an das alte Arbeitsverhältnis gar keinen neuen Job hat. Wobei der frühere Arbeitgeber nicht wissen kann, ob Sie einen nahtlos anschließenden neuen Vertrag haben – Sie müssen schon selbst auf sich aufpassen.Ich versuche eine Zusammenfassung:

1. Der ideale Angestellte reiht seine Beschäftigungsverhältnisse nahtlos aneinander, ist also möglichst nie arbeitslos.

2. Für diesen Idealfall gilt: Es ist unbedingt empfehlenswert, freiwillig beim alten Arbeitgeber wegzugehen, also selbst zu kündigen; im Zeugnis steht „scheidet aus auf eigenen Wunsch“.

3. Kommt es wegen eines fehlenden Anschluss-Arbeitsverhältnisses doch zu einer Arbeitslosigkeit, ist es äußerst kritisch, beim letzten Arbeitgeber „auf eigenen Wunsch“ gegangen zu sein, weil man dann ja auf eigene Initiative arbeitslos geworden ist. Das aber tut man nicht! Solche Bewerber sind nicht eben beliebt.

4. Liegt Arbeitslosigkeit vor, ist es tatsächlich besser, der letzte Arbeitgeber hätte Sie entlassen, z. B. aus „betrieblichen Gründen“. Es ist dann das „kleinere Übel“.

5. Natürlich sind Sie ein freier Mensch und dürfen durchaus auch auf Ihren Wunsch hin arbeitslos werden. Aber der Bewerbungsleser ist auch ein freier Mensch – und darf davon halten, was er will. Und das tut er dann auch.

Kurzantwort:

Ja, es ist unbedingt empfehlenswert für einen Angestellten, seinen Arbeitgeber „auf eigenen Wunsch“ zu verlassen und das auch im Zeugnis bestätigt zu bekommen. Nein, auch diese Grundregel gilt nicht unbegrenzt, sondern nur im Rahmen eines bestimmten Umfeldes.

Frage-Nr.: 252
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 36
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-09-09

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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