Heiko Mell

Der neue Arbeitgeber muss wissen, dass Sie gefeuert wurden

Antwort:

Ich stoße im Zusammenhang mit der Verarbeitung arbeitgeberseitiger Kündigungen immer wieder auf gefährliches, teilweise existenzbedrohendes Fehlverhalten. Daher hier ein Versuch, die wichtigsten Punkte aufzulisten, die es zu beachten gilt (wie immer ist dies keine juristische Betrachtung):

1. Ein ganz zentraler Grundsatz, den Sie unter allen Umständen beachten sollten:
Der neue Arbeitgeber muss vor(!) der Vertragsunterschrift wissen, wie es um Sie steht! Er muss wissen, dass Sie eine arbeitgeberseitige Kündigung erhalten oder einen Aufhebungsvertrag unterschrieben haben, zu welchem Datum Ihr heutiges/letztes Arbeitsverhältnis enden wird/geendet hat. Das gilt auch, wenn Sie nicht entsprechend gefragt wurden!

Das gilt um so stärker, je ranghöher Ihre Position dort sein wird, ist also für Führungskräfte absolut zwingend.

Sie müssen das nicht schon im Anschreiben zur Bewerbung angeben und auch nicht nach der Begrüßung im ersten Vorstellungsgespräch, aber in jedem Fall vor der Vertragsunterzeichnung.

Begründung: Der neue Arbeitgeber wäre, erführe er erst nach Ihrer Einstellung davon, maßlos enttäuscht (etwa wie bei einem nicht offenbarten Unfallschaden anlässlich eines Gebrauchtwagenverkaufs).

 

2. In der allgemeinen Einschätzung entspricht ein Aufhebungsvertrag, der ja ausschließlich auf Betreiben des Arbeitgebers zustande kommt, einer arbeitgeberseitigen Kündigung. Eine Aussage wie „Ich bin ungekündigt“, wäre nicht zu rechtfertigen und würde als „falsch“ gewertet!

 

3. Wenn Ihr Ausscheidedatum zum Zeitpunkt der schriftlichen Bewerbung noch mindestens vier Wochen in der Zukunft liegt, wird allgemein toleriert, dass Sie

– im Anschreiben formulieren „Ich bin … als … tätig“;

– im Lebenslauf Ihr derzeitiges Anstellungs­verhältnis angeben mit „Seit 01.04.200x als … bei …“;

– weder über die Kündigung, noch über einen Aufhebungsvertrag schreiben.

 

4. Es ist empfehlenswert, schon im Anschreiben einen kleinen Hinweis zu geben auf die Gründe, die Ihren Wechsel nicht mehr so ganz freiwillig machen. Beispiel: „Meine Bewerbung erfolgt auch im Zusammenhang mit drastischen Kostensenkungsmaßnahmen, zu denen sich mein Arbeitgeber gezwungen sieht.“ Dann ist der Schock nicht so groß, wenn Sie später über Ihre Entlassung berichten.

 

5. Wenn Sie noch nichts über Ihre Entlassung erzählt haben und gefragt werden, warum Sie sich bewerben, dann ist eine Antwort wie diese nicht mehr korrekt: „…, weil die ausgeschriebene Position mich so fasziniert.“ Korrekt wäre: „Weil mich mein derzeitiger Arbeitgeber entlassen hat (oder weil er mir einen Aufhebungsvertrag vorgelegt hat) und weil mich die ausgeschriebene Position anspricht.“

 

6. Die früher formal korrekte Antwort („3 Monate zum Quartalsende“) auf die Frage nach Ihrer Kündigungsfrist ist jetzt irreführend! Die richtige Antwortet lautet z. B.: „Mir wurde zum … gekündigt; ich bin freigestellt und kann jederzeit vorher bei Ihnen anfangen.“

 

7. Der neue Arbeitgeber ist bestrebt, mit Ihnen ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dazu erwartet er, dass Sie ihm vor der Unterschrift alle Informationen geben, die er für seine Entscheidung braucht. Er setzt voraus, dass Sie diese Informationen auch dann nicht verschweigen, wenn Ihnen gar keine präzisen Fragen (oder nur missverständliche) gestellt werden sollten. Konkretes Lügen verbietet sich ohnehin.

Kurzantwort:

Ich stoße im Zusammenhang mit der Verarbeitung arbeitgeberseitiger Kündigungen immer wieder auf gefährliches, teilweise existenzbedrohendes Fehlverhalten. Daher hier ein Versuch, die wichtigsten Punkte aufzulisten, die es zu beachten gilt (wie immer ist dies keine juristische Betrachtung):

Frage-Nr.: 250
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 33
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-08-19

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