Heiko Mell

Rechtschreibfehler und der Überlebensinstinkt eines Autors

Mein Augenmerk liegt bei Texten aller Art immer auch auf der Rechtschreibung – automatisch. Ich vermute, mehr und mehr Mitmenschen halten richtiges Schreiben für entbehrlich, solange ich noch verstehe, was gemeint ist. In internationalen Teams werden ohnehin in einer fremden Arbeitssprache massenweise Fehler gemacht.

Mir kam der Gedanke, dass Ihre stillschweigende Korrektur (Frage 2.488) der meisten Fehler einen Nachteil hat. Was halten Sie davon, nur als Information die Zahl der identifizierten Fehler zu vermerken? Das könnte einerseits allen Lesern die Dimension anzeigen, andererseits vielleicht sogar den Ehrgeiz der Einsender anstacheln.

Antwort:

Hm!

Also wenn Sie einer meiner Gegner wären, würde ich vermuten, Sie wollten mich bewegen, in eine Falle zu laufen. Das aber vermute ich bei Ihnen nicht.

Wissen Sie, ich bin schon ein bisschen stolz auf diese Serie. Ein prägendes Element ist dabei die Laufzeit seit 1984. Ich muss informieren, die Texte auch unterhaltsam aufbereiten, eigentlich die Interessen jenes einen Einsenders mit seinem hochspeziellen Anliegen bedienen und dennoch – praktisch als Hauptziel – eine unendlich große Zahl anderer Leser für den Fall interessieren. Und ich muss jede Woche neue Leser dazu bringen, mir neue Fragen zu stellen, obwohl viele ihrer Vorgänger bei mir gar nicht so furchtbar gut weggekommen sind und durchaus auch meine Kritik auf sich gezogen haben.

Dabei habe ich manches gewagt und mich an die eine oder andere Grenze herangetastet. Allein schon die heute hier übliche Korrektur von sprachlichen Fehlern ist ziemlich exklusiv in der deutschen Zeitungslandschaft.

Man soll es aber auch nicht übertreiben! Ich kann mich bei all meinen Experimenten im Aufbau dieser Serie nur auf meinen Instinkt stützen, konkrete Erfahrungswerte liegen ja nicht vor. Und dieser Instinkt sagt mir: Mit Ihrer Fehlerstatistik würde ich jene feine Grenze überschreiten, die ich mir selbst ziehen muss, will ich weiterhin Erfolg haben.

Oder: Was immer der deutsche Ingenieur will, einen Satz des Inhalts, seine Frage hätte im Original 17 Fehler enthalten, will er eher nicht, da bin ich ziemlich sicher. Ganz abgesehen von der zu erwartenden Frage, wo die 17 denn gewesen wären, sein alter Deutschlehrer hätte höchstens 12 anerkannt – so lerne er ja nichts. Und ich will zwar nicht der beliebteste Autor Deutschlands werden oder sein, der meistgehasste aber auch nicht. Nichts für ungut.

Frage-Nr.: 2494
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 25
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-06-23

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