Heiko Mell

Heiko Mell und die Rechtschreibung in Einsendungen

Frage:

Eventuelle Rechtschreibfehler bitte ich vor dem Hintergrund der späten Uhrzeit zu entschuldigen.

Ich hoffe, dass ich Sie nicht zu sehr mit Rechtschreibfehlern gepeinigt habe.

Es ist mir auch egal, wenn Sie Fehler in meiner Anfrage finden.

Antwort:

Drei willkürlich herausgegriffene Vor- oder Nachsätze aus Fragestellungen, die mich in diesen Tagen erreichen. Ich glaube, es ist an der Zeit, dazu etwas Grundsätzliches zu sagen:

1. Sehr viele halbwegs anspruchsvolle und etwas gebildete Entscheidungsträger in Deutschland reagieren kritisch auf Fehler (Rechtschreibung, Satzbau, Logik, Verständlichkeit) in an sie gerichteten Schreiben aller Art. Je nach Gesamtzusammenhang und individuellen Begleitumständen vergeben sie Urteile wie z. B.

  •  ist ungebildet,
  •  arbeitet schlampig,
  •  missachtet den Empfänger der Botschaft (nimmt ihn nicht wichtig).

Je nach Grad und Häufigkeit der Fehler leidet das Anliegen/die Botschaft durch solche Mängel in der Verpackung sehr. Dieser Effekt kann erfolgsentscheidend sein! Und genau deshalb kümmere ich mich – mit meinen tatsächlich eher bescheidenen Möglichkeiten – im Rahmen der Karriereberatung auch um diesen Aspekt.

 

2. Worin ich mich von anderen Menschen unterscheide, die auch solche fehlerhaften Schriftstücke bekommen: Die andern leiden alle still, denken sich ihren Teil – scheuen aber die Auseinandersetzung mit dem Verursacher. Es ist nicht üblich, dem Absender eines Briefes mitzuteilen, man sei nicht „an einem Zenit“ angekommen, schon weil es gemeinhin nicht mehrere Zenite gibt, sondern nur einen, man stehe also – wenn überhaupt – im Zenit.

Ich jedoch fühle mich zu Antworten dieser Art aufgerufen, weil ich weiß, dass Verpackungen in einer Marktwirtschaft häufig mindestens so erfolgsentscheidend sind wie Inhalte.

 

3. Da alle Zuschriften ohne Namen abgedruckt werden, kann es – was ohnehin selbstverständlich wäre – niemals darum gehen, den Einsender zu ärgern oder vorzuführen. Einziges Ziel meiner diesbezüglichen Bemühungen: Die Einsender und noch viel mehr die anderen Leser dieser Rubrik sollen etwas lernen. Und wie üblich bei mir folgt hier der Zusatz: ob sie das nun wollen oder nicht. Ein Berater, der auf sich hält, berät die Leut“ irgendwann ohne Rücksicht darauf, ob sie überhaupt Beratungsbedarf signalisieren.

 

4. Und nun zur Kernaussage: All die vielen „harmlosen“ kleinen Rechtschreibfehler korrigiere ich beim Abdruck stillschweigend. Ich kann ja hier keine Rubrik präsentieren, in der sich Passagen mit lauter offensichtlichen Fehlern finden – ob nun ich die Fragen formuliert habe oder ein Leser.

Öffentlich korrigiere ich nur solche Fehler, die gravierend sind, die in wichtigen Briefen nicht vorkommen sollten, die mit falschem Gebrauch von Redewendungen oder Fremdwörter in Zusammenhang stehen oder sonst eine besondere Bedeutung haben.

 

5. Und ich erreiche (manchmal) etwas. Gerade fragte z. B. ein Leser an: „Kürzlich schrieben Sie in einem Ihrer Beiträge einen Merksatz zum richtigen Gebrauch von dass und das. Den wollte ich gern an meine Enkel weitergeben. Weil ich ihn nicht mehr finden kann, bitte ich freundlich um einen Hinweis.“

Dem Leser konnte geholfen werden (das ist nicht ganz einfach, es gibt kein System dafür). Über die Reaktion der Enkel ist Negatives nicht bekannt geworden. Das gesuchte Original war übrigens Frage 2.284 vom 23.01.2009.

 

6. Wer sich gelegentlich über meine Korrekturen ärgert, sei ganz ruhig: Ich bin fest überzeugt, dass diese Art der öffentlichen Kritik mit mir „ausstirbt“. Ich kenne keine andere Serie, die so mit ihren Einsendern „umspringt“. Außerdem, das darf ich in aller Bescheidenheit einmal sagen, ist so etwas ziemlich gewagt (von mir). Natürlich weiß ich, dass ich selbst auch Fehler mache und daher angreifbar bin. Und dass „da draußen“ zahlreiche sprachlich besser gebildete Leser aufmerksam meine Kritik verfolgen und nur darauf warten, mich bei einer falschen Korrektur zu ertappen.

Aber ich sehe auch Positives in den eingangs zitierten Leserbemerkungen: Wer sich vorab entschuldigt, hat sicher sein Werk vorher noch einmal gründlich durchgelesen. Denn etwas fällt auf: Die gravierenden Fehler stecken nicht vorrangig in jenen Zuschriften, deren Absender pauschal um Nachsicht bitten.

Vielleicht erreiche ich ja langfristig doch etwas?

Frage-Nr.: 2488
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 21
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-05-26

Von Heiko Mell

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