Heiko Mell

Enttäuscht

Antwort:

Es ist gar nicht so einfach zu beschreiben, wie die optimale Bewerbung aussehen müsste. Aber klar ist, was der Empfänger nicht sein sollte, wenn er mit seiner ersten, flüchtigen Lektüre fertig geworden ist: enttäuscht.

Um diesen Zustand bei einem lesenden Profi herbeizuführen, muss sich der Absender schon etwas einfallen lassen. Ein Kandidat, der schlicht nur ungeeignet zu sein scheint, weil er viel zu jung, ebenso zu alt, unbezahlbar teuer ist oder nichts Erkennbares mit dem Thema der Ausschreibung zu tun hat, reicht dazu nicht aus. Seine Unterlagen legt man einfach zur Seite – erledigt.

Nein, enttäuscht ist nur, wer zunächst die Hoffnung auf ein positives Erlebnis haben durfte – die sich dann nicht erfüllte. Leider – denn Bewerbungsempfänger suchen ja verzweifelt die Lösung ihrer Probleme und freuen sich über jeden Anschein von Qualifikation im Sinne des Anforderungsprofils.

Nehmen wir einmal an, der Entscheider in Bewerbungsangelegenheiten liest eine Mappe von vorn nach hinten, fängt also mit dem Anschreiben an. Dann stößt er dort ziemlich oft auf genau die Fachkenntnisse oder -erfahrungen, die er hier fordern muss und deshalb deutlich in seiner Anzeige herausgestellt hat. Genau diese Qualifikation wird im Anschrei­ben extra erwähnt. Da schöpft der Leser dann Hoffnung.

Nun liest er den Lebenslauf – und wird enttäuscht. Die so gesuchte spezielle Qualifikation taucht dort überhaupt nicht auf. Man hat nicht einmal Ansatzpunkte, in welchem der vier bisherigen Arbeitsverhältnisse diese Kenntnisse erworben sein könnten. Etwa in dem viel zu kurzen, das vor sechs Jahren mit arbeitgeberseitiger Kündigung endete?

Was schließt der erfahrene Bewerbungsleser daraus? In Wirklichkeit ist es nicht weit her mit der hier so wichtigen Spezial-Qualifikation. Gemäß einem fiktiven „Handbuch für Bewerbungstechnik“, Kapitel 12, hat der Kandidat lediglich in seinem Anschreiben die wichtigsten „Reizwörter“ des Inserats aufgegriffen – um den Brief als fallbezogene Problemlösung („speziell für diese Anzeige konzipiert“) darzustellen. Im Lebenslauf jedoch, der früher entstand und einfach wahrheitsgemäß alles enthält, was irgendwie wichtig ist, fehlt jeder entsprechende Hinweis. Also gibt es die Spezial-Qualifikation wohl in Wirklichkeit praktisch nicht. Und noch viel schlimmer: Wenn der Leser so vorgeht wie viele Profis, liest er zunächst einmal nur die Lebensläufe – und die Anschreiben nur dann, wenn der Bewerber nach dem „Lauf seines Lebens“ wenigstens grundsätzlich interessant ist. Hier würde er gar nicht erst fündig – es gibt aber auch keine Enttäuschung, sondern gleich die Einstufung „uninteressant“. Denn für den Leser einer Bewerbung gibt es kein „Im Zweifel für den Angeklagten (Bewerber)“ – was nicht dort steht, gibt es nicht. Niemand, der Bewerber kennt, glaubt: „Der wird sich doch etwas gedacht haben bei seiner Bewerbung.“ Eher glaubt er das Gegenteil.

Also muss sich, wer sein Anschreiben fallgerecht „aufbereitet“, dieser Mühe beim Lebenslauf ebenso unterziehen. Was ohnehin ansteht, denn: Es gibt nicht „den“ Lebenslauf, es gibt immer nur den für diese Zielposition individuell neu aufbereiteten. Es ist eben gar nicht so einfach, an anderer Leute Geld zu kommen, selbst wenn man es Gehalt nennt.

Kurzantwort:

Es ist gar nicht so einfach zu beschreiben, wie die optimale Bewerbung aussehen müsste. Aber klar ist, was der Empfänger nicht sein sollte, wenn er mit seiner ersten, flüchtigen Lektüre fertig geworden ist: enttäuscht.

Frage-Nr.: 248
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 30
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-07-29

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