Heiko Mell

„Man bloß“, was soll es bedeuten?

In der Antwort zur Frage 2.446 (und bereits früher gelegentlich) verwenden Sie einen Ausdruck „Man bloß, …“, den ich nicht kenne. Auch beim Googeln habe ich ihn in dieser Form nicht gefunden. Der Duden macht mich ebenfalls nicht recht schlau. In anderer Form „Was macht man bloß …“ kenne ich ihn schon, aber so alleinstehend vor dem Komma? Bei einer kurzen, statistisch nicht signifikanten Umfrage ergibt sich: Hier in meinem Umfeld kennt ihn auch keiner.

Können Sie mir helfen, was bedeutet dieser Ausdruck?

Antwort:

Ich muss zwei Vorbemerkungen machen:

1. Etwas in der Art hatte mein alter Deutschlehrer vermutlich gemeint, wenn er unter meine Aufsätze Anmerkungen schrieb wie: „Sprachschöpfung“ oder „Die deutsche Sprache ist noch nicht so weit“.

2. Ich sage zum Glück nie, ich sei das große sprachliche Vorbild, dem es nachzueifern gelte. Niemand verlangt von einem Literaturkritiker, dass er bessere Romane schreibt, manche sprechen sogar recht eigenwillig.

So, aber dennoch muss mir eine Erklärung einfallen. Das Zitat (2 Sätze) lautet:

„Ingenieure neigen viel stärker als etwa Kaufleute dazu, die Dinge sachlich-nüchtern-logisch zu betrachten. Man bloß, ‚die Dinge“ sind dem daraus resultierenden Anspruch sehr häufig nicht gewachsen.“ Es ging um einen Universitätsprofessor, der es in seinen Arbeitszeugnissen partout nicht bedauern wollte, wenn ein wissenschaftlicher Mitarbeiter (planmäßig) sein Institut verlässt.Gemeint habe ich mit „Man bloß, …“ etwa: „Es ist nur so, …“ Nun wird Ihnen der bloße Hinweis auf das, was ich gemeint hatte, nicht genügen. Ich muss also noch irgendetwas finden, das sich halbwegs als Beweis eignet. Und ich finde (ein guter Berater gibt niemals auf oder etwas zu):

Es gibt im Duden-Stilwörterbuch eine spezielle Bedeutung von „man“ neben der, die allgemein gebräuchlich ist. Dort heißt es: „man (Adverb) (ugs.; nordd.): nur; na denn man los.“ Und für „bloß“ findet sich eine Definition als „verstärkend in einer Aufforderung oder Frage: geh mir bloß aus dem Weg“.

Jetzt muss ich nur noch ein Beispiel für die Kombination beider Wörter finden. Finde ich in der Zwiebelfisch-Kolumne bei Spiegel online: „Nu man bloß nicht in“ Tüdel geraten!“ was „Tüdel“ ist, spielt hier keine Rolle. Aber es gibt, wenn auch ganz sicher „nordd.“ und „ugs.“ die Kombination „man bloß“. Beides zusammen dürfte eine Art verstärktes „nur“ bedeuten.

Norddeutsch nehme ich auf mich. Ich bin auf der Höhe von Berlin/Hannover aufgewachsen, das ist für den Stuttgarter schon „nord extrem“.

Puh, das war knapp, ich gebe es zu. Aber ein bisschen dichterische Freiheit muss ja auch erlaubt sein. Und: Danke, Herr Sick (das ist der Mann hinter „Zwiebelfisch“).

Frage-Nr.: 2468
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 7
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-02-17

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