Heiko Mell

Einsteiger-Test der besonderen Art

Antwort:

Als der technische Manager seinen Assistenten sucht, weiß er noch nicht, was ihn erwartet. Wir hatten ihn gewarnt, aber „so“ hat er sich das nicht vorgestellt:
Aus einer größeren Anzahl junger Dipl.-Ing. (FH) lädt er eine Handvoll ausgewählter Kandidaten ein – und ist absolut nicht begeistert von dem, was er vor sich sieht. Die jungen Leute sind naiv, unbedarft, ohne jedes Verständnis für Gesprächstaktik, sie verkaufen sich nicht – und sind offensichtlich überfordert von der zusammenhängenden Darstellung des Unternehmens und der Positionsbeschreibung. Ein Gespräch darüber, aufbauend etwa auf intelligenten Fragen der Bewerber, kommt gar nicht erst in Gang.

Bis dahin ist das Ergebnis für Fachleute keine Überraschung: Viele der jungen Akademiker wissen viel zu wenig über die praktische Berufswelt, über sinnvolles Auftreten im Gespräch, über die Notwendigkeit, den Entscheidungsträger im persönlichen Kontakt für sich einzunehmen – und absolut überhaupt nichts über die Möglichkeiten, die ein Bewerber in dieser Hinsicht hat.Das alles berührt den technischen Manager sehr. Natürlich unangenehm, aber auch grundsätzlich: „Ist das normal – waren wir damals auch so?“ Der letzte Teil der Frage findet keine Antwort, der erste muss leider positiv beschieden werden.

Aber der potenzielle Chef des Assistenten ist auch aufmerksamer Leser der Karriereberatung in den VDI nachrichten. Und für ihn ist es daher doppelt unverständlich, dass diese Bewerber so wenig wissen über die simpelsten Anforderungen des Berufslebens. Er geht der Sache auf den Grund: „Lesen Sie diese Karriereberatung?“ Fünffach betretenes Schweigen. „Haben Sie davon wenigstens schon einmal gehört?“ – ein Schulterzucken sagt alles. Diese offensichtliche Ignoranz einer kostenlos gebotenen Information über Probleme und ihre Lösungen von wahrhaft existenzieller Bedeutung überrascht den Entscheidungsträger zusätzlich – vorsichtig ausgedrückt.

Schön, die Möglichkeit, dass Chefs in Zukunft testen, ob Bewerber diese Serie kennen, finde ich reizvoll. Ich gestehe jedoch, diese Geschichte letztlich als Niederlage zu empfinden. Schließlich schreibe ich eigentlich, um genau solche „Vorkommnisse“ zu verhindern. Zwar mögen die Kandidaten selbst die Schuld tragen an ihrem Nichtwissen. Aber wie kann es sein, dass Ingenieure während eines langen Studiums nie von diesem Service der VDI nachrichten gehört haben? Ich kann jederzeit verstehen, dass jemand diese Beiträge nicht mag. Aber einerseits so völlig unvorbereitet auf die Praxis zu sein und dann hiervon „nie gehört“ zu haben, ist ein bisschen viel für meine Möglichkeiten, das Verhalten anderer Leute zu verstehen.

Es ist nicht so, dass es mir an Zuspruch mangelte. Ehepartner von Ingenieuren kaufen mein jüngstes Buch und verschenken es in der Verwandtschaft (die erste Druckauflage ist verkauft, die zweite entsteht gerade). Ein Leser hat aus Anerkennung seinen Sohn schon vor achtzehn Jahren nach mir benannt (schrieb er erst jetzt), die überwältigende Mehrheit der aktiven Einsender zur Serie äußert sich sehr positiv. Aber in welchem Umfeld, mit welchem Engagement studieren manche jungen Leute, so dass sie hinterher sagen können „Nie gehört“?

Als Tipp: Es könnte sich doch jemand aufraffen, diesen Beitrag in Ihrer Hochschule ans Schwarze Brett zu heften: Vielleicht bringt er dort jemanden auf eine völlig neue Idee.Aus diversen Briefen weiß ich, dass es viele Professoren gibt, die ihre Studenten fallweise oder regelmäßig über diese Beiträge informieren, sie fotokopieren, öffentlich aushängen. Diese Hochschullehrer tun damit mehr als von ihnen verlangt wird – so Sie, lieber Leser, als Student davon profitieren, seien Sie ihnen dankbar.

Und je mehr ich darüber nachdenke, gefällt mir der Einsteigertest für Jungingenieure: „Kennen Sie die Karriereberatung in den VDI nachrichten?“ Aber keine Angst, ich werde diese Frage so nicht stellen. Mir reicht es, wenn Sie informiert sind, egal aus welcher Quelle.

Kurzantwort:

Als der technische Manager seinen Assistenten sucht, weiß er noch nicht, was ihn erwartet. Wir hatten ihn gewarnt, aber „so“ hat er sich das nicht vorgestellt:

Frage-Nr.: 245
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 26
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-06-30

Top Stellenangebote

Panasonic Industrial Devices Europe GmbH-Firmenlogo
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH QC-Fachkraft (m/w/d) für die SW-Programmierung der Automotive-Teststände Lüneburg
Bauhaus-Universität Weimar-Firmenlogo
Bauhaus-Universität Weimar Leiter (m/w/d) Sachgebiet Liegenschaftsverwaltung Weimar
Freie Universität Berlin-Firmenlogo
Freie Universität Berlin Technische/-r Beschäftigte/-r (m/w/d) Berlin
Technische Universität Braunschweig-Firmenlogo
Technische Universität Braunschweig Universitätsprofessur (W3) Intermodale Transport- und Logistiksysteme (m/w/d) Braunschweig
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Hochschule für angewandte Wissenschaften München W2-Professur für Fertigungstechnik und Produktionsprozesse (m/w/d) München
Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung-Firmenlogo
Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung Ingenieur für Messtechnik und Datenerfassung (w/m/d) Potsdam
Fachhochschule Bielefeld-Firmenlogo
Fachhochschule Bielefeld W2-Professur Lehrgebiet Projektmanagement; insbesondere Kostenermittlung und Controlling Minden
Ernst-Abbe-Hochschule Jena-Firmenlogo
Ernst-Abbe-Hochschule Jena Professur Virtuelle Produktentwicklung (W2) Jena
FH Aachen-Firmenlogo
FH Aachen Professur Technische Mechanik und Simulation Aachen
KfW Bankengruppe-Firmenlogo
KfW Bankengruppe Bau- oder Umweltingenieur/in als Technischer Sachverständiger (w/m/d) Frankfurt am Main
Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.