Heiko Mell

Erfahrung

Antwort:

Was ist Erfahrung? „Die Summe selbst gemachter Fehler“ gefällt mir als Antwort am besten, wenn es auch etwas überspitzt ist.

Unstrittig ist: Wer eine bestimmte Tätigkeit nie ausgeübt hat, kann auf diesem Gebiet keine Erfahrungen haben. Aber auch ein Mensch, der beispielsweise schon seit sechs Monaten Auto fährt, ohne je in die Nähe eines Unfalls, einer Panne, einer gefährlichen Situation etc. zu geraten, gilt nicht als erfahren in dieser Kunst. Erst wenn man in einem Metier in Grenzbereiche geraten ist, Niederlagen erlitten hat und sich eigene Fehler eingestehen muss, gilt man unter Fachleuten als „erfahren“.

Hier liegt auch die tiefere Begründung für die so oft geforderten fünf Jahre Dienstzeit pro Arbeitgeber: In einem solchen Zeitraum ist damit zu rechnen, dass der Mitarbeiter mit fast allen denkbaren Problemen seines Jobs konfrontiert wurde. Hat er diese wechselnden Phasen ebenso durchlitten wie überlebt – vom Technologiesprung in der Branche über die Wirtschaftskrise bis zum Chefwechsel und zur Restrukturierung oder Sanierung -, dann kann er mitreden im Klub der Erfahrenen. Um auch das zu erwähnen: Bei mehr als fünf Jahren pro Position stehen verbrachte Zeit und Erfahrungszuwachs in keinem idealen Verhältnis mehr zueinander, die Kurve des Erfahrungsgewinns verläuft dann degressiv.

Hier angesprochen ist die Rubrik „Berufspraxis“ im Lebenslauf. Aus der lassen sich die Erfahrungen des Kandidaten ziemlich gut ablesen. Aber was darf dort hinein?

Pauschale Antwort: Es geht dabei um die Praxis nach(!) abgelegtem Examen. Alles andere gehört in andere Kategorien und damit auch in andere Lebenslaufrubriken: Zwei Jahre Facharbeitertätigkeit nach dem Lehrabschluss und vor dem Studium? Interessant, aber keine Berufspraxis des Ingenieurs, der sich jetzt bewirbt. Lösung: eine eigene Rubrik „Berufspraxis vor Studienabschluss“. Sie sind frei in der Gestaltung, alles muss nur sehr klar und für einen Fremden leicht verständlich sein. Praktika? Genau so heißt die passende Rubrik. Nebentätigkeiten während des Studiums? Exakt mit diesen Worten lässt sich diese Darstellung überschreiben. Je klarer die Rubriken gegliedert und betitelt werden, desto mehr kann der Leser damit anfangen (er steht beim Lesen unter Zeitdruck!).

Und die Aussagen zu diesem Thema in Stellenanzeigen? „Drei Jahre Praxis / Berufserfahrungen“ bedeuten kompromisslos „als Ingenieur“ (o. ä., jedenfalls nach dem Studium).“Erfahren im Umgang mit CAD, SAP-Anwender-Erfahrungen“ u. ä. meint nur, dass Sie damit intensiv zu tun gehabt haben müssen – ob in Nebentätigkeiten während des Studiums oder danach ist nicht vorrangig entscheidend.

Erfahrungen irgendwelcher Art aus dem Studium selbst sind einfach Teil desselben und niemals gemeint – sie gelten als „abgegolten“ mit den Darstellungen in der Rubrik „Studium“. Sie können noch eine Spezialrubrik „Besondere Kenntnisse“ eröffnen (am besten nach der „Berufspraxis“). Ein absolvierter Kurs bringt jene Kenntnisse, aber keine Erfahrungen auf dem Gebiet.

Woher ich das weiß? Aus Erfahrung. Selbst gemachte Fehler inbegriffen.

Kurzantwort:

Was ist Erfahrung? „Die Summe selbst gemachter Fehler“ gefällt mir als Antwort am besten, wenn es auch etwas überspitzt ist.

Frage-Nr.: 241
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 21
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-05-19

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