Heiko Mell

Zweifel als Entscheidungskriterium

Antwort:

Es ist gar nicht so einfach, dieses Thema so aufzubereiten, dass Sie nicht ununterbrochen den Kopf schütteln über meine Plauderei „aus dem Nähkästchen“ eines Bewerbungslesers.

Sie sehen das direkt am ersten Beispiel: Am einfachsten ist der Bewerber zu behandeln, der keine Zweifel hinsichtlich seiner Eignung hat und das auch verbal unterstreicht: „Ich erfülle alle Anforderungen“ oder so ähnlich schreibt er ganz oben im Anschreiben. Und der Bewerbungsanalytiker kann sich absolut darauf verlassen: Das stimmt niemals! Schon ein kurzer Blick auf die Details im Lebenslauf zeigt das sehr deutlich. Bliebe die Frage, warum gerade dieser Bewerbertyp so laut und aufdringlich eine Behauptung aufstellt, die geradezu als Indiz gilt für das Gegenteil. Macht er sich selbst Mut, pfeift er im Wald, vertraut er auf die suggestive Kraft seines Wortes („wenn ich es ausspreche, glaubt der Empfänger das vielleicht unbesehen“)? Nun, der Leser glaubt mitnichten – wer anfängt, Eigenbeurteilungen von Bewerbern zu vertrauen, ist „tot“.

Das war also der Typ des Kandidaten, der zu 100 % glaubt, er sei zweifelsfrei geeignet. Er ist es schon einmal nicht.Man könnte versuchen, das Gegenteil zu erforschen: Was ist mit Bewerbern, die offen schreiben, sie seien vermutlich gar nicht qualifiziert? Vielleicht sind die …? Allein es schreibt so niemand, der Erforschung dieses Aspektes fehlt es an Basismaterial.

Aber am Telefon gibt es den Zweifler nicht nur, er stellt die absolute Mehrheit der Anrufer. Man schreibt in die Anzeige, XX-Fachkenntnisse seien zwingend erforderlich – er fragt, ob es wohl auch ohne ginge (nein). Er habe – immer im Gegensatz zur Anzeige – überhaupt nicht studiert oder ein ganz anderes Fach (nein); es fehle ihm, das wisse er, die so in den Vordergrund gerückte Führungspraxis (nein); alles sei perfekt, sagt der Produktionsleiter in spe, nur Fertigungserfahrung habe er keine (nein). Bei einer Altersbandbreite von 35 bis 45 Jahren fragt der zehn Jahre jüngere Interessent ebenso wie der acht Jahre ältere – auch hier kann man die Zweifel nur bestätigen.

Also lautet die zweite Erkenntnis: Wer als Bewerber selbst schon zweifelt, hat damit zunächst einmal Recht. Er ist der richtige Kandidat leider nicht.

Eine Analyse der schließlich eingestellten Bewerber zeigt ein neues Bild: Diese Kandidaten hatten zumeist weder behauptet, sie erfüllten alles, noch hatten sie wegen lauter Zweifeln vorher angerufen. Sie hatten sich einfach souverän mit der Aufgabe auseinandergesetzt, ihre Qualifikation dargelegt – und schließlich ihr Ziel erreicht. Dabei waren auch sie nie ohne „Haken und Ösen“: Es gibt den rundum idealen Bewerber so wenig wie die rundum ideale neue Stelle.

Aber die Beispiele zeigen: Wer siegen will, muss an sich glauben; er hüte sich zwar vor Protz und Prahlerei, frage aber auch nicht zu ängstlich nach, ob er überhaupt in Frage käme. Er entscheide selbst, ob er denn wohl eine Chance hätte, dann baue er darauf und marschiere los. Irgendwie, so finde ich, leuchtet das sogar ein. Oder etwa nicht? Oder hätte ich das gar nicht schreiben sollen? Oder lieber etwas anderes? Zweifel über Zweifel.

Kurzantwort:

Es ist gar nicht so einfach, dieses Thema so aufzubereiten, dass Sie nicht ununterbrochen den Kopf schütteln über meine Plauderei „aus dem Nähkästchen“ eines Bewerbungslesers.

Frage-Nr.: 239
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 19
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-05-12

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