Heiko Mell 01.01.2016, 17:46 Uhr

Der fatale Reiz des Besonderen

Antwort:

Was verbindet den Facharbeiter in der Serienproduktion, den Abteilungsleiter in der Konstruktion, den Bereichsleiter im Rechnungswesen und den Vorstand/Geschäftsführer an der Spitze eines Unternehmens? Sie sind „Linie“ in der Organisation, unverzichtbare (unterschiedlich große) Rädchen im operativen Geschäftsgetriebe. Sie nehmen „stinknormale“ Standardpositionen ein – und sind in Laufbahnen eingebettet. Mitunter ist noch ein bisschen gezielte Weiterbildung erforderlich, aber auch die lässt sich recht eindeutig festlegen, da bleibt kaum eine Frage offen: Der Facharbeiter müsste „nur“ Ingenieur werden, dann führen ihn gerade „Schienen“ weiter nach oben. Und der Abteilungsleiter hat seine umfassende Ausbildung schon, er muss nur noch gut sein in seinem – und dem nächsthöheren – Job, dann steht der Ernennung zum technischen Leiter bzw. Geschäftsführer kaum noch etwas im Wege.

Das ist eine klar strukturierte, geordnete Welt. In der die Funktionsträger noch dazu den Vorteil haben, unmittelbar zum originären Ziel des Unternehmens beizutragen. Etwa so: „Unser Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Werkzeugmaschinen. Ich leite dort die mechanische Fertigung von Einzelteilen“ – das sind klare Verhältnisse. Und vergessen Sie den besonderen Charme nicht: Von jeder Position gibt es einen eindeutig definierten weiteren Weg nach oben (Sie müssen ja nicht, Sie könnten aber). Die Antwort auf die Frage „Was mache ich als Nächstes?“ liegt jeweils ziemlich klar auf der Hand.

Kurz bevor Sie das alles ebenso logisch wie eigentlich selbstverständlich finden: Warum drängen dann so furchtbar viele insbesondere jüngere Akademiker in Positionen außerhalb dieses „stinknormalen“ Rasters? Sie fühlen sich angezogen von temporären Projektaufgaben, von Schnittstellenfunktionen, bekommen glänzende Augen, wenn sie sich „Beauftragter“ nennen dürfen, heißen gern Manager ohne irgendwen zu führen – je weniger Standard, desto besser.

Dieser Hang zum scheinbar Besonderen ist ja aus fachlicher Sicht durchaus verständlich. Und selbstverständlich ziemlich unproblematisch, sofern man bleiben will, was man gerade geworden ist. Aber nur zu oft drängen gerade die engagierten, fähigen, ehrgeizigen jungen Leute mit Macht in diese Sonderfunktionen. Eben diejenigen, die nur wenig später aufsteigen wollen.

Und dann kommt die große Frage: Wohin? Wo ist die logische nächste Stufe nach einer Position, die eben noch so „besonders“ und gar nicht „stinknormal“ klang? Die Sache ist ganz einfach: Wer irgendwann eine Standard-Karriereposition einnehmen möchte, hat überhaupt keine Probleme, wenn er aus einer entsprechenden Standard-Laufbahn kommt. Andernfalls jedoch – halt, das können Sie selbst nachprüfen: Suchen Sie in Stellenanzeigen, ob und wie oft das, was Sie zu tun erwägen, ausdrücklich als Anforderung bei Positionen der nächsten Karriereebene genannt wird, die Sie danach gerne einnehmen würden. Und wenn das Resultat Sie befriedigt, dann tun Sie es! Aber wenn bei Ihrer Zielposition „Leiter Entwicklung“ niemals steht, Sie sollten CAD-Beauftragter gewesen sein, dann halten Sie sich damit zurück.

Kurzantwort:

Was verbindet den Facharbeiter in der Serienproduktion, den Abteilungsleiter in der Konstruktion, den Bereichsleiter im Rechnungswesen und den Vorstand/Geschäftsführer an der Spitze eines Unternehmens? Sie sind „Linie“ in der Organisation, unverzichtbare (unterschiedlich große) Rädchen im operativen Geschäftsgetriebe. Sie nehmen „stinknormale“ Standardpositionen ein – und sind in Laufbahnen eingebettet. Mitunter ist noch ein bisschen gezielte Weiterbildung erforderlich, aber auch die lässt sich recht eindeutig festlegen, da bleibt kaum eine Frage offen: Der Facharbeiter müsste „nur“ Ingenieur werden, dann führen ihn gerade „Schienen“ weiter nach oben. Und der Abteilungsleiter hat seine umfassende Ausbildung schon, er muss nur noch gut sein in seinem – und dem nächsthöheren – Job, dann steht der Ernennung zum technischen Leiter bzw. Geschäftsführer kaum noch etwas im Wege.

Frage-Nr.: 235
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 14
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-04-07

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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