Heiko Mell

Das eben ist der Fluch …

Frage/1 (1. E-Mail dieses Einsenders vom 26.06. um 7.24 Uhr): …und seid 5 Jahren in einem mittelständigem Unternehmen … beschäftigt.

Frage/2 (2. E-Mail desselben Einsenders vom 26.06. um 12.05 Uhr): Höchst peinlich, aber es ist mir passiert: Ich arbeite natürlich in einem mittelstänischem Unternehmen!!

Antwort:

Antwort 1 + 2: Auf den Prozess, der bei Ihnen nach dem ersten Schreiben einsetzte und der zu der Erkenntnis führte, dass da irgendetwas nicht stimmt, bin ich stolz. Immerhin ist es das, was eines Tages von mir bleiben wird: das Wissen, dass es kein mittelständiges Unternehmen gibt. Ich stelle mir das so vor:

Ich stehe vor Petrus, der den weiteren Aufenthaltsort zuteilt. Er hat sein dickes Buch (ich bin zutiefst überzeugt, dass es kein Laptop sein wird) vor sich und fragt: „Lebensleistung?“ Ich, mit stolzgeschwellter Brust: „Mittelständig im Sprachgebrauch der Wirtschaft getilgt.“ Er zieht anerkennend die Augenbrauen hoch, nickt und gewährt Durchlass: „Kannst passieren.“

Aber leider reichen meine Fähigkeiten noch etwas weiter. Und wer könnte, aber nicht täte, drohte zu ersticken. Also, geehrter Einsender:

a) Ihre Korrektur enthält immer noch zwei Fehler:- dem Wort „mittelstänisch“ fehlt ein „d“ und- es muss in beiden Fällen „in einem mittelständischen“ heißen.

b) „Seid umschlungen, Millionen“, „seid fruchtbar und mehret euch“, „seid unbesorgt, es geht mir gut“, „ihr seid hungrig“ – das alles wäre richtig, was „seid“ angeht. Es betrifft die Befehls- oder die Gegenwartsform von „sein“.

Wenn aber „seit“ im zeitlichen Zusammenhang gebraucht wird („seit 5 Jahren“), dann ist es „seit“. Die Eselsbrücke (keine Beleidigung, ein Fachausdruck) lautet: „Seit von der Zeit mit t.“ Ein Kombinationsbeispiel: „Ich weiß, ihr seid seit gestern unterwegs.“

Und dann die Warnung: Meine Ausbildung ist schwach, meine Bildung gering, eine besondere Sprachschulung habe ich nicht, auch kein Abitur und schon gar keines mit Leistungskurs Deutsch.

Fazit: Wer weniger weiß als ich, weiß sehr wenig.

Und für Sie, geehrter Einsender, gilt: Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit stecken solche Fehler überall, wo Sie schreiben. Manche Empfänger reagieren darauf so negativ, dass Ihr eigentliches Anliegen untergeht. Und da Betroffene immer Beispiele wollen: Auch in „alle Namenhaften Kunden“ (aus Ihrem Lebenslauf) steckt ein Doppelfehler: Es heißt „namhaft“, nicht „namenhaft“ und als Adjektiv (Eigenschaftswort) würde „namhaften“ kleingeschrieben.

Zum Ausgleich für diese Kritik korrigiere ich Ihre längere Einsendung später gleich beim Abdruck, dann können wir uns dort auf den Inhalt konzentrieren. Und um Missverständnissen vorzubeugen: Sie sind in Deutschland geborener Deutscher mit Abitur und Universitätsabschluss.

PS: Die Überschrift ist der Anfang eines Zitats: „Das eben ist der Fluch der bösen Tat, / Dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.“ Es ist aus Schillers „Wallenstein“ (Die Piccolomini). Und von mir gemeint ist damit, dass die „böse Tat“ (sich in der Schulzeit nicht hinreichend um Deutsch zu kümmern) fortzeugend weiter Böses gebärt: Selbst wenn man einzelne Fehler erkennt und Korrekturen nachreicht, enthalten diese leicht weitere oder neue Fehler.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2332
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 29
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-07-15

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