Heiko Mell

25 Jahre Karriereberatung in den VDI nachrichten

Frage:

Sie werden doch sicher etwas zum Jubiläum schreiben?

Antwort:

Werde ich, es geht hier direkt los. Am Anfang steht ein – seltenes – Geständnis von mir: Während sonst die Fragen stets echte Leser-Anliegen sind, habe ich diese erfinden müssen. Ich kann zwar auch Beiträge schreiben, die keine nummerierte (darauf kommt es an!) Frage enthalten, auch der Abdruck in der Zeitung ist kein Problem, aber die Darstellung im Internet hakt dann. Wer die Vorankündigung zum Jubiläum der Serie dort verfolgt hat, konnte es merken. Und da ich – in Grenzen – ein lernfähiger Mensch bin, liefere ich hier also einen Jubiläums-Beitrag mit vorbildlicher Nummer.

Womit wir mitten im Thema sind: 25 Jahre Karriereberatung. Wir hatten an manches nicht gedacht damals, beispielsweise an so viele Jahre Laufzeit nicht und ans Internet eben auch nicht.

Immerhin war die Idee zu dieser Serie damals nach bestem Wissen und Gewissen irgendwie „weltexklusiv“ – niemand hatte und hat je von Vergleichbarem berichtet, das „vor uns“ gewesen wäre. Würden die Leser die oft unbequemen Wahrheiten „schlucken“, würden genügend Einsender ihre teilweise ja doch sehr intimen Probleme in genügend großer Zahl einreichen, würden sie verständnisvoll auf die Antworten reagieren – in denen ja oft genug würde stehen müssen: Dieses und jenes war falsch, ungeschickt oder unmöglich?

Von mir will ich gar nicht reden, aber die Verantwortlichen dieser Zeitung waren sehr mutig damals, als sie mir für dieses Experiment grünes Licht gaben. Es hätte ja auch daneben gehen können – mangels Leserbeteiligung oder mangels Interesse am Thema. Ich hatte allerdings Vorkenntnisse und Erfahrungen, auf denen ich aufbauen konnte: 15 Jahre Praxis als Personalberater, in denen ich gesehen hatte, was Bewerber alles nicht wissen und was Menschen in einer von uns damals für Einzelpersonen schon angebotenen Karriereberatung erwarten und wie viel an klaren Aussagen sie vertragen.

Es hat „funktioniert“ – teils, weil das Konzept aufging, teils aber auch, weil sich im Nachhinein verschiedene Details als erfolgsentscheidend erwiesen, die sich damals eher zufällig ergeben hatten.

Ziel war, ich muss das immer wieder betonen, nicht die große Weltverbesserung, sondern eine Optimierung im Kleinen. Nicht der Umbau des Systems stand auf unseren Fahnen (was mir immer wieder einmal vorgehalten wird), das Ziel war eine Nummer weniger anspruchsvoll: Ich wollte und will erläutern, wie diese Berufswelt funktioniert, welchen Regeln sie unterliegt und wie der einzelne Teilnehmer am „Spiel“ am besten damit zurechtkommen kann, so er denn will. Das ist, wie ich gelernt habe, anspruchsvoll genug.

Hat das Konzept sein Ziel erreicht?

Eine sehr schwierige Frage, die ohne eine wirklich schlüssige Antwort bleibt. Ich konnte aber vielen Lesern wirksam helfen, wie mir immer wieder bestätigt wird. Das geht bis hin zu „Meine Karriere verdanke ich vor allem Ihren Tipps“. Ich freue mich darüber sehr.

Und es gibt auch positive Ansatzpunkte bei der großen Masse der Leser: Viele fragen heute, bevor sie einschneidende Schritte unternehmen – früher hätten sie spontan drauflos gehandelt.

Ich durfte praktisch eine ganze Generation von Lesern auf ihren beruflichen Wegen begleiten. Was haben wir nicht alles zusammen erlebt! Von der Diskussion darüber, ob man in Bayern tatsächlich „das Butter“ sagt bis zum schwer auszurottenden „mittelständigen“ Betrieb reicht das Themenspektrum der Diskussion. Immer wieder treffe ich Ingenieure fortgeschrittenen Alters, die erzählen: „Ich habe Ihre Serie von Anfang an gelesen“ – ein ungeheures Kompliment für mich.

Besonders stolz bin ich auf den Unterhaltungswert, der mir bestätigt wird – schließlich ist das Kernthema eigentlich recht trocken. Aber das hat bei mir eine lange Tradition. Begonnen, jedenfalls bewusst begonnen, hat es so:

Stendal in der Altmark, irgendwann im Sommer 1955 (in der Erinnerung ist stets sehr viel mehr Sommer- als anderes Wetter). Ich bin 13. Meine Schule in der Kleinstadt ist die Zentralanstalt für die 7. und 8. Klassen der damals obligatorischen Einheitsschule der DDR – danach geht es in die Praxis, auf die Mittel- oder die Oberschule. Die ersten sechs Schuljahre haben wir auf Zwergschulen mit drei bis vier Klassen pro Raum in den Dörfern verbracht (das eigentliche Geheimnis meiner überlegenen Halbbildung). Jetzt aber sind wir 3.000 Schüler in der Anstalt. Und haben einen Direktor (jung, dynamisch, linientreu, aber dennoch irgendwie nett, eine Autorität kraft Amtes sowie kraft Persönlichkeit). Er unterrichtet Staatsbürgerkunde oder wie immer das Fach heißt, in dem es um sozialistische Politik-Erziehung geht.

Wir schreiben einen Aufsatz, Thema ist das monopolkapitalistisch-imperialistisch-kriegstreibende System in Westdeutschland. Ich bin perfekt präpariert. Niemand zwar nimmt diese Stunden ernst, niemand bereitet sich darauf etwa vor. Aber wir – auf dem Dorf – haben kein Toilettenpapier, verfügen jedoch über eine Zeitung namens „Volksstimme“. Und die hat eine Standardrubrik „Theorie und Praxis unserer Partei“. Diese ist eingerahmt und hat für jenen Zweck die richtige Größe.

Und ich lese alles, was mir unter die Augen kommt. Alle diese unmöglichen Wandparolen und notfalls sogar alles über die Theorie der Partei. Als wir jenen Aufsatz schreiben, beschließe ich, dem Affen Zucker zu geben und den Herrn Direktor ein wenig zu kitzeln. Indem ich ihn links überhole (rechts wäre tödlich gewesen) und alles heraushole, was das Thema gerade noch verträgt und der offiziellen Parteilinie nicht erkennbar entgegensteht. An den Kernsatz meiner Ausführungen erinnere ich mich noch heute: „Und Adenauer, dieses Subjekt in den Händen der Imperialisten und Kapitalisten, wagt es, …“ Was er wagte, habe ich vergessen. Aber in dem Stil ging es zwei bis drei Seiten weiter.

Und dann hatte mein Direktor ein Problem. Gemerkt hat er den „Zucker“ schon, aber nachzuweisen war dem vermutlich einzigen Leser von „Theorie und Praxis unserer Partei“ im Kreisgebiet nichts. „Die“ verzapften permanent Blödsinn, also schrieb ich Blödsinn plus. Nicht als Widerstand, absolut nicht, sondern einfach so, wie andere mit Papierkügelchen werfen. Ich fand es spannend – obwohl wir damals dieses Wort dafür noch nicht benutzten. Wie in der Chemie: Mal sehen, was passiert.

Selten hat mir jemand so imponiert wie jener jugendliche Direktor mit seiner Problemlösung: „Heiko, vortreten.“ Ich trat, die Klasse feixte. Endlich passierte etwas – und sie fühlten sich alle in der Sicherheit jener, die nicht betroffen waren. „Noch näher.“ Dann haute er mir eine Ohrfeige herunter, was damals noch möglich war (und mir nicht geschadet hat). Der Klasse tat das gut, man spürte es. Was dann kam, überraschte alle, am meisten mich: „Im Übrigen (vermutlich hat er im Original „im übrigen“ gesagt) ist der Aufsatz 1. Setzen.“

Ich hatte meine Strafe, ich hatte meine 1, die Klasse hatte ein Rätsel („wird man jetzt schon für Einser-Noten gehauen?“) und ich hatte mein Talent entdeckt. Es ging also! Und Adenauer habe ich dann später im Westen einmal gewählt – als Wiedergutmachung sozusagen. Geblieben ist mir das Gespür dafür, was gerade noch geht (ich bemühe mich heute aber, unter der Ohrfeigen-Schwelle zu bleiben).

Inzwischen ist die Arbeit an dieser Serie zu einem wichtigen Teil meiner beruflichen Arbeit geworden, der Ruf „Wir müssen noch einen Wochenbeitrag schreiben“ gehört zum Alltag im Büro. Gelegentlich sagen Leser, man spüre, dass ich Freude daran habe. Das wiederum ist tatsächlich so. Mein Dank gilt nicht nur jenen Verantwortlichen dieser Zeitung, die 1984 grünes Licht für das Projekt gaben, sondern auch den Managern, die nach ihnen kamen und die ausnahmslos die Weiterführung dieser Arbeit ermöglichten und überwiegend wohlwollend begleiteten. Ganz besonders aber danke ich den Lesern, ohne deren Beteiligung bzw. aktives Interesse ein derartiger Erfolg über so viele Jahre hinweg nicht möglich gewesen wäre. Wenn Sie nur halb so viel Spaß an der Geschichte haben wie ich ihn jede Woche habe, dann bin ich sehr zufrieden. Denn: Ein guter Autor ist jemand, den seine Leser dafür halten.

Hier nun eine eher zufällige Auswahl aus den Zuschriften, die uns zum Jubiläum erreicht haben (gelesen habe ich sie alle – und, für Zweifler: Mehr an Kritik im Sinne von Tadel war nicht):

Leser A:

Herzlichen Dank und Glückwunsch an den Jubilar! Die Serie hat mich (von meinem Vater – auch Ingenieur und VDI-Mitglied – seinerzeit angeregt) mein ganzes Berufsleben lang begleitet, mir bei manchen Entscheidungen geholfen und oft den eigenen Standpunkt bestätigt. Langweilig ist sie mir auch jetzt noch nicht, selbst wenn der arme Autor sich zwangsläufig so oft wiederholen muss (HM: Sie tun es immer wieder …). Meine Söhne (keine Ingenieure) habe ich mit vielen Folgen erfreut bis genervt, klar dass auch sie jetzt den Eignungstest bekommen haben (Ich habe 140 Punkte erzielt – das Ergebnis hat mich in der Richtigkeit der Aussage trotz allen bereits vorhandenen Respekts für den Jubilar dann doch überrascht; ich bin 61, habe gerade meine passive ATZ begonnen und war für den 1.200 Mitarbeiter-Standort eines weltweit agierenden Konzerns in einer Doppelfunktion im Management tätig).

PS: Und auch einen Dank an die VDI nachrichten, dass sie die Serie so lange und immer noch gebracht haben bzw. bringen werden!

 

Leser B:

Ich lese Ihre Karriereberatung durchgehend seit meiner Studienzeit. An der Richtigkeit Ihrer Beschreibung der Berufswelt habe ich auch als Student kaum gezweifelt.

Es fiel mir aber offenbar jahrelang schwer, Ihre Ratschläge in mein eigenes Berufsleben zu übersetzen und anzuwenden. Irgendwann muss aber wohl der Groschen gefallen sein, und ich habe aufgehört, kurzfristige Belohnungen für gute Arbeit zu erwarten.

Über mehrere Jahre hinweg mehr zu tun als mein Arbeitsvertrag und meine Funktion im Unternehmen vorsahen, hat mir geholfen, die Karriereleiter nach oben zu klettern. Ihre Aussage, man solle erst wie ein Abteilungsleiter arbeiten, dann würde man vielleicht mal einer werden und irgendwann auch so bezahlt, hat sich für mich bewahrheitet.

 

Leser C:

Als Student habe ich Heiko Mell gelesen, da die VDI nachrichten an der FH rumlagen.

Damals hielt ich ihn für einen Agenten des Kapitalismus, der seinen Lesern das Rückgrat verbiegen möchte. Heute habe ich seine Art und Weise übernommen, das Prinzip „Karriere in unserem Wirtschaftssystem“ zu erläutern.

Gestern saß ich mit einem Schüler der 11. Klasse in einem Zugabteil. Als dieser mir erzählte, wie er sein Abitur, Studium und Berufsleben plane, habe ich versucht, ihm einige diesbezügliche Gesetzmäßigkeiten zu erläutern. Dabei habe ich wohl sehr „mellig“ gesprochen.

Ich danke Herrn Mell für seine Beharrlichkeit und Geradlinigkeit. Sehr angenehm finde ich, dass manchmal eine Altersmilde durchschimmert und er gewisse Auswüchse des Systems kritisiert, z. B. wie würdelos altgediente Mitarbeiter abserviert werden.

Möge Herr Mell uns Ingenieuren noch lange erhalten bleiben.

 

Leser D:

Das bisschen Deutschunterricht am Rande soll nicht unerwähnt bleiben. Manchmal war er penetrant, nützlich allemal.

Manche Leser wünschen sich den Mell etwas menschlicher, etwas weicher, etwas sozialer. Spätestens seit Ihrer Antwort auf die Frage eines HIV-Infizierten, wie er damit karrieretechnisch umgehen soll, kennen die (etwas älteren) Leser den Mell auch als menschlich und einfühlsam, auch wenn er letztlich auch diese sehr schwierige und menschlich ergreifende Frage in Klarheit und im Sinne der Serie beantwortet hat.

Machen Sie – hoffentlich bei bleibender Gesundheit – noch ein paar Jahre weiter so! Etwas Altersmildheit mag nicht schaden, aber bitte nicht zuviel davon.

 

Leser E:

Seit 1963 bin ich VDI-Mitglied und lese Ihre Karriereberatung von Anfang an. Seit meinem Ruhestand bin ich als Trainer für Management-Themen freiberuflich tätig. Ihre Serie empfehle ich, wo immer ich kann (mit Erfolg).

Ihre Informationen rund um das Thema „Bewerbung“ empfinde ich als so zielführend, dass ich Sie, sehr geehrter Herr Dr. Mell, gerne als meinen geistigen Mentor bezeichne. Auf Ihre Ausführungen weise ich gerne in meinen Seminaren und in Einzelgesprächen hin. Bei der Beratung im konkreten Bewerbungsfall müssen sich meine Kunden an Ihrem Musterlebenslauf und an Ihrem Musteranschreiben orientieren.

Die Qualität Ihrer Muster kann ich belegen: Alle meine Kunden sind (z. T. erst nach mehreren Anläufen) zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden.

 

Leser F:

Immer mit Genuss gelesen, mal wegen des Inhalts, mal wegen des Stils, mal wegen beidem.

 

Leser G:

Der für mich bisher wertvollste Beitrag war „Notizen aus der Praxis“ Nr. 161 aus 2002: „Chefs wollen Lösungen, keine Probleme“. Die meisten Chefs folgen diesen Grundsätzen. Ich habe – als Mitarbeiter – immer versucht, dem zu folgen. Ich war damit erfolgreich – aus meiner Sicht. Die Kopie jenes Beitrages habe ich seit dem Erscheinen immer in meinem Ringbuch bei mir getragen. Als Chef habe ich dann immer versucht, diesem Grundsatz nicht zu folgen, da ich als Chef die Probleme wissen wollte und dann gemeinsam mit den Mitarbeitern die Lösung erarbeiten wollte.

 

Leserin H:

Mein Mann und ich sind beide Diplom-Ingenieure und lesen seit mehr als zehn Jahren begeistert Ihre Karriereberatung. Ich bin seit sieben Jahren eine „Stay-Home-Mom“, die Beiträge in der Karriereberatung sind ein bisschen zu meinem „Fenster“ in die Arbeitswelt geworden. Besonders gern lese ich auch die Zuschriften, die immer wieder bestätigen, wie sehr Ihre Ratschläge tatsächlich den Zuständen in der Industrie entsprechen.

Ihr 25-jähriges Jubiläum ist eine große Errungenschaft und hat mit Sicherheit großen Einfluss auf die Ingenieure gehabt. Wie groß ist dieser Einfluss tatsächlich? Was war zuerst, das Ei oder „der Mell“?

 

Leser I:

Zum Jubiläum möchte ich Ihnen herzlich gratulieren und Dank von vielleicht unerwarteter Seite aussprechen: Ich (Dr.-Ing.) habe sehr von Ihren Hinweisen profitiert, obwohl ich gar kein Interesse an einer Karriere habe, mein berufliches Fortkommen bei weitem nicht auf Platz eins der Mell’schen Prioritätenliste steht. Aber all die Einblicke in manch seltsames Verhalten von Kollegen, Vorgesetzten und Mitarbeitern haben sich auch für jemanden als nützlich erwiesen, dessen „roter Faden“ im Lebenslauf allenfalls aus maximalem Spaß bei immer neuen Aufgaben gebildet wird und folgerichtig nicht in eine Führungsrolle im Konzern geführt hat, sondern dorthin, wo Deutschland am schönsten ist.

Mittelstufenschüler war ich, als mein Vater anfing, mir Ihre damals noch junge Serie zu lesen zu geben. Die stets amüsante Lektüre trug zu meiner Erkenntnis bei, dass ich für eine Laufbahn nicht geschaffen bin, bei der zunehmend Inszenierung und Netzwerkerei die produktiven Inhalte verdrängen. Und wenn ich mich gegen die vielzitierten „Unzulänglichkeiten des Systems“ auflehne, ist es natürlich wichtig, dieses System richtig zu verstehen und mein Risiko zu kennen.

Das mag nicht Ihr eigentliches Anliegen sein, aber Sie haben mich sicherlich davor bewahrt, mich unglücklich zu machen. Und als mein letzter Arbeitgeber vor dem Aus stand, kostete es mich dank Mell’scher Bewerbungsschule eine einzige E-Mail, mir eine neue, attraktive Stelle zu sichern. Herzlichen Dank!

 

Leserin J:

Vor einigen Jahren bin ich auf die „Karriereberatung“ in den VDI nachrichten gestoßen und zum Heiko Mell-Fan geworden. Natürlich sind mir am Anfang die zunächst harten Analysen aufgestoßen. Doch mit der Zeit kam ich zu der Erkenntnis, dass das System so funktioniert und dass jegliches Sträuben dagegen nur Sand ins Getriebe bringt. Man könnte darüber fatalistisch werden, doch das nützt niemandem etwas. Letztlich stellt sich Zufriedenheit nur ein, wenn man mit sich, der Arbeit und dem System, in dem man als abhängig Beschäftigter tätig ist, seinen Frieden gemacht hat. Danach konzentriere ich mich darauf, meine Arbeit gut zu machen und meine Vorgesetzten zufrieden zu stellen. Dies habe ich von Herrn Mell gelernt.

 

Leser K (in Auszügen):

Herbst 1984, gerade vier Wochen als 20-jähriger Maschinenbaustudent an der TU München unterwegs, durch die Aula schlendernd, kam ich am VDI-Stand vorbei. Ich erinnerte mich an meinen Bruder, auch Ingenieur, der die VDI nachrichten zu Hause hatte. Ein paar Artikel hatte ich gelesen und fand die Zeitung als ergänzende Information zum Studium als gute Sache.

Für 40 DM war ich dabei und erhielt von nun an jeden Freitag die VDI nachrichten. Die ersten Blicke in die neue Zeitung gingen auf die interessanten Artikel, die auf der ersten Seite angepriesen wurden.

Ab der dritten Zeitung war der Fokus ein anderer: Freitags wieder zu Hause, die Zeitung aus dem Briefkasten genommen, den hinteren Teil aus der Zeitung gezogen, die zweite Seite aufgeschlagen und gelesen, was „Mell“ in der Karriereberatung zu sagen hat. Kommilitonen hatten Gleiches getan und so waren oft am Montagmorgen die Ausführungen, aber wohl eher die Art der Ausführung zu den einschlägigen Themen durch Heiko Mell, ein Teil der studentischen Diskussion.

Wir alle kennen die „mittelständige/mittelständische“ Frage, die Hinweise auf Rechtschreibung, Grammatik und Satzbau, die verzweifelten Versuche der Leser, Lücken/Fehler beim Autor zu finden oder die Fragen, ob die harte Welt da draußen nicht anders sein müsste.

Eigentlich wollte ich ja Flugzeuge bauen, wusste nicht so richtig, was Management und dieser ganze Kram (Karriere etc.) genau bedeutete. Dann sagte man uns an der Uni, dass wir als Ingenieure später überwiegend Führungsaufgaben hätten. Parallel wurde ich/man beeinflusst von den ganzen unterschiedlichen Themen, die in der Karriereberatung besprochen wurden. Das Bild verdichtete sich: Da ist also eine Menge los da draußen, auf das man schon früh achten sollte.

Ich trat nach dem Studium meine erste Tätigkeit bei einem der großen amerikanischen Beratungshäuser an. Nach vier Jahren haben wir uns zu dritt selbstständig gemacht. Unsere eigene Beratung hat heute siebzig Mitarbeiter, die nach einer gewissen Zeit alle als Mitunternehmer beteiligt werden.

Aus meiner Sichte ergeben Ihre Antworten aus den nun mehr als 2.000 Fragen einen sehr guten Rahmen, was in der Arbeitswelt zu dem Thema passiert/passieren kann. Damit ist man gewappnet, wenn man auf diese Welt trifft. Wie man damit umgeht, ist einem selbst überlassen – wenn einem Besseres/Menschlicheres/Freundlicheres/Angenehmeres widerfährt, was oft vorkommt, umso besser.

Das wird vermittelt aus der Sicht eines Internen, eines Profis. Kritik ist hier nicht angebracht, da Realitäten geschildert werden. Den ganzen Prozess bzw. die bestehenden Strukturen weiter positiv zu beeinflussen, liegt an uns allen: einfach machen.

 

Leserin L:

Vor vielen Jahren habe ich Ihre Karriereberatung in den VDI nachrichten meines Mannes entdeckt. Seitdem sind wir treue Leser Ihrer Serie. „Ist Heiko Mell heute gut?“ ist die allwöchentliche Frage an denjenigen von uns beiden, der Ihren neuen Beitrag zuerst gelesen hat.

Ihre Erklärungen, wie Konzerne funktionieren und wie man seinen eigenen Chef sehen muss, sind unentbehrlich für die eigene Karriereplanung. Sie haben mich vor einigen dummen Fehlern bewahrt; besonders hilfreich waren Ihre Warnungen, nicht gegen einen oder an einem schwachen, passiven Chef vorbei zu arbeiten. Ihre Bewerbungstipps sind sehr hilfreich für Nicht-Personalfachleute bei Einstellung neuer Mitarbeiter.

Mein Mann hat sich vor einigen Jahren mit vier Kollegen selbstständig gemacht. Bei der Auswahl und Einstellung von neuen Mitarbeitern wendet er Ihre Bewerbungstipps auf die Arbeitgeberperspektive an.

 

Leser M (auf dem Briefbogen des Lehrstuhlinhabers einer deutschen Universität):

Aufmerksam geworden durch Ihre damals schon ansprechenden und überzeugenden Ausführungen in den VDI nachrichten, bat ich Sie vor mehr als zwanzig Jahren um eine Beratung über mögliche Alternativen für meine berufliche Zukunft. Sie sagten mit deutlichen Worten, dass für mich eine akademische Laufbahn die beste Lösung wäre. Ich bin gerne Ihrem Rat gefolgt und habe es bis heute nicht bereut. Haben Sie nochmals herzlichen Dank für Ihre klaren Aussagen von damals, die mir sehr geholfen haben!

 

Leser N:

Waren die ersten Jahre, in denen ich Ihre Serie las, noch mit sehr viel Abneigung ob der geschilderten Arbeitsumwelt und deren Regeln verbunden, hat sich meine Einstellung nach und nach gewandelt.

Ich war ein klassischer Maschinenbaustudent aus bildungsfernen Gesellschaftskreisen. Wichtiger als „Karriere“ waren für mich immer schon Freunde, Politik, Kultur, später Familie und Sport. Bei zwei Konzerntöchtern hatte ich Pech (eine wurde aufgelöst, eine erwies sich als krank), dann erlag ich der Versuchung, fachfremd tätig zu werden. Seither weiß ich, dass „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ auch auf mich passt. Es bedurfte einiger größerer Bewerbungsanstrengungen, um wieder ins vertraute Umfeld zurückkehren zu können. Dass dies geklappt hat, verdanke ich sicher auch Ihrer klaren Sprache bezüglich der Gestaltung von Bewerbungsschreiben und Lebensläufen.

Mittlerweile bin ich „voll in meiner Spur“ und habe mit Mitte 40 eine Position erreicht, mit der ich gerne auch älter werde. Der letzte Stellenwechsel war eine so schöne Punktlandung, dass ich mich heute noch daran freuen kann: Ich habe nach vier Jahren in der vorigen Anstellung mit nur einer einzigen Bewerbung auf eine Stellenanzeige in den VDI nachrichten die Anstellung erlangen können, der ich entspreche und die mich erfüllt. Dass dies gelingen konnte, verdanke ich ganz sicher auch Ihren langjährigen Ausführungen.

 

Leser O:

Mein Kurz-Steckbrief: Dipl.-Ing., 41, heute: Leitung Technik, Mitglied der Geschäftsleitung, 140 Mitarbeiter, Prokura, Bereich Vertrieb und Service Investitionsgüter eines Hauses mit insgesamt ca. 220 Mitarbeitern in Deutschland. Leser der Karriereberatung seit 1991.

1. Ohne die tatkräftige Unterstützung von Herrn Mell hätte ich das nie geschafft. Ich würde zweifelsfrei heute etwas anderes mit weniger Verantwortung und Einkommen machen. Dafür ein ganz herzliches Dankeschön!

2. Herr Mell liegt nie daneben. Das kann dem Leser nun passen oder nicht. Es gibt Dinge, die sich durch den Einzelnen nicht ändern lassen. Dazu gehört das System, das von Herrn Mell so trefflich beschrieben wird. Es ist alles genau so! In allen Phasen meines bisherigen Berufslebens habe ich mich in den Beschreibungen von Herrn Mell wiedergefunden.

3. Die VDI nachrichten ohne Herrn Mell mag ich mir nicht vorstellen. Ich hoffe sehr, dass Herr Mell noch unendlich viele Jahre Freude am Verfassen der Karriereberatung hat.

 

Leser P:

Auch wenn die meisten Ratschläge von mir nicht direkt angewendet wurden, wirken diese im Unterbewusstsein und ergeben die richtigen Verhaltensweisen in den entsprechenden Situationen, wo man „zur Stelle“ sein sollte.

 

Leserin Q:

1984 lernte ich – Fremdsprachensekretärin – meinen Mann, einen Ingenieur, kennen und somit auch die VDI nachrichten und die gerade angelaufene Karriereberatung. Schon bald stand für mich fest: Kommt Herr Mell einmal zu einer Veranstaltung, dann gehe ich hin.

Eines späteren Tages war es soweit. Beim VDI nachrichten-Recruiting Tag gab es die Möglichkeit, Herrn Mell Fragen zu stellen. Als Zaungast begab ich mich unter das Publikum. Ein junger Mann aus der ersten Reihe hatte lange Haare bis über die Schultern, die er offen trug. Er berichtete von erfolglosen Bemühungen um eine erste Anstellung.

20 Jahre Mell, das prägt: Noch während er dem Kandidaten zuhörte begab sich meine rechte Hand, mehr unbewusst als bewusst, an meine Stirn, wo meine Finger eine Schnipp-Schnapp-Bewegung machten. Zu meinem Entsetzen musste Herr Mell plötzlich sichtlich mit den Lachmuskeln kämpfen, was den Fragesteller sicherlich verwunderte. Schnell rettete Herr Mell die Situation. In der nächsten Sprechpause des Kandidaten übernahm er das Wort und sagte, nun wirklich lachend, „die Zuhörerin in der dritten Reihe ist schon ganz gespannt“ – und er wolle jetzt auf die verschiedenen Aspekte eingehen.

Herr Mell sprach direkt das Thema „Haare“ an (jede Gruppe von Entscheidungsträgern beruft Leute zu sich, die „so sind und so denken wie wir“). Er leitete das ein mit den Worten „Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber …“

Noch heute denke ich gern an jenen Nachmittag zurück, an dem ich mich für unzählige Male „erheitert werden“ einmal unbeabsichtigt revanchieren durfte.

 

Frage-Nr.: 2313
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 20
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-05-13

Von Heiko Mell

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