Heiko Mell

A hat den Nutzen, B zahlt

Antwort:

„Süddeutsche Automobil AG
Der Vorstand
Herrn Heiko Mell
Rösrath
Finanzierung unseres Entwicklungsbudgets

Sehr geehrter Herr Mell, wir entnehmen unseren Unterlagen, dass Sie seit Jahren Stammkunde unseres Hauses sind. Dafür danken wir Ihnen hier ausdrücklich.

Nun ist es so, dass wir unsere Marktposition ebenso wie den Wert unserer Aktien stets absichern und positiv weiterentwickeln müssen – das gebietet schon die Rücksicht auf unsere Aktionäre.Wir fänden es daher ebenso sinnvoll wie angemessen, wenn Sie uns, beispielsweise jeweils zum 1. Januar eines Jahres, 1.000 EUR überweisen würden. Mit diesem Betrag stärken wir unser Entwicklungsbudget – denn je leistungsfähiger unsere Technik wird, desto besser für uns, für unsere Anteilseigner und nicht zuletzt für unsere Kunden.

Wir sind sicher, dass Sie für unser Anliegen Verständnis haben werden. Eine vorbereitete Überweisung fügen wir bei.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Süddeutsche Automobil AG“

Ein fiktiver Brief eines fiktiven Unternehmens an einen fiktiven Kunden. Was halten Sie vom Inhalt? Ein bisschen unverschämt, nicht wahr?

Natürlich müssen die dort neue Technologien entwickeln. Aber den Aufwand dafür sollen sie bitte aus dem „Topf“ nehmen, der mit dem Geld aus dem Verkauf ihrer Produkte gefüllt wird. Schließlich zahle ich ja für die Autos. Und wenn sie dann einmal etwas Bahnbrechendes entwickelt haben, dann sollen sie es mir als wahlweise Serienausstattung gegen Aufpreis anbieten. Wenn ich das dann gebrauchen kann, bezahle ich dafür. Aber pauschale Zuwendungen ohne konkret erkennbaren Nutzen für mich als Käufer, nur um dem Verkäufer Marktvorteile oder ein schöneres Leben zu verschaffen? Nein, liebe Leute, mit mir nicht.

So werden Sie denken, so denke ich auch.So denken denn auch Arbeitgeber als „Käufer“ einer Arbeitskraft über das Ansinnen eines „Verkäufers“ (also ihres Angestellten), pauschal und ohne konkreten Vorteil für sie selbst Beiträge zu dessen allgemeiner Weiterbildung leisten zu sollen.

Ausbildung ist zunächst einmal Sache des Menschen, der seine Arbeitskraft später verkaufen will. Wenn er nichts kann, ist sein Angebot auf dem Arbeitsmarkt nichts wert. Also bemüht er sich um eine möglichst solide Basis – im ureigenen Interesse.

Weiterbildung ist der Ausbau der Ausbildung, die Vermittlung darauf aufbauender Zusatzqualifikationen sowie der Kenntnisse und Fähigkeiten, die beispielsweise zur Beherrschung neuer Technologien gebraucht werden. Ist das Unternehmen konkret auf eine bestimmte Qualifikation dieser Art angewiesen, bezahlt es auch für deren Erwerb, schickt also Mitarbeiter auf seine Kosten auf Seminare. Resultiert für das Unternehmen (den „Käufer“) aus einer Weiterbildung kein konkreter Vorteil, dann liegt der Gewinn allein oder überwiegend beim „Verkäufer“ der Arbeitskraft. Also zahlt der – in Geld, Zeit usw. Denn ihm bleibt in jedem Falle der Zuwachs an Qualifikation – und sei es beim nächsten Arbeitgeberwechsel, anlässlich dessen er seine Investition vermarkten kann.

Und so sind beide Partner bei dem Thema gefordert: Der Arbeitgeber investiert in bzw. fördert an Weiterbildung bei seinen Mitarbeitern, was ihm nützt – die Mitarbeiter investieren eigene Mittel bei Vorhaben, die vor allem ihnen nützen.

Aber, um beim Eingangsbeispiel zu bleiben, Weiterbildung ist keine Spende des Käufers ohne konkreten Bezug zum erworbenen Produkt. Oder um wieder zum Arbeitsalltag zu kommen, sie ist auch keine allgemeine Sozialleistung, auf die zumindest ein moralischer Anspruch besteht.

Und so wäre aus Angestelltensicht diese Aussage auch nicht korrekt: „Die tun hier nichts für meine Weiterbildung.“ Berechtigt – und viel schlimmer – wäre allenfalls: „Bei denen hier wird die technische Entwicklung glatt verschlafen. Es gibt keine neuen Systeme, Verfahren und Programme, die zu beherrschen ich lernen müsste, also gibt es auch keine Seminare dafür. Das Unternehmen wird irgendwann den Anschluss verlieren.“

Denn Unternehmen bilden weiter, weil sie egoistisch sind. Wenn zu solchen Aktivitäten der Anlass fehlt, sieht es kritisch aus. Tun sie es als soziale Tat, nur damit der Mitarbeiter sich danach besser fühlt, haben sie Kosten ohne erkennbaren Vorteil (jedenfalls keinen, den eine Barprämie alle paar Monate nicht auch hätte).

Kurzantwort:

„Süddeutsche Automobil AG
Der Vorstand
Herrn Heiko Mell
Rösrath

Finanzierung unseres Entwicklungsbudgets

Sehr geehrter Herr Mell,
wir entnehmen unseren Unterlagen, dass Sie seit Jahren Stammkunde unseres Hauses sind. Dafür danken wir Ihnen hier ausdrücklich.

Frage-Nr.: 231
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 10
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-03-10

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