Heiko Mell

Nicht alle kennen und lesen diese Beiträge

(Ich hatte mich in der 2.289. Frage gewundert, dass es nach 25 Jahren immer noch Studenten gibt, die nie von dieser Serie gehört haben und dass nicht alle Menschen, die von diesen Beiträgen wissen, sie auch lesen; H. Mell.)

Leser A: Auch ich habe Ihre Serie erst im Alter von Mitte 30 noch als Sachbearbeiter kennengelernt. Als Physiker langt man nicht unbedingt zu einer Ingenieurs-Zeitung. Und damals empfand ich Ihre Kommentare und Hinweise als äußerst arrogant und schlimmeres. Aber auch als unterhaltend und das war es, warum ich dabei geblieben bin. Es hat dann auch nicht lange gedauert und ging quasi schleichend, bis ich Ihre Serie als lehrreich, aus dem Leben gegriffen und immer noch unterhaltend gesehen habe – von Arroganz keine Spur mehr. Ich vermute, es liegt nicht daran, dass Sie Ihren Stil geändert haben.

Heute gehe ich auf die 50 zu und bin leitender Angestellter bei der Robert Bosch GmbH. Ich glaube, Ihre Hinweise haben dazu beigetragen. In Gesprächen mit jungen Mitarbeitern, die mit mir über ihre Karriere-Chancen reden, empfehle ich deshalb regelmäßig, Ihre Serie zu lesen. Und ebenso regelmäßig stelle ich dann fest, viele tun es trotzdem nicht. Auch hier gilt also Ihre Regel: „Sie tun es immer wieder!“

Leserin B: Sie erreichen mit Ihren Artikeln eine weitaus größere Personengruppe als Sie sich wahrscheinlich denken. Seit nunmehr über zwei Jahrzehnten mit einem Dipl.-Ing. Maschinenbau verheiratet, dem ich verdanke, die VDI nachrichten kennengelernt zu haben, freue ich mich jeden Freitag auf die Lieferung derselbigen. Ihre praxisnahen Tipps sind meiner Meinung nach nicht nur für Akademiker ein Muss, sondern sie sind auch – etwas „heruntergeschraubt“ – für meine Schüler (Integrationskurse, Deutsch am Arbeitsplatz, Alphabetisierung) existenziell wichtig. Das Beherzigen der Tipps Ihrer Beratung hat mit Sicherheit vielen meiner Schüler geholfen, die für sie geeignete, persönliche Karriere einzuschlagen, auch wenn sie allesamt keine Akademiker sind.

Vielen Dank dafür und weiterhin frohes Schaffen! (Ich mag das schwäbische Wort „Schaffen“.)

Antwort:

Antwort zu A: Die Entwicklung Ihrer Bewertung meiner Arbeit hier in dieser Zeitung findet sich ähnlich in vielen Zuschriften. Im Anfang teilweise wütende Ablehnung, Anerkennung des dennoch gesehenen Unterhaltungswertes, später der Wandel hin zur positiven Einschätzung und die Bestätigung, dass manches sogar nützlich für die eigene Entwicklung gewesen sein könnte.

Woran liegt diese sich ändernde Einschätzung dieser Beiträge mit steigendem Alter und zunehmender Erfahrung? Nun, auch ich bin nicht gegen Veränderungen bis hin zur Milde der Altersweisheit gefeit, aber daran hängt es sicher nicht. Ich berichte aus der Praxis, erläutere Zusammenhänge, Hintergründe. Kurz: Mell sagt, wie es ist. Unterstellen wir das einmal – so gut wie nie wird dem ernsthaft widersprochen.Wenn nun die Konfrontation mit dem, was ist, den jüngeren Menschen aufregt und dem erfahreneren mehr und mehr Zustimmung abringt – dann ist das ein Zeichen dafür, wie wenig der junge Mensch vor dem Berufseintritt (Student) oder kurz danach über die vielbeschworene Praxis gewusst hat. So gut wie nichts und in jedem Fall erschreckend wenig. Später weiß er immer noch (zu) wenig, glaubt aber schon, was ich schreibe. Schließlich verfügt er jetzt über hinreichend viel an eigener Erfahrung, um sich vorstellen zu können, dass der Rest meiner Aussagen vermutlich auch noch stimmen wird – und für die eigene Laufbahn nützlich sein könnte.

Am meisten profitieren könnten Studenten – am meisten falsch machen auch. Einige erreiche ich, andere interessieren sich dafür nicht oder weigern sich, die Realität zur Kenntnis zu nehmen. Daher bin ich so dankbar für einen Beitrag wie den Ihren. Er zeigt wieder einmal, dass die Ablehnung am Anfang ganz normal ist – und dass sie später meist von der Einstellung „so ist es, der Mann hat recht“ abgelöst wird. Aber die Sache hat einen Haken: Auch das liest wieder nur, wer nicht unter die Totalverweigerer oder -ignorierer gegangen ist.

Denen kann ich nur sagen: Sie verweigern nicht etwa mir die Gefolgschaft, Sie leugnen die Realität. Damit schaden Sie sich selbst.

Ich meinerseits tue was ich kann, um gezielt auch junge Menschen zu erreichen: Vorlesungen an einer deutschen Universität, Vorträge an diversen Orten im Rahmen von Veranstaltungen der VDI nachrichten, gelegentliche sonstige Auftritte – und auch Ihr Haus hat mich zum dritten Mal eingeladen, damit ich dort zu jungen Führungs- und -nachwuchskräften spreche. Was immer man mir vorwerfen könnte: Ich habe es doch immerhin versucht.

Antwort zu B: Gerade auch über solche „Nebeneffekte“ freue ich mich sehr. Was Sie da beruflich tun, gewinnt immer mehr an Bedeutung – und wenn ich dazu ein wenig beitragen kann, bin ich dankbar.

Die Öffentlichkeit unterhaltsam darüber aufzuklären, wie das berufliche System so funktioniert, das ist mein zentrales Anliegen. Was der einzelne Berufstätige dann daraus macht, ist seine Sache. Schaffen wir also noch ein wenig – es gibt noch so unendlich viel zu tun.

Frage-Nr.: 2294
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 9
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-02-25

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